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Ursula Eskes, Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Hirschkamp, ist erleichtert mit dem Kreis Recklinghausen eine Ausnahmeregelung getroffen zu haben, um die Einzelzimmerquote noch nicht erfüllen zu müssen.

Seniorenzentrum Hirschkamp

Umbau verschoben - Kreis gewährt Schonfrist

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Waltrop - Seit 1. August müssen Seniorenheime eine 80-prozentige Einzelzimmer-Quote erfüllen. Als eine von vier Einrichtungen im Kreis RE macht das Seniorenzentrum Hirschkamp von einer Schonfrist Gebrauch.

Fünf Jahre – so lange hat Geschäftsführerin Ursula Eskes noch Zeit, ihr Seniorenzentrum so umzubauen, wie es der Gesetzgeber in Nordrhein Westfalen eigentlich schon jetzt verlangt. „Das ist eine gute Lösung“, findet Eskes, die selbst erst Anfang des Jahres von der Möglichkeit erfahren hat, eine letzte Schonfrist zu beantragen. Dass die Waltroper Einrichtung die Anforderungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllen kann, hängt unmittelbar mit dem Neubau ihrer Großküche und Wäscherei im Leveringhäuser Feld zusammen (wir berichteten). Eigentlich wollte Ursula Eskes, die das Bauprojekt mit ihrem Bruder und Geschäftspartner Georg Eskes umsetzt, hier schon deutlich weiter sein. „Ich hätte niemals gedacht, dass sich das alles so hinzieht“, räumt die Unternehmerin ein. Nachträge bei den Genehmigungsunterlagen, weitere Gutachten (Geruchsemission) und andere Unwegsamkeiten ziehen das Projekt in die Länge. An eine Baugenehmigung ist noch immer nicht zu denken.

220 Essen am Tag

Bevor der Küchen-Betrieb dort nicht läuft, kann das Seniorenzentrum am Neuen Weg, wo die Großküche (220 Essen/Tag) bisher untergebracht ist, nicht umgebaut werden. Ein Teufelskreis. Denn die Großküche muss zwangsläufig weichen, damit in der Einrichtung überhaupt genug Platz für die gesetzlichen Anforderungen geschaffen werden kann.

Ohne eine Art Gegenleistung hat der Kreis Recklinghausen die Ausnahmeregelung für das Seniorenzentrum Hirschkamp jedoch nicht gebilligt. Im Gegenzug muss Ursula Eskes auf das Pflegewohngeld der Bewohner verzichten, das einer Art Betten-Miete gleichkommt und etwa 22 Euro pro Person und Tag beträgt. Dafür ist bisher der Kreis aufgekommen. Zur Erklärung: Der Kreis zahlt diese Sozialleistung immer dann, wenn Bewohner Sozialhilfe empfangen oder unter einen bestimmten Rentenbetrag fallen. Knapp über die Hälfte der Bewohner des Hirschkampzentrums beziehen dieses Pflegewohngeld.

Finanzielle Einbuße

Gänzlich kostenlos muss Eskes diese Bewohner trotzdem nicht beherbergen. „Es gibt andere Töpfe, aus denen man noch Geld bekommen kann“, erklärt sie. Und im Zweifelsfall kann mit Angehörigen verhandelt werden. Etwa 4,50 Euro pro Person und Tag büßt das Seniorenzentrum dennoch ein.

Diese Übereinkunft mit dem Kreis hat für Ursula Eskes einen großen Vorteil: „Ich musste keine Mitarbeiter freistellen“, sagt sie. Ein entscheidender Punkt. Zwar hätten diese sicherlich kein Problem gehabt, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, glaubt die Geschäftsführerin. „In der ganzen Branche wird händeringend gesucht“. Als Arbeitgeber hätte Ursula Eskes dann ihrerseits das Problem gehabt, neue Pflegekräfte zu finden. Schon jetzt fehlen ihr zwei Vollzeitstellen, weshalb sie nicht alle Pflegeplätze belegen kann.

Die fünfjährige Schonfrist komplett ausreizen will Ursula Eskes aber nicht. Ab Mitte 2020 sei an den Umbau zu denken. Bis dahin läuft der Betrieb normal weiter.

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