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Ein Teil der Müllsäcke wurde inzwischen abgeholt.

Die Sache stinkt

Müllberge im Hinterhof trotz Millionen-Einnahmen

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Waltrop - Es ist nicht das erste Mal, dass unsere Redaktion von unhaltbaren Müll-Zuständen an der Riphausstraße berichtet. Nachbarn und Mieter sind angeekelt, der V+E verärgert. Vom Verwalter ist nichts zu hören.

Das börsennotierte Immobilien-Unternehmen Adler Real Estate wirbt auf seiner Internet-Seite mit beeindruckenden Kennzahlen für 2018: 62.010 Mieteinheiten, 650 Neuvermietungen pro Monat, 332,4 Mio. Euro Konzernergebnis. Doch für den Häuserkomplex Riphausstraße 1, 3 und 5 in Waltrop scheint weder Geld noch Personal übrig zu sein. Regelrechte Müllberge häufen sich im Hinterhof. Die letzte reguläre Abfuhr ist Monate her.

Presseanfrage wird ignoriert

Mieter des Hauses haben sich an unsere Redaktion gewandt und berichten von den ekelerregenden Zuständen im Hinterhof. Namentlich wollen sie nicht genannt werden – aus Scham. „Es ist mir unangenehm, wenn Leute wissen, dass ich hier wohne“, sagt ein Mann.

Am Dienstag um 14.43 Uhr hat unsere Redaktion dazu eine Presseanfrage mit der Bitte um Stellungnahme an Adler Real Estate geschickt. Bis Mittwochabend gab es nicht einmal eine Eingangsbestätigung, geschweige denn eine inhaltliche Antwort.

Ignoriert hat der Immobilien-Konzern offenbar auch die letzten drei Zahlungsaufforderungen wegen erbrachter Sonderleerungen des Ver- und Entsorgungsbetriebes (V+E). Das bestätigt der zuständige Mitarbeiter Jörg Wisotzki. Letztmalig ist der V+E am 25. März zur Riphausstraße ausgerückt, um Dutzende Müllsäcke einzusammeln. Davor am 18. Februar sowie am 24. Januar. Wisotzki hat sämtliche Sonderleerungen penibel nachgehalten.

Auch der V+E ist verärgert

Inzwischen hat auch der V+E die Faxen dicke und das Ordnungsamt eingeschaltet. Wisotzki berichtet von offiziellen Schreiben, die bereits an die Adresse von Adler Real Estate geschickt wurden. Da sich der Müll jedoch auf einem Privatgrundstück befindet, ist auch die Handhabe der Stadt begrenzt.

Unterdessen schilderten die Anwohner gestern, wie jeden Morgen eine Vielzahl von Raben in den Müllbergen picken. Ratten und Hunderte Fliegen tummeln sich zwischen den stinkenden Abfällen obendrein. Direkter Nachbar in etwa 50 Metern Entfernung ist der Frisör-Salon Szmania. Auch Chefin Antoinette Szmania hat inzwischen die Nase gestrichen voll: „Es stinkt. Die Kunden sprechen uns schon darauf an!“ Dass es überhaupt so weit kommt, dass sich in dem Hinterhof die Müllberge immer wieder türmen, ist für die Mieter und den V+E leicht zu erklären: Es stellt schlicht niemand die Mülltonnen an die Straße, wenn die Abfuhr kommt. „Sonst würden wir den Müll ja mitnehmen“, versichert Jörg Wisotzki.

Hausmeister? Fehlanzeige

Früher, so erzählen es die Mieter, habe es eine Art Hausmeister gegeben, der die Tonnen an die Straße gebracht habe. Derjenige habe seine Arbeit aber eingestellt, weil er seit einem Jahr von Adler nicht bezahlt worden sein soll, berichten die Anwohner. „So hat der Herr uns das zumindest erzählt, als er das letzte Mal hier war.“ Mittlerweile hapert es beim Thema Müll in dem Wohnkomplex seit mindestens zwei Jahren. Nach einem zwischenzeitlichen Müll-Höhepunkt Mitte vergangenen Jahres – wir berichteten auch damals – besserte sich die Lage zwischenzeitlich. Adler Real Estate teilte unserer Redaktion damals mit, dass gegen die Mietpartei, die verantwortlich für den Müll sei, eine Räumungsklage laufen würde. Der Müllberg wurde nach unserer Berichterstattung auch entsorgt. Nachhaltig gebessert hat sich nichts.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch unsere Presseanfrage von Dienstag zur Kenntnis genommen worden. Am Mittwochmorgen, kurz vor dem Termin mit unserer Redaktion, war nach Auskunft der Mieter eine Person vor Ort, um einige Müllsäcke einzusammeln. Allerdings habe derjenige nur einen Bruchteil des Unrates aufgeladen und weggefahren. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Wir bleiben am Ball.

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