Beziehungsstreit endet vor dem Amtsgericht

Zeugin rief die Polizei - Pärchen schildert eine andere Version

Castrop-Rauxel - Ein 48-Jähriger soll seine Freundin im vergangenen Jahr angegriffen und ins Haus gezerrt haben. Eine Zeugin rief damals die Polizei. Das Pärchen schilderte beim Prozessauftakt aber eine ganz andere Version der Geschichte.

"Guck mal, da passiert was", hatte die 51-Jährige im November zu ihrem Sohn gesagt. Aus dem Autofenster heraus hatte sie gesehen, wie ein Mann eine Frau ins Haus zerren wollte, sie dabei im Nacken packte und in den Flur schubste. Der Sohn hatte zudem beobachtet, dass der Mann dabei mit einem Tritt nachgeholfen hat und die Polizei gerufen.

26-Jährige kann sich an nichts mehr erinnern

Jetzt musste das Pärchen vor Gericht erscheinen. Der 48-Jährige als Angeklagter, seine 26-jährige Freundin als Zeugin am Amtsgericht. Während die Freundin erklärte, gar nichts mehr zu wissen, auch nicht geschubst worden zu sein, schilderte der Freund die Situation ausführlicher. "Meine Freundin war sehr aufgeregt. Das ist sie öfter. Sie ist auch in psychiatrischer Behandlung. Ich wollte schnell mit ihr ins Haus, dabei haben wir uns in der Hundeleine verfangen und sind auf die Treppenstufen gefallen", sagte er aus und erklärte so die Verletzungen.

An den Dobermann konnten sich auch die beiden Zeugen, - Mutter und Sohn - erinnern. Das übrige Geschehen haben sie jedoch völlig anders wahrgenommen. Was auch der Grund für die 51-Jährige war, sich einzuschalten. Denn sie vermutete, die Frau würde gegen ihren Willen ins Haus gebracht. Dieser Eindruck verstärkte sich, als die junge Frau kurz darauf rittlings in einem geöffneten Fenster des zweiten Stockwerks saß und schrie "Ich möchte hier raus", und "Lass mich in Ruhe." Dabei hatte sie eine stark blutende Wunde am Kopf.

Schreie nur vorgetäuscht?Im Zeugenstand sagte sie aus, diese Fensteraktion vorgetäuscht zu haben. Sie sei stinksauer auf den Freund gewesen, der Streit sei ausgeartet. Außerdem habe sie zu dem Zeitpunkt Amphetamine konsumiert, die Nacht zuvor durchgemacht. Was sie der Polizei damals gesagt habe, wisse sie nicht mehr.

Was der Arzt zu ihrer Verletzung notiert hatte, wollte sie im Gerichtssaal nicht preisgeben. Sie entband den Mediziner nicht von seiner Schweigepflicht.

Da bei der Rekonstruktion des Geschehens noch Fragen offen blieben, setzte der Strafrichter einen Fortsetzungstermin für die Verhandlung fest. Dann soll ein Gerichtsmediziner anhand der Polizeifotos ein Gutachten zu den Verletzungen erstellen, außerdem die Polizisten angehört werden, die an jenem Tag im Einsatz waren.

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