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Reinhard Jäkel, hier im Bild mit Barbara Gronemeyer (M.) und Claudia Schänzer, führte durch den „Tempel“ an der Pfarrkirche St. Peter.

Tag des offenen Denkmals

Einblicke in Tempel, Funkstation und Co.

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Waltrop - Am Tag des offenen Denkmals waren am Sonntag auch in Waltrop Orte zugänglich, an die man sonst nicht kommt – oder bei denen man sonst Eintritt bezahlen muss. So wie im Schiffshebewerks-Museum. Dort gab es das komplette Infopaket rund um Schleusen, Hebewerke, Kanäle und Schiffe.

Rundfahrten mit Letzteren – mit „Nixe“, „Herbert“ und „Asgard“ – waren sehr begehrt, aber auch die Führungen durch den Schleusenpark. Bernd Becker leitete eine Gruppe übers Gelände, erzählte von Kaiser Wilhelms Faszination für Schiffe, Wasser, Kanäle und fürs Maritime. „Der wusste: Wer unabhängig sein will, braucht einen Zugang zum Meer“, erklärt Bernd Becker. Wilhelm II. war im Jahre 1899 persönlich dabei, als das Meisterwerk der Ingenieurskunst eingeweiht wurde. „71 Jahre hat es ohne Störung funktioniert“, erzählt Becker.

DARC-Funker zu Gast

Ein paar Meter weiter steht ein historisches Feuerwehrauto, an dem Antennen befestigt sind. Hier hat der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) seine Station aufgebaut und bringt den Besuchern das Funken näher. „Damit wir so ein bisschen aus der Spinner-Ecke rauskommen“, sagt schmunzelnd Rainer Kau, Vorsitzender des DARC-Ortsverbands Oer-Erkenschwick/Recklinghausen. „Amateurfunken ist die etwas andere Erdkunde“, findet Wilfried Schäfer, Vorsitzender des Ortsverbands Waltrop-Datteln. Denn die Funker bauen Funkverbindung in alle Welt auf. Um das Funken greifbarer zu machen, hatte der DARC auf dem Hebewerks-Gelände Sender verteilt, die es mit Peilempfänger aufzuspüren galt. Das sei ein richtiger Sport, sagt Matthias Berse. Seine Tochter sei zum Beispiel gerade bei der Funkpeilsport-WM in Südkorea.

Wechselvolle Geschichte

In der Waltroper Innenstadt gab es zum Beispiel Einblicke in den „Tempel“, das Fachwerkhaus nahe der St.-Peter-Kirche. Das Gebäude aus dem Jahr 1575 diente vermutlich früher als Treffpunkt der Bauerngilde und gemeinschaftlicher Speicher. Stadtarchivar Reinhard Jäkel hatte selbst einmal, als das 50-jährige Stadtjubiläum Waltrops vorzubereiten war, darin sein Büro. „Ich war mein eigener Hausmeister“, erzählt er schmunzelnd. Und wenn’s ans Fensterputzen ging, half er, die Fensterrahmen auszuhängen, damit die Reinigungskraft überhaupt die Scheiben putzen konnte.

Kriegssachschadens-Antrag

Jäkel hatte auch ein besonderes Dokument dabei: einen Kriegssachschadens-Antrag. Denn der Tempel sei 1941 von einer Granate aus eigenen Reihen getroffen worden, und dafür gab es Entschädigung. Unter anderem, so steht es in der Liste, seien zehn volle und zehn leere Einweckgläser zu Bruch gegangen, auch ein neues Schlafzimmer („Eiche geritzt“) musste her. „Häuser sind eben immer mehr als nur ein Gebäude“, sagt Jäkel.

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