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Das Trianel-Kraftwerk in Lünen an der Stadtgrenze zu Waltrop.

Kraftwerk

Muss Trianel 15 Jahre eher abschalten?

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Waltrop - Grundsätzlich ist man beim Stadtwerke-Netz Trianel froh, dass die Kohlekommission jetzt ihr Votum abgegeben hat. Planungssicherheit sei wichtig, sagt Maik Hünefeld, Sprecher des Unternehmens, das das Steinkohlekraftwerk am Stummhafen (Stadtgrenze Waltrop) betreibt.

Aber: So richtig in Stein gemeißelt ist das, was die Kommission empfohlen hat, noch nicht. Es liegt nun an der Politik, das Votum umzusetzen, und in der Branche gibt es leise Zweifel, ob alles genauso kommt wie es jetzt vorgeschlagen wurde. Eines aber ist für Trianel klar: „Wir hätten uns eine klarere Abschalt-Rangfolge Braunkohle vor Steinkohle gewünscht“, sagt Hünefeld. Trianel hatte immer dafür gekämpft, dass die ältesten, emissionsintensivsten Kraftwerke – sprich Braunkohle-Anlagen – zuerst vom Markt verschwinden. Denn sonst, so die Argumentation, würde die Investition in moderne Steinkohle- und Gaskraftwerke immer weiter entwertet. Im Falle des Lüner Kraftwerks sind das 1,4 Milliarden Euro.

Kraftwerk sollte 40 Jahre "produzieren"

Doch genau diese Entwertung droht nun. Eigentümer des Lüner Kraftwerks sind 30 Stadtwerke und regionale Energieversorger, die gemeinsam Strom erzeugen. Seit 1. Dezember 2013 ist das hocheffiziente Kraftwerk im Regelbetrieb. Wenn nun alles so kommt wie die Kommission vorschlägt, endet die Geschichte des Kohlekraftwerks in Lünen wesentlich eher als geplant – und sie wird auch nicht als Erfolg in die Geschichtsbücher eingehen. Das Kraftwerk wurde gebaut, um 40 Jahre lang Strom zu produzieren. Bei einem Ausstiegs-Jahr 2038 wäre die Anlage am Stummhafen aber nur 25 Jahre in Betrieb gewesen, wenn sie – dann wegen seiner Effizienz vermutlich als eine der letzten in Deutschland – vom Netz geht. Auch wenn das Thema bisher nur hinter vorgehaltener Hand besprochen wird: Es wird natürlich um Entschädigungen gehen für die Jahre, die das Kraftwerk vorzeitig abgeschaltet wird. Erst recht ist das für Trianel vor dem Hintergrund relevant, dass sich mit dem Betrieb des Kohlekraftwerks schon heute die Vollkosten nicht verdienen lassen. Ob mögliche höhere Strompreise durch das Abschalten anderer Kraftwerke daran viel ändern werden? Ebenfalls ungewiss.

Wie geht's mit Uniper weiter?

Relevant für die wirtschaftliche Zukunft des Trianel-Kraftwerks ist auch die Frage, wie es nun mit dem benachbarten Uniper-Kraftwerk Datteln 4 weitergeht. Bekanntlich ist auch noch nicht klar, ob das überhaupt ans Netz geht, weil die Empfehlung der Kommission lautet, Kohlekraftwerks-Neubauten gar nicht erst an den Start gehen zu lassen. Sollte das so kommen, könnte Trianel sein Kraftwerk mit Fernwärme-Auskopplung und Bahnstrom besser auslasten und sich damit Geschäftsfelder sichern, mit denen man bei Uniper geplant hatte. Offiziell gibt es dazu von Trianel bisher noch keine Aussage.

Ein weiterer Faktor in dieser komplizierten Gemengelage: Das Trianel-Kraftwerk steht weiter juristisch unter Druck. Im Mai beschäftigt sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit dem Bau am Stummhafen.

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