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Als aktive Yogalehrerin kennt sich Monika Dinter „mit Sanftheit und Frieden“ aus, sagt sie. Perfekte Voraussetzungen, um als Schiedsfrau ihren Mann zu stehen. Berthold Sörgel ist von Beruf Personalleiter und ehrenamtlicher Schöffe beim Sozialgericht Gelsenkirchen.

Ihr "Urteil" hat Gewicht

Sie sind die Streitschlichter von Waltrop: Monika Dinter und Berthold Sörgel

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Wenn ein Streit zu eskalieren droht, dann kommen sie ins Spiel: Monika Dinter und Berthold Sörgel. Was die Schiedsleute machen, wann sie zuständig sind, was sie erleben. 

Monika Dinter und Berthold Sörgel sind Schiedsleute und für Streithähne die letzte Instanz vor dem Gang zum Gericht. Aber auch das „Urteil“ der beiden Ehrenamtler ist bindend. Was sie tun, was sie erleben.

Verbale Entgleisungen kommen schon mal vor

Eine zu hohe Hecke beim Nachbarn, rüpelhaftes Verhalten im Straßenverkehr, eine nächtliche Bierdusche, Beleidigungen, eine Ohrfeige – mit solchen Dingen beschäftigt sich eine Schiedsperson in aller Regel. Dass es zwischen Streithähnen mitunter trotzdem recht schroff zugeht, das hat auch Berthold Sörgel in seinem zweiten Jahr als Schiedsmann schon bemerkt. So kämen verbale Entgleisungen durchaus vor.

Es geht darum, einen Kompromiss zu finden

Letztendlich geht es bei dem Tun der Schiedsleute darum, einen Kompromiss auszuhandeln. Monika Dinter und Berthold Sörgel nehmen dann die Rolle des Streitschlichters, des Mediators ein. Trotzdem gilt: so wenig einmischen wie möglich. „Die Parteien sollen sich selbst einigen“, sagt Monika Dinter. Das gelingt in Waltrop übrigens auffallend oft. „Wir haben eine recht hohe Einigungszahl von 75 bis 80 Prozent“, erzählt Monika Dinter nicht ohne Stolz. Das sei die höchste Rate im ganzen Kreis.

"Wir geben keine Rechtsberatung"

Etwa zehn bis zwölf Fälle haben die Streitschlichter jeweils auf dem Tisch. Pro Jahr. „Anrufe gibt es viel öfter. Aber wir erklären den Leuten dann immer, dass wir keine Rechtsberatung geben dürfen“, erzählt Monika Dinter. Kommt es zum Ernst- beziehungsweise „Schiedsfall“, so gilt es zunächst, den Antragssteller einzuladen. Ihr Wohnzimmertisch wird dann zum Schiedsbüro. „Wir setzen dann zusammen einen Schlichtungsantrag auf“, erzählt die Rentnerin. 50 Euro kostet das den Antragssteller per Vorkasse. Davon werden Papier, die Postzustellung und andere Kleinigkeiten bezahlt. Was übrig bleibt, bekommt der Antragssteller zurückerstattet.

Wenn nichts hilft gibt es eine Erfolglosigkeitsbescheinigung 

Geht am Ende alles gut aus und die Parteien einigen sich, zahlen beide Seiten die Hälfte der Summe. Kommt es zu keiner Einigung, dann stellen die Schiedsleute eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung aus. „Damit kann man dann direkt zum Gericht gehen“, sagt Monika Dinter. Vorher geht das in der Regel nicht.

"Urteil" hat 30 Jahre Bestand

Haben sich die Streithähne allerdings einmal geeinigt, dann ist der ausgehandelte Kompromiss auch rechtsgültig und bindend – und zwar für 30 Jahre. Nachverhandelt wird niemals, im Zweifelsfall setzt sofort das Amtsgericht den Kompromiss durch.

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