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Trauerrender Heiner Fehlker

Totensonntag

Was bei Trauerfeiern erlaubt ist

WALTROP - Ein Schlager bei der Trauerfeier? Der freie Trauerredner Heiner Fehlker hat schon einige ungewöhnliche Wünsche gehört. Und nimmt diese auch ernst.

Kirchliche Bestattungen werden häufig mit einem starren Ritus verbunden. „Das sagt vielen Menschen heute nichts mehr“, berichtet Heiner Fehlker. Der Waltroper weiß das aus seiner langjährigen Erfahrung. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er als Trauerredner.

Die Gestaltung einer Trauerfeier

Trauerredner wie Heiner Fehlker sind freier in ihrer Gestaltung. Beim Einsatz von Musik kämen eine ganze Menge mehr Titel infrage, erklärt der Waltroper. Stücke wie „Geboren, um zu leben“ von Unheilig eignen sich zum Beispiel sehr gut, findet Heiner Fehlker. Manchmal kämen aber auch kuriose Vorschläge. „Einmal sollte ich den Titel ‚Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand‘ spielen“, berichtet Fehlker. Dieser Schlager erschien ihm dem Rahmen nicht sonderlich angemessen. „In solchen Momenten versuche ich herauszufinden, was dahinter steckt und eine Alternative anzubieten“, berichtet er. Nicht alle Trauergäste sind mit solchen Titeln einverstanden. Auch in der Wahl der Texte sind Trauerredner freier, da sie auch weltliche Geschichten verwenden können. Bei beidem ist es Fehlker wichtig, dass die Botschaft Hoffnung vermittelt. Daran ist ihm als Christ gelegen: Nächstenliebe und Trost spenden. Der Waltroper geht offen mit seinem Glauben um – bis zu seinem Ruhestand 2012 war er als Pastoralreferent beschäftigt. „Ich hatte noch nie jemanden, der gesagt hat: Der ist Christ, den will ich nicht“, sagt er.

Empathie zeigen

Wenn Heiner Fehlker in ein Trauergespräch geht, drückt er zuerst sein Beileid aus und fragt dann: Wer war der Verstorbene eigentlich? Je genauer die Angehörigen denjenigen charakterisieren, desto persönlicher und besser gelingt die Trauerfeier. „Es geht nicht hauptsächlich um das, was ich sage. Es ist wichtig ganz, mit vollem Herzen dabei zu sein“, sagt er. Er wolle den Menschen nicht nur das Gefühl geben, ganz nah zu sein, sondern es auch wirklich tun: einfühlsam sein und Verständnis aufbringen. Am wichtigsten ist ihm, die Trauernden ernstzunehmen.

Gottesdienste zu Totensonntag

An diesem Sonntag, dem Toten- oder Ewigkeitssonntag, gedenken die Christen der 118 verstorbenen Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Waltrop. Doch ist das heute in heutigen Zeiten überhaupt noch relevant? Ja, sagt Pfarrerin Sabine Dumpelnik. Zu diesen Terminen seien die Kirche und die Kapelle auch in der heutigen Zeit noch voll, sagt sie. „Viele suchen die Geborgenheit bei dem Gedanken, dass es einen Sinn des Lebens und einen Gott gibt. Sie stellen fest, dass wir nicht in das große Nichts hineinfallen“, sagt die Geistliche.

Der Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche mit Gerrit Funke, Pfarrer i.R., der einen Gesprächskreis für Trauernde in Waltrop leitet, beginnt am Sonntag um 10 Uhr. Um 16 Uhr findet dann eine Andacht in der Kapelle auf dem Friedhof statt.

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