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Inzwischen ist Margred Pospiechs Wohnung wieder hergerichtet und sie ist wieder eingezogen. Der Schock sitzt aber noch tief nach dem Feuer.

Seniorin erzählt

Das Feuer war schlimm, die Häme fast noch schlimmer

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Waltrop - Zuerst das Feuer, dann die Häme: Trotzdem ist Margred Pospiech dankbar für die Menschen, die ihr nach dem selbst verschuldeten Wohnungsbrand geholfen haben. Sie erzählt, wie es dazu kam.

Margred Pospiech hat noch nie in der Wohnung geraucht, hat dementsprechend auch keine glimmende Zigarette in der Küche liegen gelassen. Sie war auch nicht auf neue, von der Versicherung bezahlte Möbel aus, was schon darin begründet liegt, dass sie gar keine Hausratversicherung hat. Genauso wenig ist sie die reichste Witwe Waltrops, nur weil sie ein paar Tage im Hotel verbrachte, nachdem ein Feuer ihre Wohnung unbewohnbar machte. Auf der anderen Seite ist sie aber auch nicht pleite, muss keine Privatinsolvenz anmelden. „Sie glauben gar nicht, was ich in den letzten vier Wochen alles gehört und erlebt habe“, erzählt die 81-Jährige.

Eine Kerze für die kranke Tochter

Es ist der 7. September. Ein Freitag, kurz nach 10 Uhr am Morgen. Ein Tag, den Margred Pospiech niemals vergessen wird. „Ich hatte um 8 Uhr einen Arzttermin“, erzählt sie. Dass sie zuvor am Frühstückstisch ein Teelicht entzündete, sollte schlimme Folgen haben – das Schicksal schlug auf bitter-ironische Weise zu. „Eine meiner Töchter ist sehr krank“, erzählt Margred Pospiech. Weil sie ein sehr gläubiger Mensch ist, hatte sie die Kerze für ihre Tochter entzündet und in die Schale eines halben Straußeneies gestellt. „Meine Kinder haben mir das geschenkt. Es war ein bisschen Sand unten drin und mit Blattgold verziert.“ Dann verließ die Seniorin ihre Wohnung guten Mutes in Richtung ihres Arztes. Die Teelicht-Schale stand in der Küche auf einem Radio. Was dann geschah, erklärte ihr später die Polizei: „Durch das Teelicht haben sich der Sand und das Gold in der Eierschale wohl so stark erhitzt, dass sich das Radio darunter entzündet hat“, schildert Margred Pospiech. Dann schrillte die Feuersirene, Löschfahrzeuge, Drehleiter, Rettungswagen und Notarzt eilten zum Seniorenzentrum Hirschkamp, wo Margred Pospiech eine kleine Wohnung gemietet hat. „Als ich vom Arzt zurückkam und die ganze Feuerwehr gesehen habe, da habe ich gedacht, ich bekomme einen Nervenzusammenbruch“, erinnert sich die 81-Jährige. Gottlob: Niemandem ist etwas passiert. „Dafür bin ich wirklich dankbar.“

Schaden durch Ruß ist groß

Nicht nur dankbar, sondern auch überrascht war sie indes, mit wie wenig Wasser die Feuerwehrleute gelöscht haben müssen. „Hier war gar nichts nass“, erzählt Margred Pospiech. Dementsprechend wurden ihre Möbel auch nicht vom Wasser beschädigt, was sie freilich sehr freute. Und auch das Feuer selbst hinterließ keinen allzu großen Schaden. Der Küchentisch ist verbrannt, das Radio, ein bisschen Tapete – mehr nicht. Umso größer war allerdings der Schaden, den der Brandrauch mitsamt dem Ruß verursacht hat. „Es musste alles raus. Man kann sich das nicht vorstellen. Sogar in den Schränken war Ruß“, erzählt die Seniorin, die voll des Lobes für die Waltroper Firma BBS ist, die ihre Wohnung und Möbel anschließend runderneuert hat. Dass sämtliche elektronischen Geräte, Lampen und sogar der elektrische Sessel entweder auf den Müll oder vom Strom gekappt werden mussten, daran konnten jedoch auch die Experten von BBS nichts ändern. „Der Ruß kann sich wohl entzünden“, begründet Margred Pospiech.

Häme war genau so schlimm

Sie habe viel Hilfe erfahren, etwa von der Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Hirschkamp, Ursula Eskes, sagt die 81-Jährige. Leider aber auch viel Häme, viel Getuschel hinter dem Rücken. Für Margred Pospiech war das genauso schlimm wie der folgenschwere Brand. „Dabei habe ich doch nichts verbrochen, ich habe nur eine Kerze vergessen. Das war meine Schuld, aber keine Absicht.“

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