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Ahmet Akbulut (li.) und sein Schüler Mehdi Ayoub sprechen über den Ramadan.

Ramadan

Das Fasten fällt nicht leicht

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WALTROP - Die Muslime befinden sich mitten im Ramadan – und das Fasten ist bei den Temperaturen nicht immer leicht. Das wissen auch zwei Waltroper.

Morgens, halb zehn in Deutschland. Wenn viele Schüler in der Pause ins Brot beißen und ihren Durst löschen, kann Mehdi Ayoub (14) in diesen Tagen manchmal nur zusehen. Es ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Und zum zweiten Mal hat sich der junge Waltroper Gesamtschüler dazu entschieden, in dieser Zeit tagsüber aufs Essen und Trinken zu verzichten. Allerdings mit Einschränkungen: „An langen Schultagen, wenn wir Sport haben oder Klausuren schreiben, faste ich nicht“, sagt er. An anderen Tagen, vor allem an Schultagen mit weniger Stunden, zieht er den Verzicht durch. „Meine Klassenkameraden wissen, dass ich faste, und akzeptieren das auch. Sie essen mir nicht extra was vor oder machen dumme Sprüche“, sagt der 14-Jährige. Manchmal sei es schon hart, den ganzen Tag lang gar nichts zu sich zu nehmen. „Nichts zu trinken ist schwer“, sagt Mehdi Ayoub. Gerade bei den heißen Temperaturen, die im Moment herrschen. „Manchmal hat man Kopfschmerzen“, berichtet er. Doch: „Dann bin ich auch so ehrgeizig und will den Fastentag zu Ende bringen“, erklärt der junge Waltroper. Das Gefühl, während des Fastens in der Schule weniger leistungsfähig zu sein, hat er nicht.

Bewusst entschieden

Mehdi Ayoub hat sich ganz bewusst fürs Fasten entschieden. „Es geht dabei auch darum, Lebensmittel wertzuschätzen“, sagt er und sich darüber klar zu werden, dass es Menschen gibt, die nicht den ganzen Tag unüberlegt und pausenlos konsumieren können. Am Ende eines Fastentags, also sobald die Sonne untergegangen ist, freut sich der Gesamtschüler umso mehr auf das traditionelle, gemeinsame Abendessen mit Familie und Freunden. „Der erste Schluck Wasser nach Sonnenuntergang – das ist das Beste“, sagt der 14-Jährige. „Da muss man dann aber auch vorsichtig mit dem Magen sein und langsam mit Suppe anfangen“, sagt Gesamtschul-Lehrer Ahmet Akbulut. Er fastet selber auch. „Aber nur an den Wochenenden oder wie jetzt in den Pfingstferien.“ Wenn er unterrichtet, verzichtet er aufs Fasten. „Das haut einen sonst um, ich muss mich sehr konzentrieren und brauche all meine Energie“, sagt der Pädagoge und erklärt: „Man kann auch Nachfasten, also die Fastentage nachholen, wenn man es besser schafft.“ Und überhaupt entscheide jeder Muslim selbst, ob er fasten möchte oder nicht. Einen Zwang dazu gebe es in der Religion nicht. An der Gesamtschule gebe es einige Schüler, die im Ramadan auf Essen und Trinken verzichten, sagt Akbulut. „Die nehmen aber alle ganz normal am Unterricht teil. Eine Extrabehandlung gibt es nicht“, sagt Akbulut. Probleme mit dem Fasten im Ramadan, dass Schüler in der Schule etwa umgekippt sind oder Ähnliches, habe es bisher noch nicht gegeben, sagt Gesamtschulleiterin Ulrike Waterkamp auf Nachfrage. In der Regel seien die Klassenlehrer darüber informiert, wenn ihre Schüler fasten. Und: „Wir ermutigen sie immer zum Trinken“, so Waterkamp.

Ausnahme Zuckerfest

An vielen weiterführenden Schulen seien die kommenden Wochen besonders arbeits- und lernintensiv. Schließlich müssen die Lerninhalte bis zu den Sommerferien durchgezogen werden. Für fastende Schüler ist das natürlich besonders hart, aber kein Grund für Sonderregelungen. Mit einer Ausnahme: Für das Zuckerfest können Eltern ihre Kinder beurlauben lassen, erklärt Ulrike Waterkamp.

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