Zweifel an offiziellen Fallzahlen

Corona-„Tsunami“ bricht über Türkei herein: Ärzte schlagen Alarm - Erdogan mit heftigen Regelverschärfungen

Die Türkei verschärft die Corona-Ausgangssperren. Die türkische Ärztevereinigung spricht indes sogar von einem „Corona-Tsunami“.

  • Die Corona-Krise trifft auch die Türkei* hart.
  • Präsident Erdogan wird nun die Corona-Maßnahmen verschärfen.
  • Ärzte sprechen von einem „Corona*-Tsunami“.

Istanbul - Die Corona-Zahlen steigen in der Türkei dramatisch. Präsident* Recep Tayyip Erdogan hat strikte Ausgangssperren ab Dienstag (1. Dezember) verhängt. Ein kompletter Lockdown inklusive Ausgangsbeschränkungen am Tag soll am Wochenende gelten, kündigte Erdogan am Montag an.

Der „beispiellose Anstieg“ bei den Corona-Fallzahlen „überall in der Welt“ wirke sich leider auch auf die Türkei aus, sagte Erdogan*. Das einzige Heilmittel bestehe darin, die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die Regierung forderte die Menschen auf, die Vorschriften einzuhalten. Bereits vergangene Woche hatte Gesundheitsminister Fahrettin Koca betont, es handele sich „nicht um eine persönliche Wahl, sondern um eine Notwendigkeit“.

Türkei verschärft Corona-Einschränkungen

  • Eine nächtliche Ausgangssperre gilt jetzt auch unter der Woche von 21 bis 5 Uhr morgens.
  • Über das kommende Wochenende gilt ein kompletter Lockdown. Es wurde eine Ausgangssperre von Freitag (ab 21 Uhr) bis Montag (bis 5 Uhr) verhängt.
  • Ältere Menschen ab 65 Jahren und Jüngere unter 20 Jahren dürften keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. Es würden zudem keine Neujahrsfeiern abgehalten, sagte Erdogan.
  • An Beerdigungen dürften nur bis zu 30 Personen teilnehmen.

Coronavirus in der Türkei - Zweifel an den öffentlichen Zahlen

Die Infektionszahlen steigen in der Türkei massiv: Am Montag (30. November) meldeten die Gesundheitsbehörden mehr als 31.000 neue Corona-Infizierte und 188 Todesfälle. Die Türkische Ärztevereinigung (TTB) zweifelt die Zahlen der Regierung an und geht von täglich mindestens 50.000 neuen Fällen aus

Die Vereinigung warnte erneut, dass staatliche Krankenhäuser voll belegt seien. Die Angabe der Regierung, dass nur rund 70 Prozent der Intensivbetten belegt seien, widerspreche den Erhebungen der TTB, heißt es in einer Erklärung.

Türkei von Corona-„Tsunami“ überrollt

„Patienten warten manchmal tagelang auf ein Bett auf einer Intensivstation.“ In manchen Provinzen würden Patienten auf den Korridoren oder Kantinen behandelt, es sei aber nicht ausreichend Personal und Ausstattung vorhanden, um sie zu versorgen. Das Land erlebe zurzeit einen „Corona-Tsunami“, vor dem die TTB seit Monaten gewarnt habe.

Die Regierung müsse mehr Plätze in privaten und Stiftungskrankenhäusern für Covid-Patienten zur Verfügung zu stellen, forderte die TTB. Zwar seien private Kliniken zu Pandemiekrankenhäusern erklärt worden. Diese gingen aber selektiv vor und seien mit hohen Kosten für den Patienten verbunden.

Seit Pandemie-Beginn haben sich in der Türkei 638.847 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert, 13.746 Infizierte starben, laut Daten der Johns-Hopkins-University (JHU). Die türkische Regierung hatte vergangene Woche erstmals seit Monaten die vollständigen Fallzahlen der täglich positiv auf das Coronavirus getesteten Personen im Land bekannt gegeben. Zuvor war seit Ende Juli nur die tägliche Zahl der Infizierten mit Symptomen veröffentlicht worden. (ml mit Material von AFP und dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/XinHua/Mustafa Kaya

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