Der Eingang des ehemaligen Waltroper Waldstadions.
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Im ehemaligen Waltroper Waldstadion hat schon lange niemand mehr Fußball gespielt.

Diskussion um Bebauungsplan

Baugebiet Waldstadion: Warum die Grünen unterm Strich zustimmten

  • Silvia Seimetz
    vonSilvia Seimetz
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  • Tamina Forytta
    Tamina Forytta
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Das ehemalige Waldstadion in Waltrop soll Baugebiet werden. Die Grünen stimmen dem Fortgang der Planungen nun doch zu. Sie haben aber weiter kritische Anmerkungen.

Update 19. April: Auf viel Zustimmung bei den Ratsfraktionen stoßen die weiteren Planungen für die Bebauung des Waldstation-Geländes. Auch die Grünen sehen das Projekt unter dem Strich positiv, haben aber doch einige Kritikpunkte. Für die FDP war der Umstand, dass der Waldausgleich nicht in Waltrop erfolgen soll, ein Grund, den Plänen das Ja zu versagen. Neben viel Lob für die Planung (gute Nutzung der vorhandenen Fläche, nachhaltig geplantes Regenrückhaltebecken, Kaltwärmeversorgung über ein zentrales Leitsystem und vieles mehr) haben die Grünen in ihrer ausführlichen Stellungnahme auch Kritik formuliert. So halten sie weiterhin zehn zentral geplante Parkplätze für überflüssig und unterstreichen wie andere Fraktionen auch, dass sie eine Fläche für den Waldausgleich innerhalb der Waltroper Stadtgrenzen fordern. Stadtplaner Andreas Scheiba hatte in seiner Erwiderung im Rat noch einmal erklärt, warum das Thema aus seiner Sicht nicht so einfach ist. Ein Aspekt sind die Kosten.

Standfestigkeit jährlich überprüfen

Das nördliche, eigentliche Wäldchen wird ökologisch überplant. Die zusätzliche Planung mit Hochstubben, also Stämmen, die stehen bleiben, als Lebensraum für Kleintiere sehen die Grünen als gut an – regen aber an, dass die 16 mehr als hundert Jahre alten Randbäume, von denen zwölf gefällt werden sollen, erst einmal stehen bleiben. Bei der Fällungs-Absicht wird mit der Standfestigkeit argumentiert. Die könne man doch jährlich überprüfen, meinen die Grünen. Ratsmitglied Beate Stach machte im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass die Grünen hoffen, im weiteren Fortgang des Verfahrens noch weitere Verbesserungen erreichen zu können. Man werde sich kritisch und konstruktiv einbringen.

Die CDU ist voll des Lobes

Die CDU indes war voll des Lobes über die Waldstadion-Planung, wie sie vorgelegt wurde, während die FDP ihr Nein wegen der Waldausgleichs-Frage bekräftigte.

Das hatten wir zunächst berichtet: Die Stadtverwaltung Waltrop hat sich bekanntlich auf den Weg gemacht, einen Bebauungsplan für das Gelände des ehemaligen Waldstadions einen Bebauungsplan zu erstellen. Und genau das, was die Fläche so reizvoll macht, nämlich der Wald in direkter Nachbarschaft, macht es jetzt knifflig. Aber nicht nur deswegen haben die Grünen Bedenken.

Die Grünen in Waltrop haben viele offene Fragen

Gleich mehrfach betonte Grünen-Ratsfrau Beate Stach in der Ratssitzung, dass ihre Partei für das Wohnbauprojekt Waldstadion ist und die politischen Beschlüsse bislang auch mitgetragen habe. Ihre Fragen: Warum wurde den Fraktionen nicht das komplette Artenschutzgutachten vorgelegt? Warum wurde das Gebiet nicht so geplant, dass die 100 Jahre alten Bäume erhalten bleiben? Warum werden 50 öffentliche Parkplätze vorgehalten? Warum finden sich keine Ausgleichsflächen in Waltrop? Warum wurde bei der Planung keine innovative Energieversorgung berücksichtigt? „Wir müssen aus Gründen des Klimaschutzes gegen das Waldstadion stimmen, auch wenn wir dafür sind“, endete Stach.

SPD fürchtet, dass das Mehrgenerationenwohnen in Gefahr ist

CDU, SPD und Aufbruch teilten die Bedenken der Grünen nicht. Es gäbe weiterhin alle Möglichkeiten, gestaltend in die Planung einzugreifen, lautete der einhellige Tenor. Detlev Dick (SPD) fürchtete, dass ein Zögern das Mehrgenerationenwohnen gefährden könne. „Da engagieren sich bereits viele Leute. Sie wollen wissen, wie es weitergeht.“ Die Grünen fanden keine Mehrheit, das Verfahren zum Projekt Waldstadion geht also weiter.

Die Stadt sucht weiterhin nach Ausgleichsflächen

Das haben wir bisher berichtet: Einige Flächen am ehemaligen Fußballstadion sind offiziell Wald. Dafür soll ein sogenannter Waldumwandlungsantrag gestellt werden. Das bringt aber mit sich, dass 5200 Quadratmeter Ausgleichsfläche geschaffen werden müssen. Am liebsten irgendwo in Waltrop, darüber waren sich parteiübergreifend viele Ratsmitglieder einig. Eigene Flächen, die sich dafür eignen, hat die Stadtverwaltung aber nicht mehr. Denn die Fläche, so erklärte Stadtplaner Andreas Scheiba, muss an bestehenden Wald angrenzen. Ein Ausweg wäre, geeignete Flächen anderswo im Münsterland anzukaufen.

Am ehemaligen Waldstadion in Waltrop soll Wohnbebauung entstehen.

Das machte viele Ratsmitglieder, unter anderem aus den Reihen von Waltroper Aufbruch, CDU und Grünen, geradezu fuchsig: Der Ausgleich möge doch, bitteschön, in Waltrop verwirklicht werden, mithin das Geld dafür auch in Waltrop bleiben. Es habe ja Gespräche gegeben, hieß es, aber unter anderem im Zuge des Kraftwerks-Baus habe das Unternehmen Eon auch schon Ausgleichsflächen in Waltrop gesucht und angekauft - und bei dem Großkonzern sitzt der Geldbeutel lockerer.

Öffentlich geförderter Wohnungsbau in Waltrop

Auf dem Gelände sind acht Mehrfamilienhäuser, neun Reihenhäuser und ein Generationen-Wohnprojekt geplant. Das sind insgesamt etwa 110 Wohneinheiten. Davon sollen etwa 30 Prozent im geförderten Wohnungsbau errichtet werden. Sprich: Diese Grundstücke werden für einen günstigeren Kurs verkauft als frei finanzierte. In direkte Nähe wird derzeit schon eine Kita gebaut - auch dabei spielten Bäume eine Rolle.

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