Coronavirus-Pandemie: So verbreitete sich Sars-CoV-2 in der Welt.
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Coronavirus-Pandemie: So verbreitete sich Sars-CoV-2 in der Welt.

Mutationen 

Coronavirus-Spurensuche birgt Überraschungen: So breitete sich der Erreger weltweit aus

Das Coronavirus hat sich rasant schon fast auf der ganzen Welt verbreitet. Forscher haben nun den Weg und den Ursprung des neuartigen Sars-CoV-2 verfolgt. Das Ergebnis ist verblüffend.

Kiel - Wie hat sich das Sars-CoV-2 von China auf andere Kontinente in die ganze Welt verbreitet? Diese Frage beschäftigt Forscher seit Anbeginn des Coronavirus-Ausbruchs in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan.
War der Weg des Sars-CoV-2 von China in die Welt, anders als bislang vermutet? Wissenschaftler konnten in mehreren Fällen Infektionswege rekonstruieren und haben so herausgefunden, wie beispielsweise das Virus über Deutschland und Singapur nach Italien gelangt*.

Die Erkenntnisse wurden im Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States) veröffentlicht und zeigen, dass sich in Europa und Amerika andere Virus-Typen verbreiten haben als in China. Auch das Deutsche Ärzteblatt berichtet über die Studie.

Video: Universität Oxford kündigt Corona-Impfstoff im Herbst an

Coronavirus: So breitete sich das Sars-CoV-2 in der Welt aus

An der Analyse waren Forscher und Forscherinnen der Genetik und Archäologie aus Deutschland und Cambridge (Großbritannien) beteiligt, teilt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in einer Pressemitteilung mit. Dabei untersuchten die Wissenschaftler unterschiedlichste Proben von menschlichen Sars-CoV-2-Genomen - die Virus-Erbinformation -  mit einer ganz besonderen Methode. Und zwar nahmen sie die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse von 160 menschlichen Covid-19-Viren unter die Lupe. Zu dieser phylogenetischen Netzwerkanalyse gehörten Covid-19-Viren, die zu Beginn des Ausbruchs bis März 2020 weltweit in Laboren gesammelt worden waren. 

Mutationen des Coronavirus: Forscher finden drei zentrale Varianten A, B und C

Die Wissenschaftler fanden drei zentrale Varianten, die sie als A, B und C bezeichneten. Die Viren sind eng miteinander verwandt, lassen sich jedoch anhand von Mutationen unterscheiden. Aus Typ A hat sich schon bald Typ B entwickelt. Eine weitere Mutation führte dazu, dass auf Typ B der Typ C entstand.

  • Mit Typ A identifizierten die Forscher die Variante des menschlichen Coronavirus, die dem Fledermaus-Coronavirus am ähnlichsten ist und somit wahrscheinlich der Urahn aller menschlichen Coronaviren.
  • Im Epizentrum des Corona-Ausbruchs in Wuhan ist dieser Virus-Typ A durchaus zu finden, doch interessanterweise herrsche Typ B dort vor. B-Typ ist in Ostasien der häufigste Typ.
  • In der ersten Phase des Coronavirus-Ausbruchs gelangten dagegen sie Typen A- und C nach Europa, Australien und Amerika.
  • Der Typ-C wurde früh in Singapur dokumentiert und verursachte viele der ersten Covid-19-Infektionen in Europa. 
Coronavirus - Mikroskopische Aufnahme

Coronavirus: Globale Infektionskette lässt sich genau verfolgen 

Die Forscher sind überzeugt, dass mit dieser Methode die Infektionswege für dokumentierte Covis-19-Fälle genau nachgezeichnet werden könnte. Das phylogenetische Netzwerk erkläre beispielsweise, warum die Suche nach „Patient Null“* in einer Sackgasse landete und sich das Coronavirus ungehindert in Italien ausbreiten konnte. 

Ursprünglich war angenommen worden, dass sich der italienische „Patient Null“ - der erste Infektionsfall in Norditalien - bei einer Kontaktperson in Wuhan angesteckt hatte. Allerdings wurde diese Kontaktperson negativ getestet.

Das phylogenetische Netzwerk weist nun auf mindestens zwei unabhängige frühe Infektionswege in Italien hin. Eine Spur führt zu einem Angestellten des Automobilzulieferers Webasto in Gauting bei München. Die andere Spur stellt den Ausbruch mit einem sogenannten „Singapur-Zweig“ in Zusammenhang - damit wird eine These zu Patient Null wieder relevant, die schon abgestritten worden war.

Coronavirus auf Reise - Patient hinterlässt Virusspur

In einer Grafik (s.u) ist zu sehen, wie ein Patient aus Ontario (Kanada) sich im phylogenetischen Netzwerk Cluster B befindet. Dieser Patient war von Wuhan in Zentralchina nach Guangdong in Südchina gereist und kehrte dann nach Kanada zurück. Am 27. Januar wurde bei ihm Covid-19 diagnostiziert. In der Stammbaum-Analyse ließen sich zwei „Ahnenknoten“ in Foshan und Shenzhen (beide in der Provinz Guangdong) ableiten.

Ein Virus auf Reise: Das Virus des Ontario-Patienten befindet sich im phylogenetischen Netzwerk Cluster B.

  

 

 
  

Derzeit beherrschen tägliche Zahlen über Infizierte und Tote die Nachrichten. US-Wissenschaftler haben nun versucht, in die Zukunft zu schauen und Prognosen zu Todeszahlen* aufzustellen.

*Hinweis der Redaktion: Der Text wurde nachträglich geändert.

      

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

    

ml

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