Rätsel um Covid-19 gelöst?

Erstaunliche Erkenntnis: Darum erkranken Männer schwerer an einer Coronavirus-Infektion

Eine Corona-Infektion kann völlig unterschiedliche Verläufe zeigen. Männer müssen sich wegen Covid-19 oft in der Klinik behandeln lassen. Forscher haben jetzt einen verblüffenden Hinweis gefunden.

  • Seit Beginn der Coronavirus*-Pandemie versuchen Forscher auf der ganzen Welt, alles über das Virus Sars-CoV-2 herauszufinden.
  • Warum Männer häufiger schwer als Frauen an Covid-19 erkranken, lässt Forscher seit längerem rätseln.
  • Wissenschaftler haben jetzt einen weiteren Hinweis gefunden.

München - Covid-19 hat die Welt auf den Kopf gestellt. Aus der Wissenschaft gibt es fast täglich neue Erkenntnisse zum Coronavirus. Ein Theme dabei: Schon zu Beginn der Corona-Pandemie waren auffallend häufig Männer von Covid-19 betroffen. Zudem schien es, als erkrankten Männer schwerer an einer Coronavirus-Infektion als Frauen.

Die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Fallzahlen in China versuchten Forscher damit zu erklären, dass vor allem Raucher unter den schweren Corona-Fällen zu finden waren - in China rauchten vor allem Männer, hieß es. Warum jedoch Männer häufiger ins Krankenhaus eingeliefert werden und auch häufiger an Covid-19 sterben als Frauen, stellte die Fachwelt vor ein Rätsel.

US-Forscher haben nun genauer hingesehen und das Immunsystem von infizierten Männern und Frauen untersucht. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie das Immunsystem auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 reagiert. Dabei stellten die Forscher einen Unterschied in der typischen Immunantwort bei den weiblichen und männlichen Teilnehmern fest. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied könnte nach Ansicht der Forscher ein wichtiger Hinweis sein. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht. Die Gruppe der Probanden waren demnach im Durchschnitt um die 60 Jahre alt und umfasste 50 Frauen und 50 Männer.

Covid-19: So unterschiedlich reagieren Frauen und Männer auf eine Coronavirus-Infektion

  • Frauen reagierten stärker auf eine Coronavirus-Infektion mit Immunzellen, die als T-Zellen bekannt sind. Diese T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die neben Antikörpern eine wichtige Rolle im menschlichen Immunsystem spielen. Sie werden T-Zellen genannt, weil sie im Thymus ausreifen. So gibt es T-Zellen, die Körperzellen, die von einem Virus infiziert wurden, erkennen und abtöten können. Andere aktivieren sogenannte B-Zellen, die Abwehrstoffe, Antikörper, bilden.
  • Bei den Männern stellten die Forscher nach einer Corona-Infektion einen höheren Gehalt von Zytokinen fest. Zytokine sind Proteine, die im Blut auf bestimmte Entzündungen hinweisen. Sie funktionieren als Botenstoffe und locken andere Immunzellen zu den Entzündungsherden. Bei einer Überreaktion der Immunabwehr wird jedoch zu viel Zytokin gebildet. Dadurch werden dann auch viele gesunde Zellen markiert und zerstört. Die Forscher beobachteten zudem eine schwächere Abwehr durch T-Zellen.

Die Forscher stellten zudem fest, dass bei männlichen Patienten ein schwerer Krankheitsverlauf mit einer schlechten Immunantwort der T-Zellen verbunden war und diese auch im Alter abnimmt. Die Ergebnisse sind, laut den Wissenschaftlern, eine mögliche Erklärung für den unterschiedlichen Krankheitsverlauf zwischen Männern und Frauen. Es sei deswegen wichtig, das bei der Behandlung von Patienten zu berücksichtigen.

Sind Männer anfälliger für das Coronavirus als Frauen? In einer europäischen Studie hatten Forscher einen Hinweis darauf gefunden: Analysen zeigten, dass Blut von Männern im Vergleich zu Frauen einen höheren Wert eines Schlüsselenzyms namens ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme 2) aufweist. Das Coronavirus Sars-CoV-2 nutzt das Enzym ACE2, als Rezeptor um in eine Wirtszelle einzudringen und sich dann zu replizieren, also zu vervielfältigen. Das Enzym ACE2 ist vor allem in der Lunge, aber auch am Herzen, im Darm zu finden. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Eine Studie aus New York macht Hoffnung bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Wie die US-Mediziner im „Journal of the American College of Cardiology“ berichten, konnte durch die Studie mit knapp 4000 Teilnehmern ermittelt werden, dass Blutverdünner bei Covid-19-Patienten das Sterberisiko deutlich senken.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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