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Die Sirene auf dem Dach des ehemaligen Ärztehauses ist eine von vier aktiven im Stadtgebiet.

Neue Alarmierungs-Wege

Sirenen heulen wohl nun seltener

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Waltrop - Demografischer Wandel, weit entfernte Arbeitsstellen, Stress in Job und Familie – die Gründe, weswegen die Freiwillige Feuerwehr nicht so viele Kräfte zur Verfügung hat, wie wünschenswert wäre, sind vielfältig. Die Waltroper Wehr hat nun einige Maßnahmen ersonnen, um damit umzugehen. Eine davon betrifft den Sirenenalarm.

Aber von vorn: Vor einiger Zeit hatte die Feuerwehr Waltrop einen gründlichen Blick in die Mitgliederkartei geworfen: Wer beteiligt sich eigentlich regelmäßig an Übungen, wer ist bei Einsätzen dabei, wer ist wie aktiv – sprich, auf wen können wir zählen, wenn’s brennt. Danach folgten Gespräche. „Jeder hat ja einen guten Grund“, verdeutlicht Feuerwehrsprecher Jochen Möcklinghoff, „und wir wollten ja niemandem Unrecht tun“. Bei einem sieht es der Chef vielleicht nicht gern, dass er den Arbeitsplatz verlässt, weil ein Einsatz ruft. Der nächste hat einen Pflegefall in der Familie. Wieder ein anderer muss sich vielleicht gerade verstärkt um seine kleinen Kinder kümmern.

Neue Unterstützungs-Abteilung

Mancher verließ nach den Gesprächen die Freiwillige Feuerwehr von sich aus. Mancher wurde aber auch Mitglied der neuen Unterstützungs-Abteilung. Es gibt zwei Löschzüge bei der Feuerwehr, und darin sind diejenigen, die oft dabei sind bei Übungen und Einsätzen. In der Unterstützungsabteilung sind diejenigen, die bei „Alltagseinsätzen“ keine Kapazitäten haben, die aber sagen: „Wenn wirklich Not am Mann ist, wenn jede Hand gebraucht wird, dann sind wir da.“

Alarmierung je nach Erfordernis

Insofern werden in Zukunft wohl auch die Sirenenalarme seltener. Denn alarmiert wird je nach Erfordernis: Braucht es den oder die Löschzüge, werden diese per „Piepser“ und per SMS aufs Handy alarmiert. Wenn dann tatsächlich einmal die Sirene heult, dann bedeutet das: Jetzt ist jeder Einzelne nötig. Der Sirenenalarm wurde bislang über bei der Leitstelle hinterlegte Stichwörter ausgelöst. Denn manchmal scheint ein Einsatz auf den ersten Blick schlimmer, als sich hinterher herausstellt. Denn kokelt in der Küche einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ein Topf mit Essen, so ist das oft nicht gleich ein „Hausbrand“, sondern gottlob schnell gelöscht. Deswegen werden nun erst ein oder beide Löschzüge sowie die Hauptamtlichen geschickt, und wenn vor Ort der Einsatzleiter entscheidet: „Wir brauchen Verstärkung“, dann geht die Sirene.

Gemeinsam abgestimmt

Die Löschzüge bestehen jeweils aus etwa 40 Leuten, die Unterstützungsabteilung aus etwa 20, hinzu kommen die 43 Hauptamtlichen, die allerdings auch für den Rettungsdienst zuständig sind. Abgestimmt wurden die Maßnahmen in einem Arbeitskreis unter Leitung der Bürgermeisterin, dem Vertreter der Stadtverwaltung sowie aller Parteien angehören.

Auf jeden Fall schlagkräftig

Die zuerst ausrückenden Kräfte seien aber auf jeden Fall immer schlagkräftig genug, versichert Möcklinghoff. Freilich würden die Kräfte der Löschzüge künftig auch stärker beansprucht. Aber man wisse nun genauer, woran man bei einem Alarm ist. Denn wer zum x-ten Mal für einen Fehlalarm vielleicht ein wichtiges Kundengespräch am Arbeitsplatz verlässt, wer dafür den Nachtschlaf – und möglicherweise auch den von Frau, Kind und Hund – unterbricht, der überlege sich irgendwann, ob er überhaupt noch bei der Feuerwehr mitmachen soll.

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