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Sylvia und Olaf Cichowski haben vergeblich auf das bestellte Taxi gewartet.

Für Taxiunternehmen gilt

Beförderungspflicht ja, Sofort-Abruf nein

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WALTROP - Taxis haben zwar eine 24-Stunden-Betriebspflicht, auf eine sofortige Verfügbarkeit haben Fahrgäste aber keinen Anspruch. Das ist das Ergebnis einer Rechtsprüfung des Kreises nach unserer Berichterstattung.

Sylvia und Olaf Cichowski sind verärgert über das Waltroper Taxi-Unternehmen Barth. Trotz Vorbestellung und mündlicher Zusage sei das Taxi nie gekommen, schildert das Paar. Zugetragen hat sich das Ganze in der Nacht zum vergangenen Sonntag gegen 0.30 Uhr. Die Fahrt sollte von Waltrop in die Dortmunder Innenstadt führen. „Am Telefon hat man uns schon gesagt, dass es eine Weile dauern wird – so 45 Minuten“, schildert Sylvia Cichowski. Weil aber auch nach einer Stunde noch kein Taxi da war, habe man erneut angerufen – ohne Erfolg. „Es ist einfach keiner mehr ans Telefon gegangen. Was soll das? Das Unternehmen hat doch eine Verpflichtung, wenn es eine Personenbeförderungslizenz hat“, stellt die verärgerte Waltroperin fest.

Erneut schlechte Erfahrungen gemacht

Es war nicht das erste Mal, dass Cichowskis schlechte Erfahrungen mit Taxi Barth gemacht haben. Nach unserer Berichterstattung Ende September letzten Jahres, in der es darum ging, dass Taxi-Unternehmerin Ulrike Barth unter der Woche nachts nur noch nach Vorbestellung fährt, wollte Sylvia Cichowski genau das tun: ein Taxi für einen nächtlichen Transfer zum Flughafen unter der Woche vorbestellen. „Ich war seinerzeit dafür extra in der Zentrale. Aber da hat man mir dann gesagt, dass der Bericht in der Zeitung falsch war und dass so etwas nie gesagt wurde.“ Ende vom Lied: Cichowskis bekamen kein Taxi zum Flughafen.

Auf Nachfrage unserer Redaktion äußert sich Ulrike Barth zu den Vorwürfen: Dass sie die vorbestellte Nachtfahrt nicht angenommen hat, stimme wahrscheinlich. „Ich fahre auf Vorbestellung, aber nicht mitten in der Nacht unter der Woche“, sagt Ulrike Barth. Stattdessen verweise sie die Kunden stets an das zweite Waltroper Taxi-Unternehmen „Du+Ich“, das auch wochentags nächtliche Fahrten auf Vorbestellung annehme. „Ich kann das nicht leisten, ich zahle da jede Nacht drauf. Und man kann von mir nicht verlangen, dass ich den Betrieb wissentlich in den Ruin treibe“, sagt Ulrike Barth.

Dass Sylvia und Olaf Cichowski am vergangenen Wochenende kein Taxi bekam und niemand ans Telefon ging, kann sich die Unternehmerin nicht erklären. „Vielleicht hat der Kollege in der Zentrale gerade auf dem zweiten Apparat gesprochen“, vermutet Barth.

Was ist eine angemessene Vorlaufzeit?

Aber was genau muss ein Taxi-Unternehmen leisten, damit es seiner gesetzlichen Betriebspflicht nachkommt? Nach unserer Berichterstattung hat das der zuständige Kreis Recklinghausen rechtlich geprüft. Das Ergebnis: „Die Beförderungspflicht gilt als abgedeckt, wenn das Taxi-Unternehmen Fahrgäste auf Vorbestellung befördert“, erklärt Kreis-Sprecher Jochem Manz. Will heißen, dass Fahrgäste keinen Anspruch darauf haben, dass ein Taxi umgehend auf Abruf bereitsteht.

Interessant wird es bei der Frage, wie weit im Voraus ein Taxi bestellt werden muss, damit es Gäste befördern muss. Eine klare Antwort gibt es hier nicht, aber eine tendenzielle. „Die Vorlaufszeit muss angemessen sein“, sagt Jochem Manz. Das sieht er zum Beispiel als erfüllt an, wenn ein Fahrgast ein Taxi unter der Woche bis 22 Uhr bestellt, wenn er um 3 Uhr nachts befördert werden will. Eher keine angemessene Vorlaufszeit ist, wenn die Bestellung um 2 Uhr eingeht und die Fahrt um 3 Uhr beginnen soll.

Was unterm Strich bleibt: Jedes Taxi-Unternehmen hat die Pflicht, Fahrgäste zu jeder Tages- und Nachtzeit zu befördern. Ablehnen darf es die Fahrt nicht. Allerdings müssen Fahrgäste ihrerseits eine angemessene Vorlaufzeit bei der Bestellung einhalten. Kommt ein Unternehmen trotz einer solch angemessenen Vorlaufzeit seiner Beförderungspflicht nicht nach, bittet Jochem Manz, den Kreis zu informieren. „Dann werden wir entsprechend reagieren“, sagt er.

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