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Förster Dirk Middelmann zeigt, was an der Eiche nicht stimmt.

Wald

Wenn den Bäumen das Wasser fehlt

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WALTROP. - Die Hitze des Jahrhundertsommers, der fehlende Regen und die Stürme der letzten Jahre haben Spuren im Wald hinterlassen. Förster Dirk Middelmann weiß, wie schlimm es wirklich ist.

Ein modriger Geruch steigt auf. Die abgefallenen Blätter bieten dem Waldboden neue Nahrung. Und die hat der Boden dringend nötig - genauso wie Wasser. Der Jahrhundertsommer und die Stürme sind auch am Waltroper Wald nicht suprlos vorübergezogen. Mittlerweile ist wieder Feuchtigkeit in den lehmig-sandigen Boden der Waldfläche im Klöcknerbusch eingezogen, doch die Bäche stehen zum Teil noch leer und von einer vollständigen Regeneration ist der Wald noch weit entfernt.

Den Bäumen geht es schlecht

Dass es den Bäumen schlecht geht, zeigt der kürzlich vom Landesumweltministerium veröffentlichte Waldzustandsbericht für NRW. Doch so schlimm, wie es in dem Bericht dargestellt ist, sieht Diplom-Forstingenieur Dirk Middelmann die Situation im Waltroper Wald nicht. Der Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz ist in Waltrop für gut 400 der 589 Hektar Wald zuständig.

Sorgenkind

Auf mehr als 50 Prozent der Waltroper Waldfläche wachsen nordamerikanische Roteichen und Stieleichen. Zumindest die Hitze haben die Eichen aufgrund ihrer Pfahlwurzeln noch ganz gut weggesteckt. Aber: „Der Eiche geht es generell die letzten zehn Jahre schon sehr schlecht“, sagt Middelmann. Sie sei von verschiedenen Krankheiten befallen. Ebenso haben die Eichen in diesem Jahr besonders viele Eicheln produziert, was sie zusätzlich geschwächt hat. „Es ist eine Anstrengung für den Baum, so viele Samen auszubringen“, erklärt Dirk Middelmann.

Vorsicht bei Eichen

Zudem seien auf den Eichen bis zu 200 verschiedene Insekten zu finden, darunter der giftige Eichenprozessionsspinner. Die Substanz, die in den kleinen Häarchen sitzt, kann zu schweren allergischen Reaktionen führen. Daher sollten Fußgänger bei dichten, spinnennetzartigen Nestern große Vorsicht walten lassen, denn auch die Hülle des Falters kann den Spaziergängern schaden, wenn sie damit in Berührung kommen.

Eschen sind nicht mehr zu retten

Die Buchen, die noch relativ häufig in Waltroper Wäldern vertreten sind, haben ebenfalls gelitten. Die vielen Bucheckern haben die Pflanzen geschwächt und sind zum Teil gar nicht reif geworden. Einige Birken hätten zum Beispiel bereits im Juni ihr Laub abgeworfen. „Das bedeutet aber nicht, dass sie tot sind“, sagt Dirk Middelmann. Dies sei ein Schutzmechanismus, um nicht auszutrocknen. Nicht mehr zu retten seien die Eschen. Die Eschentriebkrankheit sorge für das Aussterben der Bäume. Sich selbst verjüngen und regenerieren kann der Wald nicht an allen Stellen. An einigen nimmt der Adlerfarn ihnen das Licht, an den Starkstromschneisen wächst der Kamtschatka-Knöterich unaufhörlich.

Ausfälle sind zu verschmerzen

„Ich bin Berufsoptimist. Wir haben zwar ein paar Ausfälle im Wald, aber die kann man verschmerzen“, sagt Middelmann. Er glaubt allerdings nicht, dass die Winter-Niederschläge den fehlenden Regen aus dem Sommer ausgleichen können.

Erfreuliche Nachricht

Eine erfreuliche Mitteilung hat Dirk Middelmann aber doch: Er zeigt eine Flechte auf einem Stück Rinde: „Das ist ein Zeichen dafür, dass die Luft deutlich sauberer geworden ist“, sagt der Experte. Und solange nicht noch ein solcher Jahrhundertsommer folge, sondern fünf durchschnittliche Jahre, werde sich die Lage im Wald sicher wieder entspannen.

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