+
Pfarrer Clemens Fabry in der St.-Peter-Kirche.

Religionsfreiheit

Ein Knast-Pfarrer berichtet

  • schließen

WALTROP. - Clemens Fabry war von 2010 bis 2017 Pfarrer in St. Peter und ist nun Gefängnis-Seelsorger in Oldenburg. Er sagt, warum Relgionsfreiheit auch für "Knastis" gilt.

Gefangenen darf das Recht, ihre Religion auszuüben, nicht ohne Weiteres verwehrt werden, sagt Clemens Fabry, der von 2010 bis 2017 Pfarrer in St. Peter war. Wenn er es recht bedenke, sagt er, so sei seine derzeitige Aufgabe als Gefängnispfarrer in Oldenburg nur auf dem Boden von Artikel 4 des Grundgesetzes vorstellbar. Dieses lautet: "Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet."

Imame und Pfarrer im Gefängnis

Das bedeutet auch, den Gefängnis-Insassen muss ermöglicht werden, einen kirchlichen Raum zu besuchen. Deshalb gibt es in deutschen Gefängnissen seit jeher Kapellen und Seelsorger. Und zwar inzwischen nicht nur der christlichen Konfessionen. In Oldenburg hat zum Beispiel gerade ein Imam, ein Vorbeter der Muslime, seinen Dienst angetreten. In Niedersachsen ist der Einsatz von Imamen in einer Vereinbarung geregelt. Auch in Bremen werden jetzt Imame für Gefängnisseelsorge ausgebildet. Ob Christ, Moslem oder Angehöriger einer anderen Religion: Er kenne einige Gefangene, sagt Fabry, die sagten, sie gingen „draußen“ nie in die Kirche, im Gefängnis aber durchaus.

Gefängnisleitung nicht der Vorgesetzte

Auch das Dienstverhältnis Fabrys unterstreicht übrigens die Trennung von Kirche und Staat: Sein Vorgesetzter ist der Weihbischof von Vechta und nicht die Gefängnisleitung.

Viel von der Welt gesehen

Clemens Fabry hat schon viel von der Welt gesehen. Er war ab 1999 Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde im thailändischen Bangkok. Zehn Jahre später wurde er freigestellt für die Seelsorge in der deutschsprachigen Gemeinde in Kapstadt (Südafrika). Und auch in Ghana hat er schon gearbeitet. Eine Arbeitserlaubnis in diesen Ländern zu bekommen, war für ihn kein Problem, er konnte stets ohne Repressalien seine Aufgaben erfüllen.

Erfahrungen mit Einschränkung von Religionsfreiheit

Persönliche Erfahrungen mit Einschränkung von Religionsfreiheit in Ländern, in denen Christen in der Minderheit sind, hat er also nicht. Auch an anderweitige Störungen seiner Gottesdienste („Es gab mal einen Zwischenruf, aber das ist ja normal“) kann sich der 60-Jährige kaum erinnern. Aber er weiß zum Beispiel auch von einem deutschen Kollegen, der in Peking gearbeitet hat, dass dort die Welt schon anders aussah. Konkret will Fabry darüber nicht sprechen, um mögliche negative Konsequenzen für den Kollegen auszuschließen, aber er sagt: „Viele nehmen die im deutschen Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit als selbstverständlich hin, weil sie es nicht anders kennen.“

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren

Dabei sei es schon bemerkenswert, wie der Staat sich für die freie Religionsausübung „ins Zeug legt“. Denn der Staat hält sich beim Thema Religion nicht nur heraus, er gewährleistet sogar aktiv, dass jeder in Deutschland seinen Glauben leben kann. Fabry, der auch einige Semester Jura studiert hat, verweist auch aufs Strafgesetzbuch. Dort steht, in Paragraf 167: „Wer den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört oder an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Eine klare Ansage.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Nach Morddrohungen: Trainer und Team des SV Herta ziehen Konsequenzen
Nach Morddrohungen: Trainer und Team des SV Herta ziehen Konsequenzen
Ein Leichtverletzter nach Zimmerbrand an der Forellstraße - drei Straßen gesperrt
Ein Leichtverletzter nach Zimmerbrand an der Forellstraße - drei Straßen gesperrt
Waltroper Pannen-Brücke kann offenbar noch in diesem Jahr freigegeben werden
Waltroper Pannen-Brücke kann offenbar noch in diesem Jahr freigegeben werden
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter
Demonstration und Kundgebung am Berliner Platz in Oer-Erkenschwick - das steckt dahinter
Polizei-Razzia in Marl: Sportsbar bleibt geschlossen - Ermittlungen dauern an
Polizei-Razzia in Marl: Sportsbar bleibt geschlossen - Ermittlungen dauern an

Kommentare