Das Dortmunder Landgericht „bedauert" die Entscheidung des Oberlandesgerichts.
+
Das Dortmunder Landgericht „bedauert" die Entscheidung des Oberlandesgerichts.

OLG Hamm

Mordfall Nicole-Denise Schalla: Angeklagter kommt frei - so reagieren die Eltern des Opfers

  • Jörn Hartwich
    vonJörn Hartwich
    schließen

Der mutmaßliche Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla kommt auf freien Fuß. Das sind die Gründe.

  • Völlig überraschende Entscheidung im Mordfall Schalla
  • Der mutmaßliche Mörder aus Castrop-Rauxel kommt auf freien Fuß
  • Die Eltern des Opfers aus Dortmund sind völlig geschockt

Mit dieser Nachricht hatte niemand gerechnet: Der mutmaßliche Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla muss mit sofortiger Wirkung aus dem Gefängnis entlassen werden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Donnerstag entschieden. Nachdem der Prozess Anfang des Jahres aufgrund der Erkrankung einer Richterin geplatzt war, hätten die Dortmunder Richter spätestens ab dem 20. April wieder verhandeln müssen, heißt es in einer Mitteilung. Das sei jedoch nicht passiert.

Eltern sind völlig geschockt

Die Eltern der vor rund 27 Jahren getöteten Schülerin reagierten entsetzt, als sie von der Haftentlassung erfuhren. „Sie können das überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte ihre Anwältin Arabella Pooth. „Sie sind am Ende mit den Nerven, völlig am Boden zerstört.“ Vor allem die Mutter habe die Nachricht schwer getroffen. „Sie hat nach Angaben ihres Mannes nur noch dagestanden und gezittert.“ Hintergrund der Haftentlassung ist das sogenannte Beschleunigungsgebot. Danach haben Angeklagte, die in Untersuchungshaft sitzen, ein Recht darauf, dass ihr Fall zügig verhandelt wird. Im Fall von Ralf H. sei das aus Sicht des Oberlandesgerichts zuletzt jedoch nicht mehr passiert. Tatsächlich sitzt der aus Castrop-Rauxel stammende Angeklagte seit dem 28. Juni 2018 in Untersuchungshaft.

Schülerin auf dem Heimweg verfolgt

Ihm wird vorgeworfen, im Oktober 1993 die damals 16-jährige Nicole-Denise Schalla auf dem Heimweg in Dortmund-Rahm verfolgt, überfallen und erwürgt zu haben. „Er hatte vor, sie zu vergewaltigen“, heißt es in der Anklage wörtlich. An der Leiche hatte die Polizei damals eine Hautschuppe gesichert, die nach einer nachträglichen DNA-Untersuchung 2018 schließlich zur Festnahme des Castrop-Rauxelers geführt hat. Er selbst hat die Vorwürfe im Prozess stets bestritten. Zuletzt hatte er im April 2020 einen Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft gestellt. Damals hatte das Oberlandesgericht dem jedoch noch nicht entsprochen.

Dortmunder Landgericht bedauert die Entscheidung

Das Dortmunder Landgericht „bedauerte“ die Entscheidung des Oberlandesgerichts. In Dortmund habe man die Situation anders bewertet. An der Planung des Dortmunder Schwurgerichts ändere die Entscheidung jedoch nichts. Der Prozess soll nun wie vorgesehen am 4. August beginnen. Dann würde Ralf H. erstmals nicht mit Handschellen im Gericht erscheinen, sondern würde das Gebäude an der Dortmunder Kaiserstraße durch den Vordereingang betreten. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Am Landgericht Bochum hat kürzlich der Prozess um hundertfachen Kindesmissbrauch in Recklinghausen begonnen.

Ebenfalls in Bochum ist der Prozess um einen Messerangriff in einer Teestube in Recklinghausen-Süd gestartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Serie von Auto-Aufbrüchen ärgert Dauerparker - der Betreiber will reagieren
Serie von Auto-Aufbrüchen ärgert Dauerparker - der Betreiber will reagieren
Erneut Geisterspiele zum Bundesliga-Start 2020/21? Söder mit herben Dämpfer für Fans
Erneut Geisterspiele zum Bundesliga-Start 2020/21? Söder mit herben Dämpfer für Fans
Schalke Transfer-Ticker: Geldsegen für den S04 dank Leroy Sané, Cedric Teuchert und Pablo Insua
Schalke Transfer-Ticker: Geldsegen für den S04 dank Leroy Sané, Cedric Teuchert und Pablo Insua
Wetter in NRW: Heute Sonne-Wolken-Mix bei angenehmen 21 bis 24 Grad
Wetter in NRW: Heute Sonne-Wolken-Mix bei angenehmen 21 bis 24 Grad
Wildwest am Kiesenfeldweg in Oer-Erkenschwick: Autos nutzen den Gehweg zum Überholen
Wildwest am Kiesenfeldweg in Oer-Erkenschwick: Autos nutzen den Gehweg zum Überholen

Kommentare