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Achim Haselhorst ist beackert seine Parzelle in der Gartenstadt.

Unterwegs im Kleingarten

Hobbygärtnern juckt's in den Fingern

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Waltrop - Wenn die Temperaturen in Richtung T-Shirt-Tauglichkeit steigen und die Tage wieder länger werden, dann zieht es auch Waltrops grüne Daumen mit Macht nach draußen – ins Beet, auf den Rasen und an die Grabegabel.

In der Kleingartenanlage Gartenstadt schieben sie eifrig die Schubkarren umher, und in den Gewächshäusern herrscht Hochbetrieb. Achim Haselhorst, der seit fünf Jahren dort einen Garten sein Eigen nennt, geht jetzt voller Tatendrang ins neue Gartenjahr. Zumal er seit einiger Zeit Mischkulturen ausprobiert. Mischkultur, das heißt, dass nicht Radieschen an Radieschen an Radieschen wächst und gedeiht, sondern dass zum Beispiel Blumenkohl neben Sellerie wächst, Kopfsalat neben Erdbeere, Tagetes neben Tomate. Hintergrund des bunten Mit- und Nebeneinanders von Kräutern, Gemüse, Blumen ist es, dass die Pflanzen gegenseitig Schädlinge abhalten, erklärt Achim Haselhorst (55), der über Mischkulturen am Dienstag einen Vortrag hält.

Laura und Linda sind die Besten

Viel hat er sich angelesen, viel hat er auch aus den Lehrgängen mitgenommen, die er für seine Ausbildung zum Fachberater der Gartenstadt absolvierte. Aber vor allem profitiere er von der Erfahrung der älteren Kleingarten-Kollegen, erklärt Haselhorst. Von denen hat er zum Beispiel den Kartoffel-Tipp: „Laura und Linda, diese Sorten gehen hier gut.“ Überhaupt sei das ein stetes Hand-in-Hand-Arbeiten. Gibst du mir eine Liebstöckel-Pflanze, bekommst du von mir Erdbeer-Pflänzchen – so geht das in der Gartenstadt. „Oder wir Jüngeren helfen den Älteren bei körperlich schweren Arbeiten – etwa beim Baumschnitt“, erklärt Haselhorst.

Regelrechte Wettbewerbe

Apropos Ältere: „Die Rentner sind immer die Ersten“, sagt er lachend. „Die sind schon ein Stück weiter mit dem Garten, während es bei mir noch wild aussieht“, sagt Haselhorst und weist auf sein (übrigens trotzdem sehr adrettes) Gärtchen. Manchmal gebe es regelrechte Wettbewerbe: Wer macht den leckersten Kirsch-Aufgesetzten, wer zaubert den raffiniertesten Likör aus den Lakritz-Kräutern? „Das ist das Schöne – man kann immer wieder was ausprobieren.“ Und neu machen: Die Baumscheibe, die noch mit Kieseln belegt ist, „die kommt weg; das ist eigentlich eine Sünde“. Stattdessen sollen Kapuzinerkresse, Zitronenmelisse und Co. zu Füßen der Obstbäume wachsen. Solche Pflanzen halten zum einen Schädlinge fern, zum anderen locken sie Bienen an.

Pflanzentauschbörse

Ein paar Hundert Meter weiter am Kiepenkerl-Brunnen stehen ebenfalls Pflanzen im Mittelpunkt – bei der Pflanzentauschbörse der Kolpingsfamilie. Ganze Wagenladungen voller Setzlinge, Blumenzwiebeln und Ableger hat Monika Surmann (65) mitgebracht. Der 800-Quadratmeter-Garten der Surmanns bringt jede Menge Grün und Blühendes hervor, und Monika Surmann gibt bereitwillig ab – was für Pflanzen wie Tipps gleichermaßen gilt.

Öffentliches Beet bepflanzen

Christa Eisenhauer schaut gerade vorbei. Sie möchte das öffentliche Beet bei sich vor der Haustür am Lilienweg bepflanzen. „Die Stadt macht da nichts“, erklärt Christa Eisenhauer. „Ein paar Stauden vielleicht?“, fragt Monika Surmann. „Oder Dahlien? Aber die müssen im Herbst wieder ausgebuddelt werden.“ Bewegung, Entspannung, frische Luft – all das bedeutet für Monika Surmann die Arbeit im Garten. „Das erdet im wahrsten Sinne des Wortes“, erklärt die passionierte Gärtnerin. Das Keimen, Wachsen und Blühen zu sehen; den Kreislauf des Lebens, das sei sehr beglückend.

Kaum Chemie

Wer sich über Mischkulturen informieren will, der kann sich am Dienstag, 9. April, 18.30 Uhr, zu einem Fachreferat von Achim Haselhorst im Gemeinschaftsraum des Vereinshauses der Gartenstadt, Friedhofstr. 22, einfinden. Haselhorst wird anhand von praxiserprobten Beispielen darstellen, wie sich Pflanzen gegenseitig im Wachstum und im Kampf gegen Schädlinge und Krankheiten unterstützen.

Die 65-Jährige versucht dabei, der Schöpfung nicht allzu sehr mit Chemie ins Werk zu pfuschen. Obwohl Engerlinge, Läuse und Schnecken schon manchmal ganz schöne Spielverderber sind. Und manche Pflanze weigert sich auch einfach: „Margeriten – die tun’s einfach nicht bei mir“, erzählt Monika Surmann. „Egal, suche ich mir eben eine andere Pflanze.“

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