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Markisen-Fachmann Dirk Busse am Werk.

Beschluss der Bundesregierung

Sie sind selbst keine Meister - und trotzdem für die Meisterpflicht

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Für zwölf Gewerke wird wieder die Meisterpflicht eingeführt. Wir haben vier Fachleute gefragt. Keiner von ihnen ist selbst Meister – aber alle begrüßen den Beschluss.

Vier Handwerker aus drei Branchen haben wir gefragt, was sie von der Wiedereinführung der Meisterpflicht halten, die die Bundesregierung gerade für zwölf Gewerke beschlossen hat. Alle finden sie gut – indes ist keiner von ihnen selbst Meister. Und alle sind sich einig: Die Kunden fragen kaum nach dem Titel. Sie überzeugt man mit guter Arbeit. So sieht es auch Raumausstatter Manuel Limburg. Die Qualität der Arbeit in der Branche habe in den letzten Jahren eher nachgelassen, sagt Limburg.  Verschiedene Aufgaben benötigten schon viel Erfahrung. „Einem Gesellen, der gerade seine Prüfung bestanden hat, würde ich nicht raten, einen Betrieb zu eröffnen.“ Er muss die Meisterprüfung nicht nachholen, denn existierende Betriebe ohne Meister genießen Bestandsschutz. Freiwillig würde er sich zurzeit auch nicht der Sache unterziehen, es fehlt schlicht die Zeit. Die Auftragsbücher sind voll, die Kunden vertrauen seiner Kompetenz auch ohne Titel. 

Fehlende Kompetenz kann sogar gefährlich sein

Dirk Busse (Fero-Tec Fenster- und Rollladentechnik) ist selbst auch kein Handwerksmeister, aber Techniker mit reichlich Berufserfahrung. Rollladen- und Sonnenschutztechniker gehören zu den Branchen, für die die Meisterpflicht wieder eingeführt werden soll. Richtig so, sagt auch Busse. Er will niemanden schlecht reden, aber er sagt, er habe schon viele Arbeiten gesehen, die einfach nicht fachgerecht ausgeführt wurden. Beim Rollladen-Einbau mag das ja noch weniger problematisch sein, sagt Busse. Richtig gefährlich aber könne es werden, wenn Markisen nicht fachgerecht montiert wurden. Er habe schon den Fall gehabt, dass sich ein Kunde an einer von Dritten falsch eingebauten Markise – die unter Federspannung steht – schwer verletzt habe. 

Als Bauingenieur "überqualifiziert"

Auch Bernd Brüggemann, Chef des gleichnamigen Fliesen-Fachunternehmens, ist kein Meister – sondern Bauingenieur, „also eigentlich, um es unbescheiden zu sagen, überqualifiziert“. In der Handwerksrolle, dem Verzeichnis, in das die Inhaber von Betrieben zulassungspflichtiger Handwerke einzutragen sind, ist das entsprechend vermerkt. Grundsätzlich wird in die Handwerksrolle nur eingetragen, wer in dem jeweiligen Handwerk die Meisterprüfung bestanden hat.  Es werden aber auch andere Prüfungen anerkannt. Brüggemann erhofft sich auch einen besseren Ruf für seine Branche. 

Noch nie danach gefragt worden

Fliesenleger Klaus Pfendert ist Solo-Handwerker mit viel Berufserfahrung. „Ich habe keinen Meistertitel“, sagt er. Gefragt worden sei er danach auch noch nie. Und man habe ja auch bei größeren Meisterbetrieben keine Garantie, dass beim Kunden tatsächlich der Meister und nicht ein mäßig begabter Geselle auf der Matte steht.

Grundsätzlich muss man wegen der Konjunktur aktuelllange auf Handwerker-Termine warten. 

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