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Die Grafik zeigt die Standorte der drei Wetterstationen in Waltrop. Gut zu erkennen: Die Kanäle umschließen die Stadt von drei Seiten – Stimbergs Wetterstation liegt außerhalb.

Kuriose Regenwerte

Das Wetter und die Kanäle: Mythos oder nicht?

Waltrop - Dass der Sommer heiß und trocken war, konnte jeder am eigenen Leib erfahren. Dass es tatsächlich wenig regnete, zeigen die Messwerte des Fertigrasenbetriebs Stimberg, der seit 1996 an der Borker Straße die Niederschlagsmengen dokumentiert. Einzige Ausnahme: Im Juli hatte es mit 110 Litern pro Quadratmeter vergleichsweise viel geregnet. Erstaunlicherweise hat die Messstation des Deutschen Wetterdienstes im Süden der Stadt einen anderen Werte ermittelt.

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt sich Diplommeteorologe Dominik Jung diesen überraschenden Wert mit einem kräftigen Gewitter, das über den Fertigrasenbetrieb hinweggezogen sein muss. Denn interessanterweise sind die Juli-Messwerte an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes im Abdinghof, auf die Dominik Jung zugreift, sehr viel niedriger als die bei Stimberg. Dort liegen sie bei lediglich 15 Litern pro Quadratmeter.

Andere Station misst 14 Liter

Und auch bei einer weiteren privat betriebenen Wetterstation am Ostring (www.waltrop-wetter.de) sind nur 14 Liter Regen gemessen worden. Letztere Messergebnisse stützen Jungs These, dass ein „außergewöhnliches Regenereignis“ – etwa ein Gewitter – für die hohen Messwerte an der Borker Straße gesorgt haben. Zur geografischen Einordnung: Die Borker Straße liegt ganz im Norden der Stadt, der Abdinghof ganz im Süden.

Von einem ähnlichen Phänomen wissen die Waltroper Landwirte zu berichten. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte jüngst Bernd Zimmer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Lokalvereins, dass die Ernteergebnisse (Mais) je nach Lage durchaus unterschiedlich ausgefallen seien. Es komme immer darauf an, wo ein Regenschauer herunter kommt. So große Unterschiede innerhalb einer kleinen Stadt wie Waltrop scheinen aber dennoch erstaunlich.

Was es mit der Kanal-Theorie auf sich hat

Die Theorie, dass Datteln-Hamm- und Dortmund-Ems-Kanal, die Waltrop praktisch einkesseln, extremen Regen und Unwetter abhalten, kann Jung nicht bestätigen. Kanäle seien keine Wetterscheiden, von denen Gewitter abgehalten werden können. Die Wolken zögen immerhin in mehreren Kilometern Höhe. Ihm ist aber klar: Dieser Mythos halte sich in den Köpfen der Leute. Auch in Waltrop ist unbestritten: Stimbergs Wetterstation liegt außerhalb der Kanäle, die anderen beiden innerhalb. Das scheint allerdings eher ein Zufall zu sein. Laut Jung könne es auch innerhalb einer Stadt durchaus Unterschiede bezüglich der Niederschlagsmenge geben.

Insgesamt sei der Sommer wirklich trocken gewesen, resümiert Dominik Jung. Einen so trockenen Sommer habe es im letzten Jahrzehnt nicht gegeben. Normal seien 80 bis 90 Liter Regen pro Sommermonat. Dieses Jahr waren es in Waltrop – abgesehen vom Juli – im Durchschnitt 20 Liter.

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