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Das Dattelner Kraftwerk.

BUND sucht Verbündete

Umweltverband reiste nach Helsinki: Können die Finnen das Kraftwerk stoppen?

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Was machen Vertreter des Umweltverbandes BUND in Finnland? Verbündete gegen die Inbetriebnahme des Kraftwerks Datteln 4 suchen. Doch was hat Finnland damit zu tun?

Es war keineswegs ein Urlaubs-Trip, den BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen gemeinsam mit anderen Vertretern von Umweltorganisationen gen Norden unternahm. Es ging um die Zukunft des Dattelner Kraftwerks. Warum die Reise, an der auch der lokal verankerte Kraftwerks-Fachmann Dr. Thomas Krämerkämper teilnahm, nach Finnland führte? Mit einem Anteil von 50,8 Prozent ist der finnische Staat Mehrheitseigner des Energieversorgers Fortum. Der hält wiederum 49,9 Prozent an Uniper und erwirbt gerade zusätzliche Aktienpakete für einen Gesamtanteil an Uniper von über 70 Prozent. Und Uniper ist Betreiber des Kraftwerks.

Umstrittenes Projekt "geeerbt"

Damit „erbt“ der finnische Staat das seit mehr als einem Jahrzehnt umstrittene Vorhaben am Dortmund-Ems-Kanal. Genau darum geht es den Umweltschützern: Dass die Politik in Helsinki realisiert, dass das Kohlekraftwerk in Datteln ihren eigenen Zielen zuwiderläuft und dass sie daher ihren Einfluss auf Deutschland geltend macht. Ziel soll es sein, dass die im deutschen Kohle-Kompromiss empfohlene Verhandlungslösung greift und das Dattelner Kraftwerk gar nicht erst ans Netz geht. Dass man die Finnen dafür aktivieren kann, daran glaubt der BUND fest.

Ehrgeizige Klimaziele

Schließlich hätten sie „ehrgeizige Klimaziele“. Bis 2029, so ein Regierungsbeschluss, wolle man dort aus der Kohleverstromung aussteigen. Außerdem ist Finnland Mitglied einer Allianz, die sich verpflichtet hat, keine konventionellen Kohlekraftwerke mehr zu bauen. „Würde Fortum an dem Vorhaben festhalten, würde das nicht nur der Reputation der finnischen Regierung schaden, auch wären damit große juristische und ökonomische Risiken verbunden“, sagt Dr. Krämerkämper. „Wir haben uns sehr gefreut, dass die finnischen Regierungsvertreter ein offenes Ohr für unsere Argumente hatten und der ‚Fall Datteln‘ damit auch in der finnischen Politik angekommen ist.“ Das war bis dato offenbar nicht der Fall. Die Gesprächspartner hätten versichert, am Kurs der Energiewirtschaft zur Einhaltung des Pariser 1,5-Grad-Ziels festhalten zu wollen. Das ist das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf unter 1,5 Grad zu begrenzen. Gesprochen haben die BUND-Vertreter nach eigenen Angaben mit der Gruppe, die die finnischen Staatsbeteiligungen steuert, und mit Vertretern von drei der fünf Regierungsparteien. 

Fortum hat "kein Interesse an der Kohlekraft"

Auch Datteln 4-Anteilseigner Fortum habe eigentlich kein Interesse an der Kohlekraft, sagt Dirk Jansen. Ihm gehe es um den Rückzug aus der Kohle und mittelfristig um die Gaskraftwerke. Im Februar wollen BUND-Vertreter erneut nach Finnland reisen. Unterdessen deutet der Umweltverband an, das symbolträchtige Dattelner Kraftwerk könne in nächster Zeit verstärkt zum „hot spot“ der Klima-Bewegung werden. Die jüngsten "Fridays-for-future -Proteste dort wären dann nur ein Auftakt gewesen.

Eine wichtige Entscheidung zu Datteln 4 wurde gefällt. 

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