Was kann Spahn noch retten?

Corona-Desaster: Neue Stiko-Empfehlung zu AstraZeneca könnte Deutschlands Impfstrategie über den Haufen werfen

Beim Thema Corona-Impfstoff macht sich in Deutschland Frust breit. Die mit Pauken und Trompeten gestartete Impf-Aktion verläuft kaum glamourös. Lieferschwierigkeiten bereiten Kopfzerbrechen.

  • Der Corona*-Impfstoff in Deutschland ist knapp. Lieferengpässe sorgen für Kritik.
  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung für den AstraZeneca-Impfstoff herausgegeben (siehe Update vom 28. Januar, 13.51 Uhr).
  • Kommt jetzt der „Impf-Gipfel“? Gesundheitsminister Spahn reagiert auf Forderungen nach einem solchen Treffen (siehe Update vom 28. Januar, 16.02 und 9.56 Uhr).
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen zu den Covid-19-Impfungen finden Sie hier.

Update vom 28. Januar, 19.38 Uhr: Charles Michel selbst hat sich jetzt zu Notmaßnahmen geäußert, durch die man in Europa schneller mit den Corona-Impfungen vorankommen könnte. Der EU-Ratspräsident schrieb offenbar einen Brief an mehrere Regierungschefs - dieser wurde jetzt veröffentlicht. Sollten keine befriedigenden Lösungen mit den Herstellern gefunden werden, „sollten wir alle Optionen prüfen und alle juristischen Mittel und Durchsetzungsmaßnahmen nutzen“, so Michel. Damit reagierte er auf das Drängen Österreichs, Tschechiens, Dänemarks und Griechenlands, das Zulassungsverfahren der EU-Arneiagentur EMA zu beschleunigen.

Ermöglichen könnte die besagten Notmaßnahmen der Artikel 122 der EU-Verträge, der sich mit Versorgungsengpässen befasst. Die EU-Staaten könnten die EU-Kommission anweisen, die Impfkampagne mit gezielten Mittel zu beschleunigen: Impfstoffe könnten so etwa bereits vor ihrer Zulassung an Mitgliedsstaaten verteilt werden. Diese Vorkehrungen könnten sogar soweit gehen, Zwangslizenzen für Impfstoffe zu vergeben, sodass Konkurrenten diese nur gegen Gebühr produzieren können, zitiert die dpa einen EU-Vertreter.

EU einigt sich über Corona-Impfpässe: QR-Code soll sogar Impfstoff nachweisen

Update vom 28. Januar, 19.17 Uhr: Den Impfstatus einer Person schnell und eindeutig einsehen zu können, lautet das Ziel. Die Europäische Union diskutiert genau deshalb über die Einführung von Corona-Impfpässen. Nun scheint die EU-Kommisson damit einen Schritt weiter zu sein, habe man sich am Donnerstag doch darauf geeinigt, welche Informationen solche Dokumente enthalten sollen. Sowohl in Papier- als auch in elektronischer Variante sollen die Impfnachweise nicht nur Personalien enthalten, sondern etwa auch den verwendeten Impfstoff kenntlich machen.

Eine Art elektronisches Siegel in Form eines QR-Codes oder einer Registrierung, soll die Impfpässe in den 27 EU-Staaten vergleichbar machen und ihre gegenseitige Anerkennung garantieren. Später könnten mit ihnen sogar noch weitere Informationen verlinkt werden, meldet die dpa, verweist aber auch darauf, dass noch nicht bekannt sei, wann die Corona-Pässe eingeführt werden. „Gegenseitig anerkannte Impfnachweise werden ein wichtiges Instrument für die Bürger während der Pandemie, aber auch, nachdem wir sie überwunden haben“, erklärte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Über die Richtlinien, auf die man sich am Donnerstag geeinigt hat, wird nun weiter beraten.

EU will Impfstoff-Export künftig strenger regulieren

Update vom 28. Januar, 16.12 Uhr: Brüssel will die Exporte für Corona-Impfstoffe aus der EU notfalls untersagen. Die EU-Kommission will das System zur Erfassung und Genehmigung der Ausfuhr von Corona-Impfstoffen an diesem Freitag auf den Weg bringen. Hersteller müssen künftig geplante Exporte bei nationalen Behörden anmelden und genehmigen lassen, hieß es am Donnerstag aus Kommissionskreisen in Brüssel. Die Exporte könnten bei „Ungereimtheiten“ mit Blick auf Impfstoff-Rahmenverträge abgelehnt werden. Dieser „Transparenz-Mechanismus“ sei „kein Exportverbot“, sagte ein EU-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Wie der britische The Guardian berichtet, könnten Millionen bestellte Impfstoffdosen in den nächsten Tagen nicht oder verspätet aus der EU nach Großbritannien geliefert werden. Das Vereinigte Königreich habe allein 40 Millionen Impfdosen bei Biontech/Pfizer bestellt.

Im Impfstoff-Streit mit AstraZeneca haben belgische Behörden auf Bitten der EU-Kommission einen Standort des Pharma-Riesen in Belgien inspiziert. Dies meldete die Nachrichtenagentur Belga. Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag zu Hintergrund und Ergebnis der Aktion allerdings nicht äußern. Laut der Nachrichtenagentur habe man prüfen wollen, ob die vom Unternehmen ankündigten Lieferverzögerungen tatsächlich mit Problemen in dem belgischen Werk zusammenhingen.

Corona-Impfungen in Deutschland: Termin für Impf-Gipfel steht fest

Update vom 28. Januar, 16.02 Uhr: Ein Termin für den Impf-Gipfel steht offenbar. Dieser soll am Montagabend stattfinden, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Berufung auf Länderkreise. Beim Impf-Gipfel soll es um den Impfstoffmangel in Deutschland gehen. Dabei solle auch ein verlässlicher Impfplan für die nächsten Monate besprochen werden.

Corona-Desaster: Neue Stiko-Empfehlung zu AstraZeneca könnte Deutschlands Impfstrategie über den Haufen werfen

Update vom 28. Januar, 14.27 Uhr: „Es liegt noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission vor“, kontert Gesundheitsminister Jens Spahn auf die Frage nach einer Änderung der Priorisierung mit Verweis auf den AstraZeneca-Impfstoff. Erst nach der Zulassung der Europäischen Impfbehörde EMA wird die Stiko eine Empfehlung offiziell aussprechen, betont Spahn. „Die Entscheidung wird erst morgen fallen.“ Zuvor hatte sich die Stiko-Empfehlung bereits über verschiedene Nachrichtenagenturen verbreitet (Update 13.51 Uhr). Dabei handle es sich laut Spahn nur um einen Entwurf.

Spahn stellte noch einmal klar, dass sich diese Entscheidung aus der Datenlage zu der Studie zu älteren Personen ergeben würde. Das habe sich schon im Herbst abgezeichnet. Der Impfstoff von AstraZeneca sei aber wirksam.

Seine Aussage zu den „zehn harten Wochen“ habe sich auf die Knappheit des Impfstoffs bezogen. Und er hätte schon immer gesagt, dass der Impfstoff im ersten Quartal knapp sein würde.

Update vom 28. Januar, 14.11 Uhr: „Wir haben gespürt, in dieser Pandemie ist das Vertrauen besonders wichtig“, betont Jens Spahn. Gemeinsames Handeln sei wichtig. Deswegen sei ein Impf-Gipfel seiner Ansicht nach förderlich.

„Wir sind noch in der schwersten Phase der Pandemie, deswegen wäre ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern wichtig“, so Spahn. Die Impfstoffproduktion sei sehr komplex. Es sei wichtig jetzt erstmal an Impfdosen zu kommen, ein Rechtsstreit mit Pharmaherstellern würde kaum helfen, erklärt Spahn.

Update vom 28. Januar, 14 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn gibt ein Statement zur Corona-Lage vor allem zum Thema FFP2-Masken in Deutschland ab. Über das Debakel zum Corona-Impfstoff oder zur Empfehlung der Stiko äußerte sich Spahn zunächst nicht. Dabei dürfte diese Empfehlung die Impfstrategie in Deutschland über den Haufen werfen.

Stiko: AstraZeneca-Impfstoff nur für unter 65-Jährige

Update vom 28. Januar, 13.51 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff nur für unter 65-Jährige. In der am Donnerstag veröffentlichten Empfehlung der Ständigen-Impfkommission des Robert-Koch-Instituts heißt es, das AstraZeneca-Präparat solle in den einzelnen Stufen, die die Priorisierung festlegen, „jeweils nur den Personen angeboten werden, die 18 bis 64 Jahre alt“., berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte es Berichte über eine geringere Wirksamkeit des Präparats gegeben. Über eine Zulassung des Impfstoffs will die EU-Arzneimittelbehörde EMA am 29. Januar (Freitag) entscheiden.

Update vom 28. Januar, 12.04 Uhr: Ein Impf-Gipfel in Deutschland wird immer konkreter. Die Bundesregierung will sich noch heute mit den Bundesländern abstimmen. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Berlin Chemie will Corona-Impfstoff in der Hauptstadt herstellen

Update vom 28. Januar, 11.58 Uhr: Das Pharmaunternehmen Berlin Chemie plant die Herstellung von Corona-Impfstoff in der Hauptstadt. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) erklärte demnach, dass die Verwaltung Gespräche mit Berlin Chemie führe. Das Unternehmen sei demnach bereit eine Impfstoffproduktion aufzubauen. Die Voraussetzungen seien gut, Personal und eine Halle vorhanden.

Update vom 28. Januar, 9.56 Uhr: „Wir brauchen einen Impfstoff-Gipfel“, forderte die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) von Rheinland-Pfalz im Gespräch mit dem ZDF heute journal. Der Bund sei für die Beschaffung der Impfstoffe zuständig, die Länder für die Verteilung, betonte Dreyer.

Corona-Impfungen in Deutschland: Spahn will Impf-Gipfel

Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt dem Druck nun nach. Ein Impf-Gipfel soll kommen. Im Norddeutschen Rundfunk (NDR) schlug Spahn am Donnerstagmorgen ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor. Ob es Impfgipfel heißen solle, lasse er dahingestellt. Inhaltlich müsse es um das weitere Vorgehen gegen die Pandemie gehen. An dem Treffen sollten auch Vertreter der Pharmahersteller teilnehmen.

Auf Twitter wiederholte Spahn seinen Vorschlag: „Wir machen eine Impf-MPK, eine extra Ministerpräsidentenkonferenz nur zum Impfen.“

Zu den Lieferengpässen bei den Corona-Impfstoffen dämpft Spahn die Hoffnung auf eine schnelle Lösung und setzt auf Kommunikation und Zusammenarbeit von Bund und Länder. „Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen. Die sollten wir mit gemeinsamem Arbeiten in der Sache verbringen. Das dürfen die Bürger von uns in dieser schweren Zeit erwarten.“

Corona-Impfungen: Biontech-Impfstoff gegen wichtigste Mutationen wirksam

Update vom 28. Januar, 9.48 Uhr: Der Impfstoff von Biontech ist wohl gegen die Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika* wirksam. Das teilt das Mainzer Unternehmen am Donnerstagmorgen mit. In-Vitro-Tests hätten gezeigt, dass die Entwicklung eines neuen Impfstoffs für diese Varianten des Coronavirus nicht notwendig sei. Die Virus-Varianten würden jedoch weiterhin auf mögliche Resistenzen gegen den Impfstoff beobachtet.

Die Unternehmen untersuchten demnach verschiedene Coronavirus-Varianten mit unterschiedlichen Mutationen. Bei der Neutralisierung der südafrikanischen Variante mit drei Mutationen traten im Vergleich zu den anderen untersuchten Varianten „geringe Unterschiede“ auf. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass diese „zu einer signifikanten Verringerung der Wirksamkeit“ des Impfstoffs führten, teilten die Unternehmen mit.

Corona-Impfstoff-Streit - Kein Druchbruch bei Krisengipfel

Update vom 28. Januar, 9.19 Uhr: Kein Durchbruch auf dem Krisengipfel. Im Impfstoffstreit zwischen Brüssel und dem Pharmakonzern AstraZeneca ist es bisher zu keiner Einigung gekommen.

Bei dem Treffen mit AstraZeneca-Chef Pascal Soriot habe ein „konstruktiver Ton“ geherrscht, schrieb EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides auf Twitter. „Wir bedauern die immer noch mangelnde Klarheit über den Fahrplan der Auslieferungen“, so Kyriakides. Die Kommission verlange von AstraZeneca einen „klaren Plan für die schnelle Lieferung der Mengen an Impfdosen, die wir für das erste Quartal reserviert haben“.

AstraZeneca hatte vergangene Woche angekündigt 60 Prozent weniger Impfstoff zu liefern als zuvor zugesagt. Es gebe Produktionsprobleme in einem Werk in Belgien. In Großbritannien produziert der Pharma-Riese an zwei Standorten und beliefert vor allem das Land selbst und andere nicht EU-Länder. Ein Punkt der Brüssel besonders stört.

Ausfuhrkontrollen für den Corona-Impfstoff aus der EU stehen zur Debatte. „Kommen die, wäre es das Ende der Impfstoff-Produktion“, so ein Pharma-Manager zu BILD.  Der Impfstoffstreit zwischen der EU und dem Pharma-Unternehmen könnte einen Handelskrieg auslösen, prophezeit das Blatt. Nicht-EU-Länder würden ihrerseits Lieferungen in die EU stoppen.

„Wir wollen keinen Impfstoff-Krieg, aber wir werden auch nicht in die Röhre schauen“, sagte CDU-Politiker Peter Liese bei t-online.de.   

Corona-Impfungen: Lauterbach widerspricht Spahn entschieden - Deutschland kann Zeitplan nicht halten

Update vom 27. Januar, 20.30 Uhr: Deutschland kann das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht einhalten, dass bis Sommer allen Impf-Willigen in der Bundesrepublik auch ein Impf-Angebot gegen das Coronavirus gemacht werden kann. Zumindest nicht, wenn es nach dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geht.

„Es ist ganz klar: Die EU hat relativ wenig Geld in die Hand genommen und spät gekauft. Die Kritik bringt ja jetzt auch nichts. Wir müssen jetzt mit dem Impfstoff klarkommen und das Beste daraus machen. Jetzt geht es darum, die Kapazitäten in Deutschland und für Deutschland und für die EU noch aufzubauen“, sagte Lauterbach bei Bild live.

Corona-Impfungen in Deutschland: Karl Lauterbach erwartet deutliche Impf-Verzögerungen

In den nächsten Monaten könnten zumindest die Hochrisikogruppen geimpft werden, erklärte Lauterbach, „und das ist ja für die Sterblichkeit in Deutschland ganz entscheidend. Ich nehme an, dass wir dann so bis September allen ein Impf-Angebot machen können. Das bedeutet dann natürlich nicht, dass jeder schon im September geimpft sein wird. Es kann sich dann noch etwas hinziehen.“ Ressortleiter Spahn vom Koalitionspartner CDU hatte dagegen rund um Weihnachten und Anfang des Jahres zum letztlich missratenen Impf-Start in Deutschland anders geklungen.

„Ich halte September für realistisch“, sagte Lauterbach auf Nachfrage der Bild und meinte weiter: „Ich möchte die Aussagen von Herrn Spahn nicht korrigieren oder kritisieren. Ich halte es für nicht darstellbar, dass wir jedem ein Impf-Angebot vor September machen können. Das ist meine persönliche Einschätzung.“

SPD-Gesundheitsexperte: Karl Lauterbach.

Update vom 27. Januar, 19.30 Uhr: Der Bombenalarm bei einem Zulieferer des Corona-Impfstoff-Herstellers AstraZeneca in Wales ist wieder aufgehoben. Das teilte das Unternehmen Wockhardt aus Wrexham mit.

Am Morgen war am Werksgelände eine „verdächtiges Paket“ gefunden worden. Dieses wurde anschließend von Sprengstoff-Experten der britischen Armee untersucht - ohne dass sich der Anfangsverdacht bestätigte.

Coronavirus-Pandemie: Corona-Impfungen in Deutschland gehen weiter nur langsam voran

Update vom 27. Januar, 17.36 Uhr: Die Produktion des AstraZeneca-Impfstoffes in einem Werk in Wales (Großbritannien) steht still. Ein verdächtiges Paket war am Mittwochmorgen am Standort des Pharmaunternehmens Wrexham eingegangen (siehe Update 14.46 Uhr). Ein Sprengstoff-Team der britischen Armee ist, laut BBC, vor Ort. Um das Gelände abzusuchen sei auch ein Roboter im Einsatz.

Update vom 27. Januar, 16.35 Uhr: Die Corona-Impfungen in Deutschland gehen voran, aber sehr langsam. 93.141 weitere Impfdosen sind am Dienstag (26. Januar), laut den Daten des Impfdashboard, verabreicht worden (Stand: 27. Januar, 14.55 Uhr). 1.672.215 Personen (2 Prozent der Gesamtbevölkerung) haben demnach bisher eine Erstimpfung erhalten und 318.674 Personen bereits eine Zweitimpfung.

Impfstoff-Zoff eskaliert: AstraZeneca-Werk teils evakuiert - verdächtiges Paket gefunden

Update vom 27. Januar, 14.46 Uhr: Ein Werk für die Produktion des AstraZeneca-Impfstoffs musste teilweise evakuiert werden. Ein verdächtiges Paket sei der Auslöser dafür, berichtet die BBC.

Die Fabrik in Wales musste demnach geräumt werden. Ein Sprengstoff-Räumkommando der Polizei sei nach BBC-Informationen zu dem Gelände der Firma Wockhardt geschickt worden. Die Polizei fordert die Bevölkerung auf, die Gegend zu meiden.

„Wockhardt UK in Wrexham hat heute Morgen ein verdächtiges Paket erhalten“ teilte das Unternehmen via Twitter mit. Die zuständigen Behörden seien informiert worden und hätten empfohlen den Standort teilweise zu räumen. Die Sicherheit der Mitarbeit und die Produktion blieben von größter Bedeutung.

Verdächtiges Päckchen bei Impfstoffhersteller von AstraZeneca entdeckt.

Corona-Impfungen in Deutschland - Gibt es Sanktionen bei Lieferverzögerungen?

Update vom 27. Januar, 13.52 Uhr: Ob das Treffen von AstraZeneca mit der EU-Kommission nun tatsächlich heute - am Mittwochabend oder morgen stattfindet - ist zunächst unklar. In Brüssel und in auch in Deutschland herrscht Empörung.

Ob es Sanktionen bei Lieferverzögerungen gibt? - Diese Frage stellte ein Journalist auf der Bundespressekonferenz in Berlin am Mittwochmittag. „Detailfragen sind bitte an die Kommission zu richten“, antwortet die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Die Vertragsverhandlungen seien auf EU-Ebene gelaufen und mit der Kommission geschlossen worden. Der Vertrag ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Die EU-Kommission hält ihn unter Verschluss, verweist auf Vertraulichkeitsklauseln. Das Europa-Parlament fordert seit Monaten Einsicht in die Akten.

Corona-Impfstoff von AstraZeneca nur für jüngere Menschen?

Zudem wartet der Corona-Impfstoff von AstraZeneca noch auf die Zulassung. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will am 29. Januar (Freitag) darüber entscheiden. Großbritannien hatte den Impfstoff schon vor einem Monat zugelassen. In Europa wird der britische Impfstoff, aber möglicherweise nur für jüngere Menschen eingesetzt, berichtet der britische The Guardian. Es lägen nicht genügend Daten vor, wie gut der AstraZeneca Corona-Impfstoff bei über 65-Jährigen funktioniere. Die EMA-Chefin Emer Cooke schloss bereits am Dienstag nicht aus, dass der Impfstoff auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte.

Diese Empfehlung könnte sich dann auf die Impfreihenfolge in Deutschland auswirken. Kürzlich war durchgesickert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Änderung erwäge (siehe auch Erstmeldung). Jedenfalls haben Spahn und RKI-Chef Wieler für Freitag (29. Januar) eine Pressekonferenz anberaumt. Zunächst ist noch unklar, ob die Priorisierung beim Impfen Thema ist.

In Deutschland sind bisher 1.921.689 Corona-Impfdosen verabreicht worden (Stand: 26. Januar 11.20 Uhr), wie aus dem sogenannten Impfdashboard des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Zum Vergleich: In Großbritannien wurden bis Dienstag 6.8 Millionen Dosen geimpft.

Impfstoff-Debakel: AstraZeneca wehrt sich gegen Vorwürfe - Wirbel um Krisentreffen 

Update vom 27. Januar, 13.16 Uhr: Jetzt doch! Das EU-Krisentreffen mit AstraZeneca findet doch statt. Das Pharmaunternehmen will an dem angesetzten Treffen am Mittwochabend teilnehmen. Dies habe die Presseabteilung des Konzerns der EU-Kommission bestätigt, hieß es am Mittwochmittag in Brüssel, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

„Wir können bestätigen, dass wir uns nicht aus den Gesprächen mit der EU-Kommission zurückgezogen haben, die für heute geplant sind“, erklärte ein AstraZeneca-Sprecher demnach auf Anfrage.

Zuvor habe das Management des Unternehmens per Mail abgesagt und erklärt, ein Treffen habe derzeit wegen der vielen offenen Fragen keinen Sinn. Man sei erfreut über die neue Entwicklung, hieß es aus Kommissionskreisen.

Update vom 27. Januar, 12.40 Uhr: Treffen geplatzt! AstraZeneca sagt Krisentreffen mit der Europäischen Union ab (siehe auch Update vom 27. Januar, 11.36 Uhr). Der Pharmakonzern habe abgesagt, hieß es aus EU-Kreisen. Die Kommission und die 27 Staaten hatten das Treffen mit AstraZeneca auf Expertenebene für den Mittwochabend einberufen. Der Streit zwischen dem britisch-schwedischen Hersteller über die Lieferkürzungen eskaliert. Hintergrund: Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 ankommen.

Corona-Impfstoffstreit in Deutschland: AstraZeneca-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

Update vom 27. Januar, 11.36 Uhr: Tempo ist beim Thema Impfen angesagt. Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca steht in der Europäischen Union kurz vor der Zulassung, aber kündigt bereits davor Lieferengpässe an. Eine weitere Hiobsbotschaft! In Großbritannien wird der Impfstoff jedoch weiter geimpft (Notfallzulassung am 30. Dezember 2020). Dort läuft alles nach Plan.

AstraZeneca und die EU streiten offen. In einem Welt-Interview wehrt sich Unternehmenschef Pascal Soriot entschieden gegen Vorwürfe.

Er sagte der Welt: „Sobald wir in den nächsten Tagen die Zulassung erhalten, liefern wir drei Millionen Dosen. Dann jede Woche mehr, bis wir bei 17 Millionen sind. Die werden nach Bevölkerungszahl verteilt, für Deutschland mithin ungefähr drei Millionen in einem Monat. Das ist gar nicht so schlecht, vor allem für Menschen, die ein besonders hohes Risiko haben.“

Corona-Impfstoff für die EU: „Nicht vertraglich verpflichtet“ - Astrazeneca-Chef Soriot

AstraZeneca-Chef Soriot sagte in dem Interview, sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Vielmehr habe man nur einen „best effort“ zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen. Ein geplantes Treffen für Mittwoch sagte das Pharma-Unternehmen AstraZeneca kurzfristig ab. Das sagte ein EU-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Zur Begründung des britisch-schwedischen Herstellers machte er zunächst keine Angaben.

Corona-Impfstoff-Debakel: AstraZeneca-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe der Europäischen Kommission (Archivfoto).

Corona-Impfungen in Deutschland: Sanofi will Biontech-Pfizer-Impfstoff produzieren

Erstmeldung vom 27. Januar 2021:

München - Beim französischen Pharmakonzern Sanofi war die Corona-Impfstoff-Entwicklung in Stocken gekommen. Jetzt geht das Unternehmen in der Corona-Pandemie einen ungewöhnlichen Schritt und will für Biontech mehr als 125 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs produzieren. Corona-Impfstoff für die Europäische Union. Sanofi wolle dem Mainzer Unternehmen Biontech Zugang zu seiner Produktionsinfrastruktur gewähren, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Auf eine Kooperation mit dem Wettbewerber hatte die französische Regierung vor kurzem gedrängt, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Pharmakonzern Sanofi ist einer der größten Player der Welt. Zur Weiterentwicklung eines Corona-Impfstoffes hat Sanofi und GlaxoSmithKline (GSK) im Frühjahr 2019 mit der US-Regierung einen Milliardendeal (1,8 Milliarden Euro) abgeschlossen. Auch die EU-Kommission hat sich bei Sanofi 300 Millionen Dosen eines potenziellen Impfstoffs reserviert.

Verfügbare Impfstoffe in Deutschland (Stand 27. Januar)

BioNTech seit 26. Dezember 2020 - Wirksamkeit von circa 95 Prozent

Moderna seit 14. Januar 2021 - Wirksamkeit von circa 95 Prozent

AstraZeneca soll am 29. Januar in der EU zugelassen werden - Wirksamkeit bei nur etwa 60 Prozent

Der Pharmagigant Sanofi hatte im Sommer 2020 einen Stellenabbau von rund 1700 Arbeitsplätzen angekündigt. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 100.000 Mitarbeiter. 1000 Stellen sollten jedoch in Frankreich abgebaut werden. Auch an seinem Standort in Frankfurt sollten hunderte Stellen wegfallen, heiß es im Sommer. Deutschland sei von dem Schrumpfkurs besonders betroffen, beklagte der Betriebsrat.

Corona-Impfstoff: Die Zentrale von Biontech und Sanofi-Produktionsstätte in Mainz und Frankfurt

Ziel sei es, „Fertigungsschritte der späten Phase“ zu übernehmen, um die Lieferung des Covid-19-Impfstoffs zu unterstützen. Die ersten Lieferungen sollen im Sommer 2021 aus den Produktionsanlagen von Sanofi in Frankfurt geliefert werden.

Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte sich dazu bereits am Dienstag geäußert. Er sprach im Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro konkret davon, beim Abfüllen des Impfstoffes helfen zu wollen. Dies müsse in einer sterilen Umgebung und bei einer sehr niedrigen Temperatur erfolgen, sagte er.

Da die Sanofi-Produktionsstätte in Frankfurt nahe des Biontech-Hauptsitzes in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern. „Wir sollten in der Lage sein, bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zu liefern, die für die Europäische Union und damit teilweise für Frankreich bestimmt sind“, hatte er in dem Gespräch erklärt.

Gleichzeitig will das Unternehmen weiter an seinen beiden Covid-19-Impfstoffen arbeiten. Die Corona-Impfstoffentwicklung von Sanofi und dem britischen Pharmakonzern GSK (GlaxoSmithKline) hatte sich zuletzt verzögert. Sollten weitere Studien erfolgreich sein, rechnet Sanofi mit einer Zulassung des rekombinanten Impfstoffs auf Proteinbasis etwa Ende 2021. Gleichzeitig entwickelt Sanofi in Partnerschaft mit der US-Firma Translate Bio einen mRNA-Impfstoff. „An Aufgeben ist nicht zu denken“, sagte Hudson „Le Figaro“.

Corona-Impfungen in Deutschland: Änderung der Impf-Strategie?

In Deutschland werden Menschen nach priorisierten Gruppen geimpft. Das regelt die Impf-Verordnung, solange nicht genügend Impfstoff zur Verfügung* steht (siehe Liste unten). Wann bekomme ich einen Impftermin? Ist für viele eine wichtige Frage.

Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, erwägt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt eine Neuordnung der Impfreihenfolge in Deutschland. Hintergrund seien angebliche Bedenken, dass der hierzulande erwartete Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca bei über 65-Jährigen geringer wirken könnte.

Sollte die europäische Arzneimittelbehörde EMA am Freitag tatsächlich die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin lediglich für Menschen unter 65 Jahren empfehlen, könnte Spahn die Impfprioritäten ändern – und die Impfung für jüngere Menschen zugänglich machen. Übrigens: Hier finden Sie unseren News-Ticker Corona in Deutschland.

  • Gruppe 1: Menschen mit höchster Priorität werden seit dem 27. Dezember 2020 geimpft.
    Nach der Impf-Verordnung werden zuerst die über 80-Jährigen sowie die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen und Einrichtungen für geistig Behinderte geimpft. Auch das Personal dieser Häuser sowie Menschen, die einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, gehören zu der ersten Gruppe.
  • Gruppe 2: Hohe Priorität haben über 70-Jährige, Personen mit Trisomie 21, mit Demenz oder geistiger Behinderung, nach einer Organtransplantation. Sowie auch Menschen in ambulanten Pflegediensten. Ärzt:innen und medizinisches Personal. Polizei- und Ordnungskräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • Gruppe 3: Erhöhte Priorität - Personen, die mindestens 60 Jahre alt sind; Personen, die medizinisch vorbelastet sind, etwa mit einer HIV-Infektion, Diabetes mellitus oder Krebserkrankungen; Personal in Kitas, Schulen und im Einzelhandel; Personal mit relevanter Position etwa aus dem Apothekenwesen, in der Wasser- und Energieversorgung oder im Telekommunikationswesen; Personal mit relevanter Position etwa in Regierungen, Justiz oder Polizei und Feuerwehr

(ml /dpa/AFP)*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: ©  Bernd von Jutrczenka/dpa

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