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Die Deutschen spenden immer weniger.

Deutscher Spendenrat meldet

Es wird immer weniger gespendet - ist das auch bei uns so?

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  • Markus Weßling
    Markus Weßling
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Waltrop: Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist rückläufig. Die Zahl der Spender für gemeinnützige Zwecke ist 2019 erstmals unter 20 Millionen gefallen. Wie ist das bei uns?

  • Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist rückläufig, sagt der Deutsche Spendenrat.
  • Auch die Summe der gespendeten Gelder sank im Vergleich zum Vorjahr. 
  • Bei uns ist der Negativ-Trend bisher kaum angekommen.

     Seit 2012 steht im Opel-Autohaus von Ute Winkelheide in Waltrop ein „Spendenschiff“ aus Holz. Das Geld, das von Kunden dort hinein geworfen wird, geht an die Medizinische Kinderschutzambulanz an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln. Ute Winkelheide hatte sich damals überlegt, wem sie die Einnahmen aus ihrem Saison-„Angrillen“ am Autohaus stiften könnte, und kam auf das Projekt in Datteln. Seither liegen die Flyer in den Verkaufsräumen aus, daneben das Spendenschiff. Handelsvertreter bringen zudem Stofftiere für die Klinik vorbei. Dass die Bereitschaft nachlassen würde, die gute Sache zu unterstützen, kann die Autohändlerin, die sich auch persönlich für die Kinderklinik engagiert, nicht feststellen. Was wiederum Hannah Islerloh freut, bei der Kinderklinik für Kommunikationsaufgaben zuständig und aus Oer stammend. Auch dort steht ein Spendenschiff, bei der Fleischerei Bork (früher Corzilius). Regelmäßig werde sie angesprochen, erzählt Hannah Iserloh: Sie müsse dringend vorbei kommen, das Schiffchen sei schon wieder voll, und man wolle doch etwas hineinwerfen. „Was mich wirklich freut ist, dass es den Leuten persönlich so am Herzen liegt“, sagt sie.

    Persönliche Verbindung macht den Unterschied

    Was diejenigen, die Spenden sammeln, und diejenigen, die sie empfangen, einmütig bestätigen: Wer eine persönliche gute Erfahrung mit der Einrichtung gemacht hat, für die das Geld bestimmt ist, der gibt besonders gerne und großzügig. Eltern und Großeltern von Kindern zum Beispiel, die selbst einmal einen Aufenthalt in der Dattelner Kinderklinik hatten und sich dankbar erinnern, wie ihnen dort geholfen wurde. Bei den Spendern gibt es die ganze Bandbreite: Da sind die älteren Menschen, die einen runden Geburtstag oder eine Goldhochzeit feiern und statt Geschenken um eine Spende für den guten Zweck bitten. Es gibt Dauer-Spender, die seit Jahren regelmäßig feste Beträge überweisen. Aber auch – und das findet Hannah Iserloh besonders schön – junge Leute, die sich kreative Gedanken machen, wie sie Geld für die gute Sache zusammenbringen können. Zurück zu der Statistik des Spendenrates: Außerhalb der humanitären Hilfe konnte sich nur der Umwelt- und Naturschutz über einen kleinen Zuwachs freuen.

    Gemischtes Bild beim Tierschutz

    Unter den Verlierern sei aber der Tierschutz gewesen, heißt es vom Spendenrat. Ein Trend, den Johannes Beisenwerz, Vorsitzender des Tierschutzes Castrop-Rauxel, nicht bestätigen kann. Das Tierheim am Deininghauser Weg ist auch für Waltrop zuständig. Natürlich seien „nie genug“ Mittel da, aber das Spendenaufkommen sei nicht rückläufig – weder was Geld-, noch was Sachspenden angehe. Übrigens gibt es auch keine Unterschiede, was die Spendenbereitschaft der Bürger von Castrop-Rauxel und Waltrop angeht. Natürlich liege die absolute Summe, die aus Castrop-Rauxel komme, höher, sagt Beisenherz. Das liege aber schlicht daran, dass die Stadt größer ist. Wenn man es auf die Einwohnerzahl umrechne, seien die Zahlen vergleichbar. Anders das Bild beim Tierschutzverein in Oer-Erkenschwick: Zwar erhielten die Tierschützer zuletzt bei der großen Edeka-Spendenaktion die höchste Summer aller teilnehmenden Vereine. „Unter dem Strich haben wir aber weniger Spenden bekommen“, sagt die Vorsitzende Ute Brinkmann. 2017 betrug der Anteil der Spenden, die der Tierschutzverein zur Deckung der Ausgaben zur Verfügung hatte, 56 Prozent. Im Jahr 2018 waren es ebenfalls knapp 56 Prozent. Im Jahr 2019 schrumpfte der Anteil der Spenden aber rapide auf 36 Prozent. Nicht enthalten sind darin allerdings Sachspenden wie zum Beispiel Futter.

    "Laden"-Projekt in Oer-Erkenschwick: Kein Rückgang

    Eine Einrichtung, die auf der Spendenliste in Oer-Erkenschwick ganz weit oben steht, ist das ökumenische „Laden“-Projekt. „Von einem Rückgang merken wir nichts. Die Spendenbereitschaft lag in den vergangenen Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau“, sagt Pfarrer Rüdiger Funke. Detaillierte Zahlen will er nicht nennen.
  • Unglaublich: So wenig zahlt die Krankenkasse für die Behandlung eines Kindes. Darum ist die Kinderklinik dauerhaft auf Spenden angewiesen.

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