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Ave Caesar?

Waltrop und die Römer...

Die Devise hieß: Aussitzen!

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Waltrop - 2018 war ein Jahr der unendlichen Geschichten. Dabei kam trotz der Endlos-Hitze nicht jeder ins Schwitzen: Schöne Grüße an Brücken- Bauer und Bürgermeisterin. Ach ja: Wer hetzte denn da? Die Post war es nicht...

Von zähen Machtspielchen war das politische Jahr im Rathaus geprägt: Vorwürfe statt Fortschritt, verschleiern statt verbessern. Es ging um die ermüdende „Causa Gellert“ und ihre Folgen für Bürgermeisterin Moenikes. Letztere hat die Angelegenheit ausgesessen. Mit Erfolg. Bloß nicht in die Karten gucken lassen. Dass Reden „nur“ Silber ist und Schweigen viel kostbareres Gold, das wussten schließlich schon die alten Römer. Und die können sich nicht irren.

Waltrop und das alte Rom

Letztere, also die Römer, hätten wohl auch schon seit einer ganzen Weile die Brücke in Oberwiese fertiggestellt – und noch ein neues Kolosseum. Alles in Handarbeit. Denn auch, wenn sie nicht einmal Rom an einem Tag erbaut haben – 500 Tage hätte die tüchtigen Arbeiter Caesars wohl auch damals nicht gebraucht. Etwa so lange laborieren die neuzeitlichen Brücken-Spezis aus dem fernen Osten der Republik nun aber schon daran, das Bauwerk am Hebewerk in einen verkehrstauglichen Zustand zu bringen.

Apropos Fern-Ost: In China, genauer gesagt zwischen den Städten Shanghai und Nanjing, wurde von 2006 bis 2010 die „Große Brücke Danyang-Kunshan“ errichtet. In beeindruckenden vier Jahren haben es die Konstrukteure dort geschafft, das mit 164,8 Kilometern längste Eisenbahn-Viadukt der Welt zu bauen. Aber Fern-Ost ist nun mal nicht der deutsche ferne Osten, also China nicht Magdeburg.

Eine Devise zählt immer

Bei all dem Ärger gibt es aber auch hier eine eiserne Devise: Aussitzen, einfach aussitzen. Kann ja doch keiner was machen. Und wer will schon Brücken-Bau-Rekorde aus China brechen? Unsere Ingenieure jedenfalls nicht, so viel steht fest. Das Klima, genauer gesagt die Sonne, hat es stattdessen ernsthaft und mit Nachdruck versucht. Zwar ging es nicht um Brücken-Rekorde, dafür aber um Hitze-Rekorde. Was haben wir geschwitzt in der brütenden Sommerhitze. Wochenlang gab’s keinen Regen, was allen voran der Natur schwer geschadet hat. Aussitzen war das Gebot der Stunde. Was anderes blieb ja nicht übrig. Weil die Dürre auch nach Wochen kein Ende fand, war es die Feuerwehr, die ihrer Kernkompetenz nachkam: Wasser Marsch – vor zur Rettung der Natur! Gelsenwasser hatte fünf Millionen Liter kühles Nass zur Verfügung gestellt, damit Bäume und Pflanzen nicht verdursten mussten. Von wegen aussitzen: Die Freiwillige Feuerwehr übernahm im tagelangen Dauer-Einsatz die Bewässerung. Vielen Dank dafür.

Dann war da noch die Post...

Wer das Wort „Einsatz“ las, dem schoss zumindest im letzten Jahresdrittel nicht unbedingt die Deutsche Post in den Kopf. Verschwundene Pakete, verschütt gegangene Briefe, nicht abgeholte Päckchen, Anti-Telefon-Service und eine Filiale, die einfach nicht fertig werden wollte. Die Post hat viele Bürger noch mehr Nerven gekostet. Aussitzen, die Post will den Ärger einfach aussitzen. Diese Vermutung hatten zumindest Sie, liebe Leserinnen und Leser, als Sie uns von den diversen Desastern rund um die einst so zuverlässige Bundespost berichteten. Ein schwacher Trost: Sobald sich die Zeitung in offizieller Mission einschaltete, ging’s dann plötzlich doch. Merke: Die Post kann auch schnell, zumindest, wenn schlechte Presse droht.

Bei allem Ärger empfiehlt sich – diesmal zur Beschwichtigung – auch hier ein Blick ins alte Rom. Privatbriefe wurden dort von der kaiserlichen Post gar nicht erst befördert. So nahmen Freunde Briefe auf ihren Reisen mit, was zur Folge hatte, dass Botschaften mitunter lange unterwegs waren. So bekam der wichtige Philosoph Augustinus der Überlieferung nach einmal einen Brief erst nach neun Jahren zugestellt. Und auch damals galt vermutlich schon: Aussitzen, den Ärger über die verspätete Post einfach aussitzen.

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