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Pfarrerin Sabine Dumpelnik ist keine Anhängerin von Video-Aufzeichnungen von Beerdigungen.

Bestattungen in Corona-Zeiten

Video von der Beerdigung - warum eine Pfarrerin davon nicht viel hält

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Auch in Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick wird darüber gesprochen: Ist es eine gute Idee, eine Beerdigung in Corona-Zeiten filmen zu lassen?

  • In Zeiten der Kontaktbeschränkungen können manchmal nicht so viele Trauernde an einer Beerdigung teilnehmen, wie es gerne würden
  • Was ist von der Möglichkeit zu halten, ein Video zu drehen und es Trauernden zur Verfügung zu stellen?
  • Eine Pfarrerin und zwei Bestatter äußern sich

Die evangelische Pfarrerin Sabine Dumpelnik aus Waltrop hält wenig davon, eine Trauerfeier oder Beerdigung auf Video aufnehmen zu lassen, wenn wegen der Corona-Beschränkungen einige Trauernde, die sonst auf dem Friedhof gekommen wären, nicht dabei sein können. „Das führt zu einer Trauer mit dem Blick zurück, der sich verfestigen kann“, sagt die Pfarrerin. Dabei sei es wichtig für die Trauer-Bewältigung, dass der Blick nach einer Weile auch wieder nach vorne gehen könne. Ob sie selbst sich bereit erklären würde, eine von ihr geleitete Beerdigung filmen zu lassen? Aus genannten Gründen ist sich die Pfarrerin da nicht sicher. Sie plädiert eher dafür, nach Möglichkeiten zu suchen, damit – unter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen – möglichst viele Menschen zum Beispiel in die Trauerhalle auf dem Friedhof dürfen. Im Waltroper Fall seien aus ihrer Sicht bis zu zehn Leute in der Trauerhalle möglich. 

Waltrop: Viele bleiben von sich aus zu Hause

Sabine Dumpelnik berichtet von einem Fall, bei dem der Bestatter schon in Sorge war, denn die Angehörigen des verstorbenen Menschen rechneten damit, dass mehr als 60 Personen an der Beerdigung teilnehmen wollten – zu viele in Corona-Zeiten. Am Ende hatte sich das Problem dann von selbst erledigt, es kam nur rund ein Drittel. Viele, gerade Ältere, entschieden von sich aus, zu Hause zu bleiben, aus Angst vor einer möglichen Ansteckung. Aber ist es nicht eigentlich viel häufiger das Problem, dass Menschen einsam und anonym sterben und beigesetzt werden als dass „zu viele“ Menschen sich von dem Verstorbenen verabschieden wollen? „In kleinen Städten wie Waltrop eher nicht“, sagt die Pfarrerin. Hier seien auch Ältere noch häufig in eine soziale Gemeinschaft eingebettet und folglich auch die Zahl derer, die nach dem Tod der Person Abschied nehmen wollten, groß. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass das in Großstädten mitunter ganz anders aussieht. Es sei eben die Frage, wie anonym oder weniger anonym man in einer Stadt zusammenlebe.

Datteln: Beerdigungen im engsten Kreis

In Datteln finden Bestattungen nur noch im engsten Familienkreis statt. Die Stadt hat die Anzahl der teilnehmenden Personen auf zehn beschränkt, weiß Bestatter Ludger Bialas. Angefragt, ob ein Video aufgenommen werden kann, wurde er noch nicht. „Aber möglich wäre es“, sagt er. „Ich finde, es ist eine gute Idee für die, die nicht zum engsten Kreis gehören.“ Viele möchten beim letzten Gang dabei sein und den Verstorbenen ehren, „aber man muss auch vernünftig sein“, in der jetzigen Zeit. Deshalb wird derzeit auch nur unter freiem Himmel bestattet und keine Trauerhalle genutzt. Auch einen Trauerzug zum Grab gibt es in Datteln nicht, Bialas weiß, dass es in den Nachbarstädten oft anders aussieht. 

Angehörige reagieren verständnisvoll

„Da findet der Trauerzug oft noch mit genügend Abstand statt“, sagt Bialas. Er als Bestatter muss Angehörige auf das Abstandhalten und den Verzicht von Umarmungen hinweisen. Die meisten Angehörigen reagieren darauf verständnisvoll, trotzdem hofft er, dass einige Vorschriften bald gelockert werden. 

Oer-Erkenschwicker Bestatter rät ab

Das sieht René Schmülling (48), Bestattungsunternehmer aus Oer-Erkenschwick, ganz genauso. In der Stimbergstadt dürfen Bestatter keine offenen Aufbahrungen und auch keine rituellen Waschungen durchführen. Zudem sind wegen der Corona-Pandemie Trauerfeiern in geschlossenen Räumen grundsätzlich verboten. „Die eigentliche Beisetzung darf dann auch nur im engsten Familienkreise mit maximal 20 Personen durchgeführt werden.“ Eine Aufzeichnung der Beerdigung per Video sei auf Wunsch prinzipiell möglich. „Ich rate aber davon ab. Denn zunächst einmal muss man sich die Genehmigung für die Filmaufnahmen auf dem Friedhof bei der Stadt einholen und dann beim Filmen grundsätzlich auch auf die Persönlichkeitsrechte der Beerdigungsgäste, aber auch von Passanten auf dem Friedhof achten. Aber ich halte Videoaufnahmen auch psychologisch für bedenklich. Denn solch ein Video behindert die Aufarbeitung der Trauer.“

Wieder-Eröffnung der Geschäfte

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