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Symbolfoto Taschendiebstahl.

Perfide Masche

Bewährungsstrafe für Taschendiebinnen

WALTROP - Zwei Taschendiebinnen aus Waltrop sind am Dienstag in Detmold zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Dabei landeten auch 4000 Euro auf dem Tisch des Staatsanwalts.

Selten ist bei Dieben vor Gericht Schadenersatz zu holen. Noch seltener, dass er bar auf den Tisch kommt. So wird der Prozess gegen zwei Frauen aus Waltrop dem Schöffengericht in Detmold in besonderer Erinnerung bleiben. 4000 Euro in 50-Euro-Scheinen wechselten in der Verhandlung den Besitzer – auch zum Vorteil der einen Angeklagten. Das Amtsgericht hat am Dienstag beide zu Bewährungsstrafen verurteilt.

20 Taten gehen auf das Konto der Frauen

Es ist eine perfide Masche: Sie bestahlen ältere Menschen, um mit deren EC-Karte das Konto zu plündern. Zehn Mal hatte sich so das Damen-Duo Geld beschafft. Die Staatsanwaltschaft Detmold legte den Angeklagten (23 und 41 Jahre alt) 20 Taten seit November 2016 zur Last – je zehn Diebstähle und anschließenden Computerbetrug. In Supermärkten in Ostwestfalen hatten sie Geldbörsen von Senioren aus Mantel- und Handtaschen gestohlen – in der Erwartung, darin EC- und Kreditkarten zu finden, deren PIN unvorsichtigerweise ebenfalls in der Börse aufbewahrt sein könnte. Was auch meist der Fall war: Nur einmal gelang es dem Duo nicht, an Geldautomaten Geld abzuheben. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 8425 Euro.

Pech für die Waltroperinnen: Am 23. November gerieten sie in einem Aldi in Detmold an den Falschen: Der Bestohlene schrie so laut, dass die Täterinnen gestellt werden konnten. Beide gingen in Untersuchungshaft, die Jüngere blieb dort bis gestern und wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Dass sie jeweils an den Geldautomaten gefilmt worden waren, erleichterte die Ermittlungen.

Auf Zeugenladungen hatte Richter Martin van der Sand verzichtet: Die Verteidiger hatten im Vorfeld signalisiert, dass die Frauen zu Geständnissen bereit seien. Tatsächlich ersparte der erfolgreiche Ausgang eines Rechtsgesprächs, im Volksmund Deal genannt, dem Gericht einen weiteren Verhandlungstag und einigen Geschädigten den Weg nach Detmold.

Drei Monate in U-Haft

Reichlich zerknirscht saßen beide da: Die 41-jährige Mutter eines kleinen und dreier erwachsener Kinder und die 23-jährige zweifache Mutter, der fast drei Monate U-Haft sichtbar zugesetzt hatten. Bewährung sei für die Jüngere nicht drin, so Staatsanwalt Alexander Görlitz: Sie war im Gegensatz zu ihrer Komplizin an allen Diebstählen beteiligt und sei die Haupttäterin. Das Herz des Staatsanwalts ließ sich dennoch erweichen – vom Vater der jungen Frau, der aus Bulgarien angereist war und dem Gericht anbot, hier und jetzt 4000 Euro zu zahlen, damit der Schaden, den seine Tochter angerichtet hatte, wenigstens zum Teil ausgeglichen würde. So kam es, dass der Staatsanwalt erstmals in seiner Karriere im Gerichtssaal Bargeld zählen durfte.

Waltroperinnen legen Geständnis ab

Die Geständnisse blieben klar, aber knapp. Beide Frauen entschuldigten sich. Die 23-Jährige gab als Motiv an, sie habe Geld für eine Operation ihres Sohnes (6) gebraucht, der mit seiner zweijährigen Schwester derzeit bei ihrer Oma in Bulgarien lebe. Das Gericht hielt sich an seinen Teil der Abmachung: Die 41-Jährige, die nicht bei allen Taten dabei war, bekam eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung und 100 Sozialstunden, die 23-Jährige 21 Monate, ebenfalls auf Bewährung. Sie muss jedoch binnen acht Wochen aus Deutschland ausreisen. Wird sie vor Ablauf der dreijährigen Bewährungsfrist in Deutschland aufgegriffen, muss sie die Strafe absitzen.

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