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Die Klöcknersiedlung in Waltrop.

Klöcknersiedlung im Wandel

Ein Flachdach-Anbau scheint doch möglich

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Waltrop - Gute Nachricht für Familie Puppendahl: Bau-Dezernent Andreas Scheiba stellt in Aussicht, dass an ihrem Haus auch ein Flachdach-Anbau möglich ist. Denn dass die Klöcknersiedlung auch bauliche Veränderung braucht, das weiß man auch im Rathaus.

Es war das Jahr 1956, als die Klöckner-Werke AG damit begonnen hat, im Süden der Stadt ein neues Wohngebiet in die Höhe zu ziehen: die Klöcknersiedlung. 352 Einfamilienhäuser in Reihe eng nebeneinander gesetzt, dazu vier große Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf Wohnungen. Gedacht waren diese Immobilien für die Bergleute und ihre Familien, die auf Zechen der Klöckner-Werke AG beschäftigt waren. Dazu zählte unter anderem die nahe gelegene Zeche Ickern.

Großzügige Wohnflächen waren damals nicht gefragt. Viel mehr ging es darum, möglichst viele Menschen auf möglichst engem Raum unterzubringen. Schließlich fuhren die Bergwerke im Ruhrgebiet damals noch Vollauslastung, zigtausende Menschen malochten auf dem Pütt. Und diese vielen Menschen mussten irgendwo wohnen. Es war die Zeit, die als Wirtschaftswunder bezeichnet wird.

Wenig Wohnfläche und das auf zwei Etagen

60 Jahre später stehen die Häuser von damals immer noch. Doch die Anforderungen, die Familien an ihr Zuhause stellen, haben sich grundlegend geändert. Alles muss großzügiger sein, gerne mit zwei Kinderzimmern und Platz für den Hund. Kurzum: Die kleinen Reihenhäuser zwischen Herder- und Goethestraße, zwischen Heinrich-Heine- und Gottfried-Keller-Weg sind aus der Mode geraten. Zwischen 60 und 70 Quadratmetern Wohnfläche – freilich auf zwei Etagen verteilt –, das ist eher nichts für junge Familien. Genau aus diesem Grund möchten auch Nadine und Thomas Puppendahl anbauen. Wie berichtet, soll das Wohnzimmer um eine Etage aufgestockt und mit einem Flachdach abgedeckt werden. „Wir brauchen den Platz ohne Schrägen, damit wir auch einen Schrank ins Kinderzimmer stellen können“, hatte Nadine Puppendahl begründet. Zurück aus dem Bauamt kam ihr Architekt nach einem ersten Vorsprechen zunächst allerdings mit der Nachricht, dass nur ein Spitzdach zulässig sei.

Eine Aussage, die auf einigen Missverständnissen beruhe, sagt Andreas Scheiba im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Architekt habe unüblicherweise keine eigenen Skizzen vorgelegt. Eine konkrete Bewertung sei kaum möglich gewesen.

Vor-Ort-Termin gibt Gewissheit

Inzwischen hat es aber einen Vor-Ort-Termin der Bauaufsicht und der Stadtplanung in der Klöcknersiedlung gegeben. Unabhängig von dem Begehr der Puppendahls, so Scheiba. Dabei sei man überein gekommen, dass – anders als es die Rechtssprechung hier lange Zeit zuließ – auch ein Anbau mit Flachdach oder einem „abgeschleppten“ Dach möglich sei. „Wichtig ist nur, dass sich der Anbau dem eigentlichen Haus unterordnet“, erklärt Scheiba. In diesem Falle tue er das mit Spitz-, aber auch mit Flachdach. „Wir erkennen an, dass in der Klöcknersiedlung eine Strukturveränderung nötig ist“, sagt Scheiba, der auch weiß, dass es hier mit den Jahren „viele Veränderungen gab“.

Familie Puppendahl bittet der Dezernent derweil, noch einmal ins Bauamt zu kommen. Mit eigenen Skizzen. Dass eine abschließende Beurteilung – gemeinsam mit Bauamt und Stadtplanung – diesmal positiv ausfallen könne, daran hat Scheiba keine großen Zweifel mehr.

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