+
Franz-Josef Stratmann ist in den Rieselfeldern auf der Suche nach Rehen.

Natur

Das Wohl der Rehe fest im Blick

  • schließen

WALTROP - Die kleinste biologische Hirsch-Art ist das „Tier des Jahres 2019“. Laut Wildtier-Stiftung brauchen sie Schutz. Forst- und Landwirte sehen es anders.

Quitsch, quatsch. Die Gummistiefel schmatzen im Matsch. Über einen Feldweg macht sich Franz-Josef Stratmann auf die Suche nach Wildtieren in den Rieselfeldern, seinem Jagdrevier.

Tier des Jahres

Nicht nur das Jagen, auch das Hegen und Pflegen der Wildtiere ist Aufgabe der Jäger. Um auf die Probleme rund um den Lebensraum der Rehe aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Wildtier-Stiftung das Reh zum „Tier des Jahres“ ernannt. Die Stiftung berichtet, dass vielen Menschen nur sehr wenig über Rehe bekannt ist. Mit den Tieren kennt sich Franz-Josef Stratmann aus. Der Hegeringleiter ist davon überzeugt, dass es den Rehen in den Bauerschaften rund um die Stadt gut geht. Dort haben die Tiere viele Rückzugsmöglichkeiten. Rehe leben am liebsten auf Mischflur, also einem Wechsel aus freiem Feld, kleinen Wäldchen und Büschen.

Überleben im Hitze-Sommer

Der Hitze-Sommer habe ihnen nicht merklich geschadet. „Wir haben keine verendeten Tiere gefunden“, berichtet Franz-Josef Stratmann. Die Tiere nehmen ihre Flüssigkeit über die Grünäsung und den Tau auf den Pflanzen auf. „Im Sommer habe ich auch mal beobachtet, wie die Rehe am Schwarzbach getrunken haben“, berichtet Stratmann.

Im Jagd-Jahr 2017/2018 sind 99 Rehe zu Tode gekommen. Davon wurden 45 von Jägern erlegt, 36 kamen durch Verkehrsunfälle oder im Kanal um. Die Wildtiere können schwimmen, doch ohne einen Wildausstieg kommen sie zum Teil nicht wieder aus dem Kanal hoch. Neun Exemplare der biologisch kleinsten Hirsch-Art sind eines natürlichen Todes gestorben.

Ärger im Jagd-Revier

Eine Begebenheit aus 2018 hat Stratmann und seine Jagd-Kollegen sehr geärgert. Eine Hundeschule veranstaltete am Waldrand eine Prüfung. Laut deren Angaben sollten circa zehn Hunde kommen, am Ende seien es etwa 60 gewesen. Mit einem Megafon hätten sie Lärm gemacht und die Tiere aufgescheucht. Eins sei an diesem Tag dort sogar überfahren worden, schildert Franz-Josef Stratmann.

Fressschäden

Vom 1. Mai bis 15. Januar dürfen Böcke geschossen werden. Natürliche Fressfeinde der Kitze sind zum Beispiel Wildschweine und Füchse, doch sie allein schaffen es nicht, die Zahl genug zu minimieren. Ihre Regulierung ist wichtig für die Forst- und Landwirte. Denn: „Wenn sich die Rehe unkontrolliert vermehren, verursachen sie Fressschäden“, berichtet Franz-Josef Stratmann. Sie fressen gern Triebe und Knospen und verhindern so die natürliche Verjüngung des Waldes. Auf den Feldern zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch mit dem Gehörn beschädigen die Tiere mit 65 bis 73 Zentimeter Schulterhöhe Pflanzen. „Das ist hier gut zu sehen“, sagt Franz-Josef Stratmann und deutet auf den daumendicken Stamm eines Baumes, dessen Rinde an einer Seite komplett abgeschabt ist. An dieser Stelle haben die Böcke die Nährhaut von ihrem Gehörn abgeschubbert.

In der Regel Zwillinge

Es riecht modrig. Nieselregen liegt in der Luft. Im Matsch sind Abdrücke der Hufe zu sehen. Im mit Bodendeckern bewachsenen Waldboden finden sich einige erdige Freistellen. „Das sind Plätzstellen“, erklärt Stratmann. Dort hat der Bock die Pflanzen weggeschoben. Diese Stelle dient zur Markierung und als Imponiergehabe. Ein Mal im Jahr bekommen die Rehe Junge. Meist sind es Zwillinge, seltener auch mal ein oder drei Kitze. Sie werden von Mitte Mai bis Juli geboren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
Chemiepark Marl: Hier wird der "intelligente" Kunststoff der Zukunft produziert
15-monatige Baustelle in Herten-Süd beginnt mit einer Vollsperrung
15-monatige Baustelle in Herten-Süd beginnt mit einer Vollsperrung
Bahnhof Sinsen nach Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben - Frau geriet unter Zug
Bahnhof Sinsen nach Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben - Frau geriet unter Zug
Gewalt in der Kreisliga: GW Erkenschwick will Zeichen setzen
Gewalt in der Kreisliga: GW Erkenschwick will Zeichen setzen
Nach der Schlägerei in Vinnum: Ein weiterer Klub will nicht mehr gegen Herta spielen
Nach der Schlägerei in Vinnum: Ein weiterer Klub will nicht mehr gegen Herta spielen

Kommentare