Coronavirus dürfe nicht als Vorwand dienen

Massiver Stellenabbau bei Airbus: 6000 Jobs in Deutschland betroffen - IG-Metall schlägt Alarm

Der Flugzeugbauer Airbus will im großen Stil Stellen abbauen. Grund dafür ist die Corona-Krise. Deutschland ist massiv betroffen, und IG Metall schlägt nun Alarm.

  • Die Luftfahrt steckt auch wegen des Coronavirus* in der Krise.
  • Flugzeugbauer Airbus reagiert nun mit einem massiven Stellenabbau.
  • Weltweit sollen 15.000 Stellen wegfallen. Dabei trifft es die deutschen Standorte besonders hart. 

Update vom 1. Juli, 9.27 Uhr: Die Stellenstreichungen beim Flugzeugbauer Airbus treffen Deutschland laut aktuellen Informationen der Deutschen Presse-Agentur besonders hart. Hierzulande sollen 5100 Stellen wegfallen - nun müssen viele um ihren Job fürchten. Denn der Konzern hat auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Wie bereits am gestrigen Dienstag bekannt wurde, will Airbus weltweit wegen der Corona-Krise insgesamt 15.000 Stellen streichen. 

Airbus-Stellenabbau in Corona-Krise: Arbeitnehmervertreter befürchten Kahlschlag

Arbeitnehmervertreter schlagen deshalb Alarm. Sie befürchten einen Kahlschlag. Airubs-Chef Guillaume Faury betonte unterdessen, man habe derartige Maßnahmen vermeiden wollen, müsse nun aber der Realität ins Auge sehen. Bis Sommer 2021 sollen die Pläne umgesetzt werden. Derzeit beschäftigt Airbus in Deutschland eigenen Angaben zufolge rund 46.000 Mitarbeiter an knapp 30 Standorten - zum Beispiel in Hamburg-Finkenwerder, Stadte und Bremen. Und auch Stellen der Airbus-Tochter Premium Aerotec mit Sitz in Augsburg sollen vom Stellenabbau betroffen sein (siehe Erstmeldung vom 30. Juni). 

Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert, dass Deutschland überproportional vom Stellenabbau betroffen sei, da zusätzlich zu den nun angekündigten 5100 Streichungen noch der bereits angekündigte Abbau von 900 Stellen bei Premium Aerotec hinzukommt. Jürgen Kerner, bei IG Metall zuständig für die Luft- und Raumfahrtbranche, kündigte an: „Das wird die IG Metall nicht hinnehmen.“ Das Virus* dürfe nicht als Vorwand für Einschnitte dienen, um auf Kosten der Beschäftigten die geplanten Renditeziele zu erreichen, betonte er. „Wir erwarten verbindliche Perspektiven, insbesondere für die Premium Aerotec. Nur mit einer soliden Basis kann nach der Krise ein Neustart gelingen.“

Jürgen Kerner von der IG Metall kritisiert den bei Airbus geplanten Stellenabbau scharf.

Airbus-Stellenabbau in Corona-Krise stößt in Frankreich auf Kritik

Update vom 30. Juni, 20.35 Uhr: Der geplante Stellenabbau beim Flugzeugbauer Airbus stößt im Pariser Wirtschafts- und Finanzministerium auf Kritik. Die vom Konzern genannte Zahl von 15.000 Jobs, die abgebaut werden sollten, sei überhöht, hieß es am Dienstagabend aus Kreisen des Ministeriums von Ressortchef Bruno Le Maire.

Die Mitte-Regierung habe bereits einen Rettungsplan von 15 Milliarden Euro für den Luftfahrtsektor aufgelegt, hieß es. Man erwarte von dem europäischen Flugzeugbauer, dass er die von der Regierung angebotenen Möglichkeiten für die Beschäftigung voll nutze.

Flugzeugbauer Airbus will weltweit 15 000 Stellen streichen - Deutschland massiv betroffen

Erstmeldung vom 30. Juni:

Toulouse - Auch der Flugzeugbauer Airbus ist von der Luftfahrt-Krise massiv betroffen. Jetzt will das französische Unternehmen weltweit 15.000 Stellen streichen.

Das Unternehmen informierte am Dienstagabend über seine Pläne. Demnach sind allein in Deutschland 5000 Stellen betroffen. Einzelheiten müssten noch mit den Sozialpartnern besprochen werden.

„Die Branche befindet sich in einer beispiellosen Krise“, hieß es in einer Mitteilung. Es werde erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 erholen werde und möglicherweise erst 2025 wieder auf dem Niveau von vor Corona sein werde.

Airbus streicht Tausende Stellen - auch in Deutschland

In Deutschland sollen von den Streichungen auch Stellen der Airbus-Tochter Premium Aerotec mit Sitz in Augsburg betroffen sein. Außerdem will Airbus 5000 Stellen in Frankreich, 900 in Spanien, 1700 in Großbritannien und 1300 an weiteren weltweiten Standorten streichen. Die Einzelheiten dieses Plans müssten noch mit den Sozialpartnern abgestimmt werden. Betriebsbedingte Kündigungen könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es weiter.

Bei Airbus schrillen schon länger die Alarmglocken. Der Konzern hatte bereits zuvor angekündigt, für zwei Jahre seine Produktion und seine Auslieferungen um 40 Prozent kürzen. Der Airbus-Chef Guillaume Faury hatte dabei Kündigungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen, zumal sich durch eine zweite Corona-Welle die erhoffte Belebung wieder verschlimmern könnte. In Deutschland beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte - etwa in Hamburg-Finkenwerder oder Bremen.

Airbus zieht Konsequenzen aus Krise: Warn-Hinweise gab es schon lange

Faury hatte zuvor zugesichert, wegen der Drosselung des Geschäftes keine Endmontagelinie zu schließen. Alle Modelle würden weiter produziert, aber in langsamerem Tempo. Von der meistverkauften Baureihe A320 sollen nur noch 40 Maschinen pro Monat gefertigt werden. Derzeit sind viele fertige Flugzeuge geparkt. Die Airlines nehmen sie wegen des Einbruchs im Markt durch die Corona-Krise zunächst nicht ab.

Der Franzose Faury hatte die Beschäftigten bereits mehrmals auf harte Zeiten eingestimmt und von einer existenzbedrohenden Krise gesprochen. Eigentlich sollten die nächsten Schritte erst im Juli angekündigt werden. Die Gewerkschaft IG Metall etwa hatte bereits Alarm geschlagen und vor einem Kahlschlag gewarnt. Sie schlug vor, die wenige Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen - eine „kollektive Arbeitszeitverkürzung“ nach dem Vorbild von VW.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus ist wie die gesamte Luftfahrtbranche wegen der Covid-19-Pandemie in eine schwere Krise geraten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte vor einigen Wochen ein 15 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die Luftfahrtindustrie angekündigt. In Frankreich arbeiten allein bei Airbus mit Schaltzentrale in Toulouse knapp 50 000 Menschen.

In Deutschland war vor allem die Lufthansa im Zuge der Luftfahrt-Krise in die Schlagzeilen geraten. (dpa/rjs) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / -

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