Fallzahlen steigen

Baden-Württemberg ruft höchste Corona-Alarmstufe aus - Innenminister in Quarantäne

Baden-Württemberg hat die höchste Corona-Alarmstufe ausgerufen. Die Maßnahmen sollen verschärft werden. Ministerpräsident Kretschmann appelliert an die Bürger.

  • Baden-Württemberg ruft die höchste Corona-Alarmstufe aus.
  • Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sollen verschärft werden.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 20. Oktober, 16.45 Uhr: In Baden-Württemberg hat sich das nächste Mitglied der Landesregierung in Quarantäne begeben. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) entschloss sich wie zuvor ihr Parteikollege, Innenminister Thomas Strobl, zu diesem Schritt.

Unterdessen fiel ein erster Corona-Test bei der Ministerin negativ aus, wie eine Sprecherin von Hoffmeister-Kraut am Dienstagnachmittag offiziell verlauten ließ. Die Mitarbeiterin des Wirtschaftsministeriums gab an, Hoffmeister-Kraut habe sich bereits am Montag freiwillig in Quarantäne begeben, da drei Mitarbeiter im Ministerium positiv auf das Virus getestet worden
waren. Aktuell zeige die Wirtschaftsministerin keine Symptome, sie will aber bis Freitag in Quarantäne bleiben.

Baden-Württemberg ruft höchste Corona-Alarmstufe aus - Innenminister in Quarantäne

Update vom 17. Oktober, 20.40 Uhr: Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) befindet sich seit Samstag vorsorglich in Quarantäne, nachdem ein Beamter aus seinem Personenschutzkommando positiv auf das Coronavirus getestet wurde. „Es geht ihm gut und er ist voll arbeitsfähig“, erklärte ein Sprecher über Strobl,, der momentan auch keine Symptome zeigt. Das Ergebnis eines ersten Corona-Tests steht noch aus.

Im Vergleich zum Freitag wurden in Baden-Württemberg 725 Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 registriert. Damit steigt die Gesamtzahl der Fälle des Bundeslands auf 59.365. Bezogen auf die 7-Tages-Inzidenz gilt Heilbronn mit einem Warnwert von 82,9 als Hotspot .

Baden-Württemberg ruft höchste Corona-Alarmstufe aus - „Damit nicht alles aus dem Ruder läuft“

Erstmeldung vom 17. Oktober:

Stuttgart - Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen ruft Baden-Württemberg die höchste Corona-Alarmstufe aus. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie eine verschärfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und zusätzliche Kontaktbeschränkungen sollen am Montag in Kraft treten. Das teilte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung mit.

Man müsse aufgrund der Geschwindigkeit, mit der sich die Pandemie entwickele, die Maßnahmen verschärfen, sagte Kretschmann. Die Menschen sollten unnötige Reisen und Kontakte vermeiden. „Das ist das Gebot der Stunde, damit nicht alles aus dem Ruder läuft.“ In ganz Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen. Am Samstag wurde ein Rekordwert von 7830 Neuinfektionen gemeldet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sah sich daher veranlasst, sich mit einer Video-Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger zu wenden.

Corona in Baden-Württemberg: Höchste Pandemiestufe ausgerufen

Die Pandemiestufe 3 bedeutet den Eintritt in die „kritische Phase“. Die beginnt insbesondere dann, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche die Grenze von 35 überschreitet. Das ist im Südwesten seit vergangenem Donnerstag der Fall. Am Freitag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 42,2.

Kretschmann hatte die Ausrufung der dritten und höchsten Stufe bereits in Aussicht gestellt. Klar ist zudem bereits, dass ab Montag die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auch im Unterricht gilt. Bislang galt sie dort nur auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. An Grundschulen müssen weiterhin keine Masken getragen werden. Im Corona-Hotspot Stuttgart gilt bereits eine Maskenpflicht im Unterricht.

Corona in Baden-Württemberg: Sieben-Tage-Inzidenz für Alarm-System-Einstufung entscheidend

Das dreistufige Alarm-System hatte die Landesregierung im September eingeführt. Entscheidend für die Einstufung ist die Sieben-Tage-Inzidenz*. Aber auch andere Faktoren spielen bei der Bewertung eine Rolle, etwa die absoluten Infektionszahlen, die Zahl der Tests oder der Reproduktionswert (R-Wert)*, der angibt, wie viele Menschen ein Erkrankter im Schnitt mit dem Virus ansteckt.

Vor gut eineinhalb Wochen war die „Anstiegsphase“ ausgerufen worden, in der Ausbrüche zunehmen, Landkreisgrenzen überschreiten und zunehmend nicht mehr nachzuvollziehen sind. Diese Stufe 2 wurde begleitet von verschärften Kontrollen und Appellen.

Corona in Baden-Württemberg: Landesweite Maskenpflicht im Unterricht

Die dritte, kritische Phase beinhaltet weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens - unter anderem die landesweite Maskenpflicht im Unterricht. Sie gilt vor allem ab einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Fällen auf 100.000 Einwohner. Die dritte Phase zeichnet sich durch einen starken, möglicherweise exponentiellen Anstieg der Fallzahlen mit diffusen, häufig nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten aus.

Nach dem Konzept der Landesregierung soll dann im Einzelhandel die Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle eingeschränkt werden. In der Gastronomie könnte der Ausschank von Alkohol eingeschränkt, eine Reservierungspflicht eingeführt und der Betrieb auf Außenbereiche beschränkt werden. Veranstaltungen und Kontaktmöglichkeiten sollen eingeschränkt, Hygienemaßnahmen sowie Sanktionen bei Verstößen ausgeweitet werden. Die Regelversorgung in Krankenhäusern soll auf das Nötigste beschränkt werden. Mit diesen Maßnahmen soll ein allgemeiner Lockdown - die Schließung von Schulen und Betrieben - möglichst vermieden werden. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

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