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Thomas und Nadine Puppendahl verstehen die Welt nicht mehr. Sie wollen ihr Wohnzimmer um 2,5 Meter mit einem Flachdach-Anbau aufstocken. So, wie es die Nachbarn auch gemacht haben. Anders als bei den Nachbarn verweigerte das Bauamt Puppendahls die Genehmigung.

Klöcknersiedlung

Wird im Bauamt mit zweierlei Maß gemessen?

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Waltrop - Familie Puppendahl wohnt in der Klöcknersiedlung an der Adalbert-Stifter-Straße und wird das Gefühl nicht los, dass im Bauamt der Stadt Waltrop mit zweierlei Maß gemessen wird. Im Kern geht es um die zunächst banal wirkende Frage: Spitzdach oder Flachdach?

Die Ausgangslage: Puppendahls wollen ihr Wohnzimmer um etwa 2,5 Meter aufstocken; eine zusätzliche Etage mit Flachdach soll es werden. Als Kinderzimmer. „Damit wir keine Schrägen haben, hätten wir gerne ein Flachdach. Wir brauchen einfach den Platz“, schildert Nadine Puppendahl.

Keine Probleme erwartet

Dass es ein Problem mit der Baugenehmigung geben könnte, damit hatten weder sie noch ihr Mann Thomas noch ihr Architekt gerechnet. Aus guten Grund: Denn keine 120 Meter Luftlinie entfernt sind die Nachbarn vom Fritz-Reuter-Weg gerade dabei, exakt so einen genehmigten Flachdach-Anbau fertigzustellen. Aber – wie so oft kam alles anders. Das Bauamt versagte den Eheleuten Puppendahl die Genehmigung mit Verweis auf Paragraf 34 Baugesetzbuch. Darin heißt es sinngemäß, dass nur in dem Stil (an)gebaut werden darf, wie es in der näheren Umgebung auch gemacht wurde.

Es gibt Ermessensspielraum

Wie genau die „nähere Umgebung“ definiert ist, liegt dabei im Ermessensspielraum des Sachbearbeiters. Im Falle von Nadine und Thomas Puppendahl heißt das: Pech gehabt. Denn laut Mitteilung des Bauamtes ist die nähere Umgebung das gegenüberliegende Grundstück an der Herderstraße. Und hier gibt es eben nur Anbauten mit Spitzdach, nicht mit Flachdach.

Ein Umstand, den auch Detlev Dick nicht nachvollziehen kann. Der SPD-Ratsherr wohnt ebenfalls in der Klöcknersiedlung und ist zudem aktiv in der dortigen Siedlergemeinschaft. Die Häuser und das Wohngebiet im Süden der Stadt kennt Dick wie seine Westentasche. „Die Siedlung hier ist so kunterbunt wie das Leben“, stellt Dick fest.

Detlev Dick: „Es gibt keine klare Linie“

Er hat sich in seiner Eigenschaft als gewählter Bürgervertreter schlau gemacht, nachdem Familie Puppendahl in der Hoffnung auf Hilfe auf ihn zugekommen ist. Dicks Eindruck: „Im Bauamt gibt es keine klare Linie.“ Dabei berichtet Detlev Dick von Gesprächen, die keinen anderen Schluss zuließen. So habe ihm etwa ein anderer Mitarbeiter des Bauamtes gesagt, dass dieser die Genehmigung für den Flachdach-Anbau erteilt hätte und dass es hier auf den Ermessensspielraum des jeweiligen Sachbearbeiters ankäme. Eine Aussage, die den Ratsherrn ärgert: „Es muss doch eine einheitliche Linie geben. Es kann nicht sein, dass dem einen etwas genehmigt wird und dem anderen das nahezu gleiche Vorhaben nicht.“

Familie hofft auf Einigung

Beim Vorankommen ihres Bau-Projektes bringt Nadine und Thomas Puppendahl diese Erkenntnis freilich nicht viel weiter. Sie wünschen sich einfach nur, dass sie ihren Wohnzimmer-Anbau, der übrigens auch jetzt schon ein flaches Dach mit Terrassen-Ausbau aufweist, um ein Zimmer aufstocken dürfen. Ohne Spitzdach, mit Flachdach. Eben so, wie es die Nachbarn vom Fritz-Reuter-Weg auch haben.

Rechtsweg eine Option?

Ob Puppendahls gerichtlich gegen die verweigerte Baugenehmigung vorgehen, wissen sie noch nicht. „Wir hoffen erstmal, dass die Stadt ihre Haltung noch ändert“, sagt Thomas Puppendahl. Alle benötigten Antrags-Unterlagen, die laut Familie Puppendahl bei der Stadt zwischenzeitlich „verschütt“ gegangen waren, liegen inzwischen wieder vor.

Unsere Redaktion hat die Stadtverwaltung am Mittwochmorgen um eine ausführliche Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss gab es keine Rückmeldung. Wir berichten, sobald eine Antwort eingegangen ist.

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