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Das Trianel-Kraftwerk in Lünen.

Technisch kein Problem

Trianel: Wird aus dem Steinkohle- ein Gas-Kraftwerk?

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Waltrop - Ein Umbau des bestehenden Trianel-Kohlekraftwerks in ein Gaskraftwerk ist zwar technisch vergleichsweise einfach möglich, aber kurzfristig nicht sinnvoll. Das war die Aussage des Kraftwerksleiters Stefan Paul bei einer mit rund 80 Zuhörern gut besuchten Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion zur Zukunft der Steinkohle-Kraftwerksstandorte im Verwaltungsgebäude an der Lüner Frydagstraße.

Hintergrund: Nach den Empfehlungen der sogenannten Kohlekommission wird das milliardenteure Kraftwerk am Stummhafen (Stadtgrenze Waltrop) zwar als moderne und effiziente Anlage voraussichtlich zu den letzten gehören, die im Zuge des Abschieds von der Kohleverstromung abgeschaltet werden, jedoch immer noch 15 Jahre kürzer am Netz bleiben als beim Bau vorgesehen – 25 statt 40 Jahre. „Die goldenen Jahre werden dem Kraftwerk abgeschnitten“, sagte Paul. Entsprechend unruhig sind die 28 Gesellschafter – Stadtwerke aus allen Teilen Deutschlands –, die viel Geld in das Projekt gesteckt haben und ihre Beteiligung nun hinterfragen.

Umwandlung in Gas-Anlage ist eine Option

Da scheint die kurzfristige Umwandlung des Steinkohlekraftwerks in eine Gas-Anlage auf den ersten Blick eine Option. Das aber ergibt aus Sicht von Stefan Paul deshalb kaum Sinn, weil der Wirkungsgrad – also das Verhältnis von eingesetzter zu gewonnener Energie – wesentlich geringer wäre als bei dem modernen Steinkohlekraftwerk. Anders sähe es bei einem kombinierten Gas- und Dampf- (GuD)-Kraftwerk aus. Da wären allerdings auch die Investitionen für einen Umbau höher, als wenn man „nur“ den Brennstoff Kohle durch Gas ersetzen würde. In Rede steht eine Umwandlung in ein Gas-Kraftwerk allenfalls im Sinne einer Nachnutzung der Anlage, wenn die Zeit der Stromgewinnung aus Kohle vorbei ist. Und dieser Zeitpunkt ist weit entfernt.

Fernwärme ist ein wichtiger Faktor

Ab 2023 sollen Steinkohlekraftwerke über die Ausschreibung einer Stilllegungsprämie vom Markt genommen werden, anders als bei der Braunkohle, wo die Kommission auf eine Verhandlungslösung setzt. Matthias Miersch, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender und beratendes Mitglied in der Kohlekommission, machte allerdings deutlich, es müsse einen Unterschied machen, ob ein Kraftwerk Fernwärme auskopple ober nicht. Das Trianel-Kraftwerk in Lünen tut das, allerdings ist eine Ausweitung der Fernwärme-Aktivitäten nicht ganz einfach und wäre wiederum mit Investitionen verbunden.

Strukturhilfen hängen von Kraftwerks-Bedeutung ab

Unterdessen geht es für die Regionen, in denen Steinkohlekraftwerke stehen, um finanzielle Strukturhilfen. Die richten sich nach der wirtschaftlichen Bedeutung der Kohlekraftwerke in der jeweiligen Gegend. Der Landrat des Kreises Unna, Michael Makiolla, machte deutlich, warum es finanzieller Hilfe bedürfe: Es gebe noch keine Regelung, wie weit die Rückbau-Verpflichtungen der Betreiber gingen, wenn die Kohle-Verstromung beendet sei. Er gehe davon aus, dass den Kommunen dann nicht einfach besenreine Flächen übergeben würden, die diese dann ohne Kosten etwa für die Ansiedlung von neuem Gewerbe vermarkten könnten. Dafür, diese Flächen herzurichten, brauche man das Geld.

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