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Dirk und Jana Jungkontze mit Tochter Anna (2). Die kleine Frohnatur hat jetzt zum zweiten Mal hintereinander keinen Kita-Platz im ersten Auswahlverfahren bekommen.

Noch gibt es Hoffnung

Kita-Plätze: Die Verunsicherung ist groß

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Waltrop - Viele Kinder werden in diesem Jahr keinen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter bekommen. Bis die Stadtverwaltung die offiziellen Absagen verschickt, hängen die Eltern in der Luft. Noch gibt es aber Hoffnung.

Nein, einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz hat Anna (2) noch nicht. Den hätte sie erst mit drei Jahren. Das wissen auch ihre Eltern Jana und Dirk Jungkontze. Dass ihre Tochter jetzt zum zweiten Mal hintereinander keinen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte bekommen hat, geht dennoch gegen das Gerechtigkeitsempfinden der Jungkontzes. „Es kann doch nicht sein, dass manche Kinder mit eins reinkommen und manche erst mit dreieinhalb“, sagt Jana Jungkontze. Und das Schlimmste daran: „Offiziell wissen wir ja noch gar nicht, dass wir wieder nicht berücksichtigt wurden.“

Eltern-Buschfunk

Der Eltern-Buschfunk funktioniert aber ganz gut. Wer Ende letzten Monats nicht durch die Wunsch-Kita angerufen wurde, der hat auch keinen Platz bekommen. Jedenfalls bis jetzt. Das bestätigt auch Christiane Bröcker. Sie leitet die Fachgruppe im Rathaus, die für die Koordination der Kita-Platzvergabe zuständig ist. Die Auswahl trifft jede Kita selbst.

"Müssen alle gleich behandeln"

Christiane Bröcker versichert, dass man im Rathaus sein Bestes gibt, dass die Eltern so schnell wie möglich benachrichtigt werden. Aber eben erst dann, wenn das Verfahren abgeschlossen ist – also noch nicht jetzt. Wasserstandsmeldungen gebe man bewusst nicht ab. Das sei nicht nur sehr aufwendig und personell nicht zu leisten, sagt Bröcker – „das hat auch was mit Transparenz zu tun. Wir müssen alle Eltern gleich behandeln.“ Im Zuge der Gleichbehandlung ist aus Sicht der Stadt klar: Informiert werden die Eltern erst dann, wenn das Hin und Her zwischen Kita-Erstwunsch, -Zweitwunsch, dem Rücktritt vom Kita-Platz und den Tagesmütter-Plätzen beendet ist.

Hoffnung auf zusätzliche Gruppen

Dass sich das Auswahlverfahren in diesem Jahr noch länger als ohnehin schon hinzieht, hat einen Grund. Denn noch hofft Christiane Bröcker, in letzter Minute zwei zusätzliche Gruppen einrichten und in der ehemaligen Stadtbücherei unterbringen zu können. „Wir warten stündlich auf eine Rückmeldung vom Träger“, sagt die Fachgruppen-Leiterin. In diesem Fall ist das die katholische Kirche, die über die Erweiterung der Kita Don Bosco nachdenkt (wir berichteten). Sollte es hier eine positive Rückmeldung geben, könnte die Stadt womöglich noch zum kommenden Kita-Jahr zwei weitere Gruppen einrichten, die später im größeren „Don Bosco“ Platz hätten. Wie viele Kinder dann doch noch unterkommen würden, darüber mag Bröcker nicht spekulieren. Ebenso stellt sie fest, dass selbst mit den beiden Gruppen – so denn diese überhaupt kommen – „wahrscheinlich nicht alle Kinder versorgt werden können“. Zu groß ist in diesem Jahr die Nachfrage. Dass die Stadt den Bau einer weiteren neuen Kita – der 14. – am Waldstadion vorantreibt, hilft in diesem Jahr auch nicht mehr. Dennoch: Für Familie Jungkontze bleibt eine Erkenntnis.

"Unterirdischer Informationsfluss"

„Der Informationsfluss aus dem Rathaus ist unterirdisch“, sagt Dirk Jungkontze. Insbesondere ärgert die Familie, dass Bürgermeisterin Nicole Moenikes auf keinen ihrer Hilferufe reagiert hat. Der dreiseitige Brief, in dem sie der Bürgermeisterin ihre unglückliche Situation geschildert haben, ist am 21. Februar im Rathaus mit einem Eingangsstempel quittiert worden. Reaktion? Fehlanzeige. Auch eine (gelesene) Facebook-Nachricht blieb unbeantwortet. Auf Nachfrage unserer Redaktion räumt Nicole Moenikes ein: Hier müsse man besser werden.

Mit Gleichaltrigen spielen und rennen

Dass Anna doch noch in eine Kita rutscht, hoffen Jungkontzes sehr. Neben dem finanziellen Aspekt – „man muss es sich auch erstmal leisten können, zwei Jahre nicht arbeiten zu gehen“ – geht es vor allem um das Soziale. „Anna will ja auch mit Gleichaltrigen spielen und rennen“, sagt Jana Jungkontze. Die Option einer Tagesmutter haben Jungkontzes für sich als eine schlechte bewertet. Eine Philosophie-Frage. Allerdings: Freie Plätze gebe es auch hier nicht mehr.

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