Klimaschutz durch Kraftwerk?

Datteln 4: Wie der Waltroper Aufbruch Wittkes Aussage ad absurdum führt

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Waltrop - Nach den Waltroper Grünen hat auch der Waltroper Aufbruch (WA) deutlich gemacht, dass er nichts von den Vorschlägen des Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium, Oliver Wittke (CDU), zum Kraftwerk Datteln 4 hält. Mehr noch: Der WA hat Wittkes Vorstoß regelrecht ad absurdum geführt.

Wittke hatte gesagt, das effizientere Kraftwerk Datteln 4 könne ans Netz gehen, wenn man ältere, weniger effiziente abschaltet – etwa die in Herne und Gelsenkirchen. Das sei ein Beitrag zum Klimaschutz. Wittke hatte den Vorschlag so verkauft, dass er damit den Klimaschützern entgegenkomme. Bekanntlich ist das Thema Klimaschutz im Moment in aller Munde und war zuletzt bei Wahlen mit entscheidend.

"Gedankenfehler liegt nicht im Detail, sondern im ganz Offensichtlichen“

Bernd Schäfer vom WA schreibt dazu: „Mal unabhängig davon, dass das Kohleausstiegskonzept einen mühsam ausgehandelten Kompromiss zwischen Umwelt- und Industrievertretern darstellt – dieses von den Interessenvertreten auf 278 Seiten zusammengefasste Konzept zum Kohleausstieg scheint im Wirtschaftsministerium dem Inhalt nach unbekannt zu sein.“ Wittkes Gedankenfehler liege „nicht im Detail, sondern im ganz Offensichtlichen“: Lasse man Datteln 4 im Jahr 2020 ans Netz gehen, so produziere das Kraftwerk bis zum Abschalten im Jahr 2038 jährlich sechs Millionen Tonnen CO2, insgesamt also 108 Millionen Tonnen.

Berechnungen werden hinfällig

Das sei allerdings eine theoretische Größe. In Wahrheit würden nun die Berechnungen hinsichtlich des Wirkungsgrads der Anlage und der Emissionen hinfällig. Grund: Weil es, wie berichtet, Probleme mit dem Kessel-„Superstahl“ T24 gab, wurde nun der konventionelle Stahl T12 verwendet. Daher müssten nun alle relevanten Daten neu berechnet werden, und die seien nun schlechter als die ursprünglichen Angaben. Im Kohle-Kompromiss sei zudem nachzulesen, dass ohnehin etwa in Herne bis 2022 bestehende Kraftwerke auf Kohlebasis durch neuere, CO2-ärmere Anlagen ersetzt werden sollten. Dort plane der Betreiber Steag bis 2022 ein Gaskraftwerk, das wesentlich weniger giftige Substanzen als ein Kohlekraftwerk ausstößt. Und in Gelsenkirchen-Scholven sei ohnehin nicht denkbar, dass die Blöcke, so alt wie sie seien, die nächsten Jahre überlebten – und das Kraftwerk emittiere ohnehin weniger Dreck als das neue Dattelner.

"Eine Schrottimmobilie"

Unterm Strich sei also Wittkes Vorschlag substanzlos: „Man weiß nicht ob die Sache ernst gemeint oder man einem üblen Scherz aufgesessen ist.“ Man könne „nur hoffen, dass die Bundes-Grünen nicht so einknicken werden wie die NRW-Grünen, mit deren Zustimmung im Jahr 2013 zum Zielabweichungsverfahren der Weiterbau dieser Schrottimmobilie erst möglich wurde“, schreibt Schäfer.

Warum die Stadt Waltrop wegen des Kraftwerks Datteln IV an Schadensersatz denkt?

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