Proteste in vielen Städten

Brasilien im Corona-Chaos: Zweiter Gesundheitsminister in der Krise wirft hin - wegen Bolsonaro

Steht das Brasilien vor dem Corona-Kollaps? Präsident Jair Bolsonaro verschliss bereit zwei Gesundheitsminister in der Krise.

  • Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält weiterhin nicht viel von Maßnahmen gegen das Coronavirus*.
  • Das Virus breitet sich schnell im größten Land Südamerikas aus - bereits über 212.198  Menschen sind bereits infiziert.
  • Bereits 14.267 Personen verstarben an den Folgen der Pandemie (Stand 15. Mai, 22 Uhr). Es wird wohl nicht dabei bleiben.
  • Der neue Gesundheitsminister Brasiliens trat nach weniger als einem Monat zurück - wegen Bolsonaro.

Update vom 15. Mai 2020: Brasilien steckt mit mehr als 212.000 Infektionen und 14.267 Todesfällen tief in der Corona-Krise, doch der Blick in die Zukunft verspricht nichts Positives. Der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro schaffte es, den zweiten Gesundheitsminister während der Krise zu verschleißen. Nelson Teich trat am Freitag nach weniger als einem Monat von seinem Amt zurück

Corona in Brasilien: Wegen Bolsonaro - Zweiter Krisen-Gesundheitsminister wirft das Handtuch

Teichs VorgängerLuiz Henrique Mandetta wurde Mitte April nach einer Meinungsverschiedenheit über den Corona-Kurs entlassen. Einen Tag nach der Entlassung wurde Onkologe Nelson Teich vorgestellt. Doch nach kurzer Zeit gab es bereits Differenzen zwischen ihm und Bolsonaro. Als Grund für den Rücktritt gibt das Gesundheitsministerium an, die beiden Politiker seien „mit Blick auf bestimmte Vorgehensweisen“ uneins gewesen.

Bolsonaro erklärte vergangene Woche ohne Absprache mit dem Gesundheitsministerium Fitnessstudios und Schönheitssalons zu lebensnotwendigen Bereichen, die in der Krise öffnen dürfen. Aussagen des umstrittenen Präsidenten zum Einsatz des Malaria-Mittels Cloroquin gegen das Coronavirus sollen das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Der Rücktritt des neuen Ministers löste in einigen Städten Proteste aus, Menschen schlugen an Fenstern und Balkonen auf ihre Kochtöpfe und riefen „Hau ab, Bolsonaro!“. Der Präsident steht aufgrund der fatalen Infektionszahlen unter Druck, jedoch hält er nach wie vor nichts von Ausgangssperren und anderen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Brasilianische Experten weisen darauf hin, dass die Testkapazitäten im größten Land Lateinamerikas äußerst begrenzt sind. Die Dunkelziffer der Infektionen wird um ein 15-faches höher geschätzt.

Corona in Brasilien: System im Lateinamerikanischen Land kollabiert

Rio de Janeiro - Seit etwas mehr als zwei Monaten ist das Coronavirus* auch in Brasilien angekommen und bestimmt dort seither den Alltag. Am 26. Februar wurde eine Person erstmals positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet, seitdem gab es jeden Tag neue Schreckenszahlen. 

Nicht nur aufgrund der zunehmenden Infektionen, sondern auch angesichts der Misswirtschaft kommen Kliniken und Friedhöfe an ihre Grenzen. Das System in Brasilien kollabiert derzeit - auch, weil Präsident Jair Bolsonaro das Problem in den letzten Wochen konsequent verharmloste.

Neben dem schlimmen Ausmaß der Corona-Pandemie hat Brasilien auch mit Korruption auf höchster politischer Ebene zu kämpfen. Ein Video enthüllt Unglaubliches über Jair Bolsonaro.

Corona in Brasilien: Proteste in der Bevölkerung steigen - Heftige Vorwürfe gegen die WHO

Das Staatsoberhaupt scheint nicht viel von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu halten und fordert eine Rückkehr zur Normalität. Einen Paukenschlag gab es Mitte April, als Bolsonaro seinen Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta nach einem Streit über den Umgang mit der Pandemie entließ. Mandetta hatte eine strengere Linie zum Schutz vor Infektionen* gefordert. Die Entlassung sorgte in Teilen der Bevölkerung für Proteste, der Unmut gegen den Präsidenten wird zunehmend größer. 

Doch Bolsonaro scheint einfach weiter gegen den Strom schwimmen zu wollen und stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit heftigen wie provokanten Äußerungen infrage. Die WHO ermutige, so Bolsonaro, kleine Kinder zu Homosexualität und zur Masturbation, schrieb er am Ende April auf Facebook. Später wurde der Beitrag jedoch entfernt, doch die Aussagen waren bereits getätigt. „Dies ist die Weltgesundheitsorganisation, deren Empfehlungen zum Coronavirus* ich aus Sicht einiger Leute folgen soll“, sagte der Präsident. Ohne jegliche Art von Belegen für seine Behauptungen zu nennen, behauptete Bolsonaro, die Organisation empfehle „Masturbation in früher Kindheit“ sowie „gleichgeschlechtliche Beziehungen“.

Corona in Brasilien: Bolsonaro greift WHO mit fragwürdigen Mitteln an - und lehnt Distanzierung ab

Als Grundlage für die Aussagen diente Bolsonaro wohl das 2010 gemeinsam vom WHO-Regionalbüro für Europa und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlichte Rahmenkonzept „Standards für die Sexualaufklärung in Europa“, das Experten, politischen Entscheidungsträgern sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen Empfehlungen für die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen gibt. Die Aussagen dürften im Zusammengang zu Bolsonaros Haltung in der Corona-Krise* stehen, er lehnt die von der WHO empfohlenen Richtlinien zur sozialen Distanzierung ab.

Die Gouverneure bestimmen jedoch über die Ausgangsbeschränkungen. In Rio de Janeiro gilt beispielsweise eine Beschränkung bis 11. Mai, in denen Schulen, Universitäten sowie Kulturzentren geschlossen bleiben.

Corona in Brasilien: Platz neun der am schwersten betroffenen Länder

Seit Montag sollte den Einwohnern des größten lateinamerikanischen Landes noch bewusster sein, dass strenge Maßnahmen benötigt werden. Denn die Infektionszahl sprengte eine beunruhigende Marke und liegt nun über 100.000. Dies stellte das Gesundheitsministerium in Brasilia erstmals fest, laut Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore liegt die Zahl der positiv getesteten Personen bei 116.299 (Stand 6. Mai, 15.30 Uhr). Damit liegt Brasilien im weltweiten Vergleich der absoluten Zahlen auf dem neunten Platz und ist damit eines der am schwersten mit dem Virus betroffenen Länder der Welt.

Allerdings dürfte die Dunkelziffer der Infizierten noch weit höher liegen, da Ergebnisse aus den Laboren ausstehen und die Test-Kapazitäten äußerst beschränkt sind. Bis zum 6. Mai wurden 7966 Todesfälle in Verbindung mit dem neuartigen Virus* bestätigt. 

Corona in Brasilien: Rio de Janeiro und die Kirche senden wichtiges Zeichen

In Rio de Janeiro gilt im öffentlichen Raum eine Maskenpflicht*, die besonders in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln gilt, jedoch sind auf den Straßen nur wenige Menschen mit Masken zu sehen. Rios Bürgermeister Marcelo Crivella sowie Gouverneur des Staates Wilson Witzel setzen sich für die Umsetzung der Beschränkungen ein. Bolsonaro, der sich weigerte, die Ergebnisse seines Corona-Tests zu nennen, zeigt sich hingegen fast täglich ohne Maske in der Öffentlichkeit und verstärkt den Protest der Maßnahmen-Kritiker in Brasilien.

Die Christusstatue in Rio de Janeiro zeigt Flagge - wenige Brasilianer zeigen sich mit Mundschutz

Die 710 Meter hohe Christusstatue in Rio de Janeiro, die aufgrund ihres Symbolcharakters jedes Jahr zwei Millionen Besucher anzieht, sieht nun mit Mundschutz auf die Stadt herab. Die Statue ist Eigentum der katholischen Kirche.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Eraldo Peres

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Rund 50 Sekunden im freien Fall - "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl"
Rund 50 Sekunden im freien Fall - "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl"
Das kulturelle Leben in Herten startet wieder - Veranstaltungen am Wochenende
Das kulturelle Leben in Herten startet wieder - Veranstaltungen am Wochenende
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl wieder rückläufig
Derzeitiger R-Wert: Reproduktionszahl wieder rückläufig
Freizeitpark "FunDomio" an der Westfalenhalle in Dortmund: Maskenpflicht im Riesenrad und Abstandsregeln in Achterbahn
Freizeitpark "FunDomio" an der Westfalenhalle in Dortmund: Maskenpflicht im Riesenrad und Abstandsregeln in Achterbahn
Video
Bewässerungswagen fährt durch Datteln | cityInfo.TV
Bewässerungswagen fährt durch Datteln | cityInfo.TV

Kommentare