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Mehr als 100 Anwohner und Politiker kamen gestern an die Ickerner Heide zur symbolischen Protestaktion.

Wieder neue Sägespuren

Eine Nachbarschaft geht auf die Barrikaden

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Waltrop - Die Situation an der Ickerner Heide spitzt sich weiter zu. Mit aller Macht versucht jemand, alte Bäume zu fällen. Selbst vor der Protest-Aktion am Sonntag wurde wieder heimlich gesägt. Wie geht's jetzt weiter?

Das Zeichen war eindrucksvoll, wenngleich auch nur symbolisch: Mehr als 100 Anwohner, Freunde und Nachbarn der Ickerner Heide an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel versammelten sich gestern Vormittag an den Bäumen, die mit aller Macht illegal zu Fall gebracht werden sollen. Ebenfalls vor Ort: hochrangige Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe (SPD) und Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU).

Verdächtig, der Unbekannte zu sein, der die alten Eichen abgeholzt wissen will, ist ein Anwohner, der das Baum-Grundstück gerade im Begriff ist zu erwerben. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestritt dieser jedoch bereits, etwas mit den illegalen Fällversuchen und der einen erfolgreichen Fällung zu tun zu haben (wir berichteten).

Die Nachbarn haben einen Verdacht

Dennoch ist man sich in der Nachbarschaft sicher, dass er derjenige ist, auf dessen Konto die verbotenen Aktivitäten gehen. Ein Indiz dafür sind auch die Ordnungswidrigkeitsverfahren der Stadt Waltrop, die sich ebenso gegen den besagten Anwohner richten. Dieser muss bereits jetzt mit empfindlichen Sanktionen rechnen, die möglicherweise noch einmal verschärft werden müssen. Denn was die Nachbarn, die sich so zahlreich für den Erhalt der Bäume einsetzen, bereits befürchtet haben, ist nun Gewissheit geworden: Trotz klaren und wiederholten Verbotes, trotz Verfahrens und trotz öffentlichen Aufsehens ist erneut versucht worden, den alten Eichen und der einen noch älteren Buche (ca. 180 Jahre) Schaden zuzufügen. „Ich bin wirklich entsetzt und sprachlos“, kommentiert daher gestern auch Michaela Heßelmann, Grünflächenbeauftragte der Stadt Waltrop. Denn während sich der Protest vor Ort gerade formte, fiel auf: Es gibt neue Einschnitte in den Stämmen diverser Bäume. Zwar würden die alten Bäume „schon viel aushalten“, erklärt Heßelmann. Schwerwiegende Folgen könnte das großflächige Einritzen aber trotzdem haben. Durch die Wunde könnten zum einen Schaderreger wie Pilze, Viren oder Bakterien in den Baum eindringen. Zum anderen sei auch das Wasserversorgungssystem unterbrochen. „Die Leitungsbahnen eines Baumes, in denen das Wasser rauf und runter geht, liegen direkt unter der Borke. Werden die Bahnen durchgeschnitten, funktioniert das ganze Wassertransportsystem nicht mehr“, erklärt Michaela Heßelmann.

Bis zu 50.000 Euro Strafe

Auf Nachfrage einer Anwohnerin, welche Strafe dem Verursacher drohe, nannte Heßelmann eine Hausnummer: „Bis zu 50.000 Euro“ – aber das Verfahren laufe noch. Man werde sich hier Zeit nehmen, um alles so sorgfältig und sicher wie möglich zu vollziehen.

Zugegen war auch MdB Frank Schwabe. Er versicherte, sich zur Not auch in Berlin für die Möglichkeit einer angemessenen Bestrafung einzusetzen. „Hier geht es um das Rechtsempfinden und ich denke, man kann da ein Zeichen setzen.“ Freilich wolle man nicht jeden, der was mit einem Baum vor seiner Haustür macht, in den Knast bringen. Aber das hier sei etwas anderes. Schwabe sprach von „krimineller Energie“ – und dagegen müsse man vorgehen.

Die Nachbarschaft war zunächst einmal „dankbar und begeistert“, dass sich gestern so viele Menschen mit ihnen für die Bäume eingesetzt haben. Das sagten Sabine Biniek und Silvana Krüger, die stellvertretend für die Anwohner das Wort ergriffen.

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