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Noch heute stehen Kerzen an der Stelle, wo der Bergkamener die Seniorin aus Waltrop mit seinem Auto erfasste.

Unfall Berliner Straße

Todesfahrer zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Waltrop - Die Ampel zeigte Rot, doch der Pkw fuhr einfach weiter: Sechseinhalb Monate nach einem tödlichen Unfalldrama auf der Berliner Straße ist ein 39-jähriger Autofahrer aus Bergkamen am Donnerstag am Amtsgericht Recklinghausen zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der Autofahrer hatte am Vormittag des 7. Oktober 2015 trotz Rotsignals die Kreuzung Berliner Straße/Lehmstraße überquert. Dabei hatte er eine Fußgängerin übersehen, die gerade an der Fußgängerampel pflichtbewusst bei Grün die Straße betreten hatte. Die 75-jährige Seniorin wurde frontal und mit voller Wucht erfasst – es gab keine Bremsspuren. Sie hatte keine Chance: Sie wurde durch die Kollision so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb.

Todesfahrer stand gedanklich neben sich

Wie am Rande des Prozesses vor dem Amtsgericht bekannt wurde, stand der Todesfahrer aus Bergkamen offenbar gedanklich völlig neben sich. Angeblich hatte er am Unfalltag einen wichtigen Termin für eine Zeugen-Aussage in Dortmund, sich auf dem Weg von Bergkamen zum Polizeipräsidium dann aber völlig verfahren. Außerdem hatte er zuvor offensichtlich eigenmächtig wichtige Medikamente (Psychopharmaka) abgesetzt. Nach dem „Horror-Unfall“ war der 39-Jährige zunächst noch knapp 300 Meter weiter gefahren, ehe er seinen Pkw dann auf der anderen Straßenseite in den Graben gesteuert hatte.

Angeklagter war in psychatrischer Behandlung

Dass der Bergkamener am Donnerstag nicht zum Gerichtstermin erscheinen würde, war bei der Staatsanwaltschaft und dem Gericht offenbar im Vorfeld bekannt. Laut seiner Verteidigerin befand sich der strafrechtlich bislang völlig unbescholtene Todesfahrer direkt nach dem Unfall wochenlang stationär in der psychiatrischen Klinik in Dortmund-Aplerbeck. Aktuell bekommt er regelmäßig Depot-Spritzen verabreicht, die den dringend notwendigen Medikamenten-Spiegel in seinem Blut sicher stellen sollen.

Anwältik kündigt an: Urteil wird akzeptiert

Das Urteil wegen fahrlässiger Tötung erging in Abwesenheit des Angeklagten durch einen Strafbefehl. Theoretisch kann der Todesfahrer dagegen noch Einspruch einlegen, doch seine Anwältin kündigte bereits an: „Das wird nicht passieren.“

Als Bewährungsauflage muss der 39-Jährige zudem eine Geldbuße von 1.000 Euro an die Staatskasse bezahlen.

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