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Franziska Kampmann (re.) reitet in Waltrop oft den Martins-Umzügen voran. Friesenstute Dorina lässt sich zwar durch nichts aus der Ruhe bringen, aber Franziskas Schwester Johanna (li.) begleitet die beiden doch lieber auf ihrem Weg.

Martinstradition in Waltrop

Wenn "St. Martina" durch die Straßen reitet

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Waltrop - Die Martinstradition steht seit Kurzem auf der Landesliste des immateriellen Weltkulturerbes. Dem Umzug in Waltrop folgen stets hunderte Menschen. Vorneweg reitet stets Friesenstute Dorina. Auf ihrem Rücken: Franziska Kampmann (21). Sie erzählt, worauf es bei Ross und Reiterin ankommt.

Streng genommen ist Waltrops St. Martin eine „St. Martina“. Und so manche Illusion bei den Kindern ist so schon zerstört worden. „Das ist ja gar kein Mann!“, hört Franziska Kampmann manchmal, wenn sie auf Dorina durch die dunklen Straßen reitet. Starke Nerven muss die Stute schon haben, wenn um sie herum aufgekratzte Kinder laufen, der Spielmannszug die Blas- und Trommel-Instrumente anstimmt, die begleitende Polizei mit dem Blaulicht blinkt und die Jugendfeuerwehr die Fackeln schwenkt. Aber Dorina, die 2005 zur Welt kam, zuckt da nicht mal mit einer ihrer langen Wimpern. „Die ist stressstabil“, sagt Franziska Kampmann.

Cool auch beim Schützenumzug

Schon ihre Mutter Dijama sei charakterlich super gewesen, hat so manchen Schützenumzug völlig cool mitgemacht – und der Pferdeapfel fällt offenbar nicht weit vom Stamm. Dorina sei ein entspanntes Pferd. „Die läuft ohnehin nicht so gern“, beschreibt Franziska Kampmann, die ansonsten Agrarwirtschaft in Soest studiert oder im Rudern Medaillen holt. Will heißen: Sie hat exakt das gemütliche Kinder-Schritt-Tempo drauf. Immer mit dabei bei den Martins-Umzügen ist Franziskas Schwester Johanna. „Quasi als Knecht“, sagt Franziska lachend, weiß aber allzu genau, wie gut es ist, wenn jemand zu Fuß nebenher geht, der sich auskennt. „Einmal ist ein Betrunkener dazwischengekommen“, erzählt Franziska Kampmann. Das sei nicht so lustig gewesen.

Umhang und Helm

Bei mehreren Umzügen reitet sie als St. Martin voran, und jeder Veranstalter hat einen eigenen Umhang. Der in St. Peter ist rot, „irgendwie so kurz“, und wird komplettiert durch einen Plastikhelm. „Am schönsten ist der in St. Ludgerus“, erzählt Franziska Kampmann. Das wollene Gewand ist genau das Richtige für die oft kühle Witterung in der St.-Martins-Jahreszeit, und ein ehemaliger Reithelm, liebevoll mit goldener Folie verziert, schützt den Kopf.

Kinder bereiten sich vor

Apropos St. Ludgerus: Dort haben in den vergangenen Wochen die Kita-Kinder emsig auf das St.-Martins-Fest hingearbeitet: Da wird die Geschichte vom heiligen St. Martin erzählt, der sich nicht zu schade war, seinen Mantel mit einem frierenden Bettler zu teilen. Zudem werden Martinsgänse gebacken – denn als sich der Heilige einst in einem Stall versteckte, waren es der Legende nach Gänse, die ihn verrieten. Kinder hören die Geschichte vom Teilen „Die Kinder kennen irgendwann die Geschichte schon sehr gut“, sagt Kita-Leiterin Rita Serger. „Die sind ja oft vier Jahre bei uns, und dann haben die das verinnerlicht.“

Schaf und Papagei

Laternen gehören auch zu einem Martins-Umzug. Ein Papagei und ein Schaf standen diesmal als Motive in der AWO-Kita am Park beim Laternen-Basteln zur Auswahl. Auch hier ist die Martins-Geschichte wohlbekannt. Die Botschaft bleibe schon hängen bei den Kindern, sagt Leiterin Kathrin Althaus, zumal das Thema auch pädagogisch aufgegriffen werde. Es sei denn, ein Spielzeug ist allzu beliebt. Dann muss mancher noch mal eindringlich an St. Martins Verhalten erinnert werden…

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