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In der Nacht zum 1. September 1967 war die Rotation im Zeitungshaus Bauer geschmückt, Bürgermeister Reinhold Mittelstädt schnitt das Band durch für die erste Ausgabe der „Waltroper Zeitung“ zusammen mit Verlegerin Annemie Bauer und Verleger Heinz Klöckner (3.v.r.). Rechts Lokalredakteur Gerd Pflug, dazu hatten sich noch Landrat Franz Becker, Stadtdirektor Josef Brautmeier und Verwaltungschef Günter Hardick und etliche andere illustre Gäste gesellt.

Waltrop vor 50 Jahren

Eine aufstrebende Stadt mit eigener Zeitung

WALTROP - Waltrop bekommt eine eigene Zeitung: In der Nacht zum 1. September 1967 hoben Verlegerin Annemie Bauer, Bürgermeister Reinhold Mittelstädt und Landrat Franz Becker die erste „Waltroper“ aus der Taufe. Vorher hatte die Lokalausgabe noch „Recklinghäuser Zeitung“ geheißen. Das Jubiläum soll Anlass sein für einen „Blick zurück nach vorn“, auf ein ereignisreiches Jahr 1967: Waltrop zum Jahreswechsel, wie stellte sich vor 50 Jahren die kleinste Stadt im Vest Recklinghausen dar?

Klar ist 1967: Die Zeichen stehen auf Expansion. Waltrop mit rund 25.000 Einwohnern entwickelt sich prächtig. Der Rat der Stadt hat im Jahr 1967 Neubaugebiete entwickelt: Am Moselbach, im Wiesengrund und an der Lehmstraße sollen Neubauten entstehen. Und ein Gymnasium. Im April ’67 wird beschlossen, zuerst ein Gymnasium zwischen Galen- und Realschule (ehemalige Wichernschule) einzurichten und 1970 mit dem Neubau am heutigen Standort zu beginnen.

Investitionen in Bildungseinrichtungen

Anders als heute stehen in den 60er-Jahren Investitionen in Bildungseinrichtungen ganz oben auf der Agenda. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren acht Schulneubauten in Waltrop entstanden, 1967 werden die ehemaligen Bauerschaftsschulen endgültig geschlossen und die Kinder nach den Sommerferien in neue Schulen verlegt. Als vorerst letzte wird 1967 die Franckeschule fertig. Dass ganz in der Nähe ein weiterer, 1967 eröffneter Neubau die Massen anzieht, nämlich die neue Kegelbahn bei Benthaus-Büchner, ist eine ganz andere Geschichte.

55 Bierlokale und Restaurants

Dazu sei aber angemerkt, dass die Waltroper damals – anders als heute – durchaus in der Lage sind, ihre Wirte zu ernähren. 55 Bierlokale und Restaurants gibt es, 1961 sind es noch 48. Der Trend des Jahres ’67: Es gibt zu wenige Nachtlokale, dafür immer mehr Imbissbuden, vermerkt die „Waltroper“. Am Pütt gibt es ab 1967 nur noch einmal im Monat „Löhnung“, am liebsten aufs neue Girokonto, und so endet die Tradition des „Lohntütenballs“. Nebeneffekt ist, dass manche Hausfrau, wenn es Geld auf der Zeche gegeben hatte, abends ihren Kerl nicht mehr aus der Kneipe holen muss.

"The Lords" bei Burbaum

Die Wirte müssen sich etwas einfallen lassen. Für einen Knaller sorgt Gastronom Max Burbaum: Er verpflichtet für den 11. Februar 1967 die populäre Pop-Gruppe „The Lords“, die zusammen mit anderen Bands ein begeisterndes Konzert vor vollem Haus abliefert. Sozusagen der Vorläufer des „Monterey Pop Festivals“ ein halbes Jahr später. 14 Uhr stehen die ersten Fans Schlange am Lokal Burbaum, ab 17 Uhr spielen erst die Atlantics, die Boy Scouts, LSD und die Outlaws vor 600 restlos begeisterten Zuschauern.

Hysterische Schreikrämpfe

Um 21.20 Uhr kommen die Lords auf die Bühne. „Die Polizei braucht nicht einzugreifen“, schlagzeilt die „Waltroper“. Das Konzert ist nur sehr kurz, weil Jugendamtspfleger Otto angesichts der vielen jungen Besucher angeordnet hatte, dass um 22 Uhr Schluss sein muss. Erwähnenswerter Vorfall: Kurz nach 21 Uhr verfällt ein Mädchen in hysterische Schreikrämpfe und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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