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Rappelvoll war der Saal bei Höwer-Wenker während der Versammlung der Landwirte.

Versammlung der Landwirte

Zwischen Tierwohl, Ackerflächen und Gülleverordnung

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Waltrop - Wenn Berlin will, dann geht vieles: Das ist zusammengefasst die Aussage, mit der Bernd Zimmer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Lokalvereins, die Jahreshauptversammlung eröffnete. Das Problem: In Bezug auf die Landwirtschaft will Berlin derzeit nicht viel, was die Bauern wollen.

Es geht um Tierwohl-Diskussion, um Ackerflächen und um das leidige Thema Gülleverordnung. „Es bedeutet sagenhaft viel Bürokratie, die Düngeverordnung einzuhalten. Das wird uns nochmals Geld kosten“, stellte Zimmer vor rund 45 seiner Berufskollegen fest. Es geht um die Grenzwerte, die vor allem beim Gülle-Fahren eingehalten werden müssen. Und darum, wie all das protokolliert und nachgehalten werden muss.

Flexibilität bei Grenzwerten

Dass Berlin bei Grenzwerten durchaus flexibel sein könne, zeige das Beispiel Feinstaub, stellte Bernd Zimmer fest. „Da wurde der Grenzwert mal eben von 40 auf 50 hochgesetzt. Wenn man für uns den Nitratwert von 50 auf 60 (Milligramm pro Liter, Anm. d. Red.) hochsetzen würde, dann würde das schon sehr helfen.“ Doch wo kein politischer Wille, da kein Weg.

Freilauf als höchste Tierwohl-Stufe

Ebenfalls um Politik geht es bei der Frage, wie Schweine gehalten werden sollen. „Freilauf ist die höchste Stufe“, sagt Zimmer. Damit die Schweine Sonne bekommen, bedarf es viel Platz und neuer Ställe. Doch hier schließt sich nahtlos ein städtebauliches Problem an. „Viele dieser Ställe sind einfach nicht genehmigungsfähig, weil der Abstand zur Wohnbebauung riesig sein müsste“, schildert der Vorsitzende. Diesen Platz gebe es sogar im Münsterland kaum, hierzulande erst recht nicht. So stellt Bernd Zimmer fest: „Unsere Tierhaltung, wie wir sie jetzt haben, ist politisch also nicht mehr gewollt. Die andere Variante ist aber in weiten Teilen nicht genehmigungsfähig.“

Konsequenzen des Regionalplanes

Zugegen war am Freitagabend auch Wolfgang König, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Er informierte die Waltroper Bauern insbesondere über die Konsequenzen, die der neue Regionalplan Ruhr hat. Hier ist für die Landwirte vor allem eine Frage von Wichtigkeit: Liegt der eigene Betrieb in einem Gebiet, das künftig als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden soll? Wäre das so, wäre eine Weiterentwicklung des Betriebes auf Eis gelegt.

Eigene Einwendungen

Im Falle Waltrops seien drei Höfe davon betroffen, deutlich mehr würden „scharf an der Grenze vorbei gehen“, sagte Ortslandwirt Thomas Witte. Wolfgang König empfiehlt allen Betroffenen, eine eigene Einwendung zu formulieren und an den Regionalverband Ruhr als Planungsbehörde zu senden. Die Frist für Einwendungen läuft am 1. März ab. Derweil werde auch der Kreisverband eine gesammelte Stellungnahme abgeben, kündigte König an. Eine mündliche Zusage habe es allerdings schon vom RVR gegeben. So werde laut Wolfgang König zumindest textlich im Regionalplan erwähnt, dass Hofstellen nicht zu den Gebieten von schützenswerter Natur zählen dürften. Ein kleiner Teilerfolg, den es nun aus Sicht der Landwirte noch auszubauen gilt.

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