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Das Trianel-Kohlekraftwerk an der Stadtgrenze Waltrop / Brambauer.

Trianel-Jahrespressekonferenz

"Rechnen mit signifikant steigenden Strompreisen"

Waltrop/Lünen - Im Jahr 2038 ist Schluss mit der Stromgewinnung aus Kohle: Auf das Datum hat sich die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung festgelegt. Für das zum Jahreswechsel 2013/2014 gestartete Trianel-Kraftwerk Lünen (TKL) an der Stadtgrenze zu Waltrop bedeutet das eine Verkürzung der geplanten Laufzeit von 40 auf 25 Jahre.

Trotzdem begrüßt TKL-Geschäftsführer Stephan Paul die Entscheidung: „Der Kohlekompromiss ist ein wichtiger Schritt für mehr Planungssicherheit in der Energiewirtschaft.“ Unterm Strich steht laut Paul jedoch fest: „Die Gesellschafter werden aus dem Kraftwerk nicht das herauswirtschaften können, was sie hineingesteckt haben.“

"300 bis 400 Arbeisplätze geschaffen"

Das hatte sich bereits 2017 gezeigt, als Trianel-Geschäftsführer Sven Becker erklärte, das Lüner Kraftwerk habe allein 2015 rund 120 Millionen Euro Verlust eingefahren. „Wir liegen etwas drunter“, sagte Stephan Paul am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz im Stummhafen, ohne genaue Zahlen zu nennen. Stattdessen hob er den Wert des Kraftwerks für die Stadt und die Region hervor: „Wir vergeben Aufträge an Zulieferer und Dienstleistungsunternehmen in Höhe von 9 bis 11 Millionen Euro pro Jahr.“ Seit seiner Inbetriebnahme habe das Kraftwerk „rund 300 bis 400 dauerhafte Vollzeitarbeitsplätze bei regionalen Vertragspartnern geschaffen“.

Kein außerplanmäßiger Stillstand

Das Jahr 2018 bezeichnete der Geschäftsführer als „gut“, da das Kraftwerk so gut wie ohne außerplanmäßigen Stillstand auskam. Gerade der heiße Sommer in Kombination mit einem windarmen zweiten Halbjahr habe für hohe Betriebszeiten gesorgt: „Da die Einspeisung aus Windkraftanlagen merklich zurückging, produzierte das Trianel-Kraftwerk fast durchgängig und mit hoher Auslastung.“

Sturm zum Jahresanfang

Die ersten drei Monate im Jahr 2019 zeigten hingegen ein anderes Bild. „Da hatten wir fast 14 Tage nur Sturm, entsprechend hoch war die Einspeisung durch Windenergie“, so Paul. Die Menge an eingespeistem Strom führte zu einem Preisabfall an der Strombörse in Leipzig. „Für durchschnittlich 20 Euro pro Megawattstunde können wir hier keinen Strom produzieren, also standen wir still.“ Zum Vergleich: Im windarmen zweiten Halbjahr 2018 hatten die Börsenpreise für Strom im Mittel zwischen 55 und 60 Euro betragen. Stephan Paul blickt optimistisch in die Zukunft: Als modernes und effizientes Kohlekraftwerk geht man in Lünen davon aus, als eines der letzten vom Netz zu gehen. Was gut für Trianel ist, könnte die Stromkunden allerdings hart treffen: „Zuerst werden in den kommenden Jahren die alten und günstig produzierenden Kraftwerke abgeschaltet.“ Deshalb werde es häufiger vorkommen, dass höherpreisige Werke den Strom liefern müssten. „Wir rechnen für die 20er-Jahre mit signifikant steigenden Strompreisen an der Börse“, so Paul. Trotzdem werde auch diese Situation nichts daran ändern, dass Trianel die Folgekosten des Kraftwerks nicht erwirtschaften kann.

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