Brand an der Grimbergstraße

Bewohner hatten Todesangst im Feuer

SCHWERIN - Zwei Tage nach dem Brand an der Grimbergstraße: Mieter können nicht in ihre Wohnungen zurück und sind verzweifelt. Die Polizei hat aber die Ursache ermittelt.

Am Montagmittag ist auf dem Gehweg vor dem Haus, in dem es in der Nacht zu Sonntag so verheerend brannte, viel los. Zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes stehen am Hauseingang neben einem halben Dutzend Mietern. Die Sicherheitsleute passen auf, dass niemand hereingeht, der dazu nicht befugt ist. Die Mieter dürfen nicht rein; nur Polizei und Sachverständige. Die Tür steht offen, ein Polizei-Absperrband flattert am Türgriff. Das Treppenhaus ist schwarz vor Ruß. Am Samstagabend um 23.30 Uhr schlugen die Flammen aus einer Wohnung im Erdgeschoss. Die Feuerwehr rettete 25 Personen und neun Katzen. Der 67-jährige Bewohner der Brandwohnung liegt noch im Krankenhaus, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt.

Kadira Bleck wurde dort wieder entlassen. "Wir waren in unserer Wohnung in der zweiten Etage", erzählt die 52-Jährige. Sie lebe seit 15 Jahren im Eckhaus an der Grimbergstraße. Jetzt steht sie hier mit ihrem Lebensgefährten auf der Straße. Die beiden, erzählt sie, lagen zu der Zeit schon im Bett, das Fernsehgerät lief leise, nur zum Einschlafen. "Mein Mann schrie plötzlich auf: ?Es brennt!' Dann versuchte er, die Tür zum Hausflur zu öffnen. Der schwarze Rauch zog direkt in unsere Wohnung herein. Dann sagte er nur: ?Wir sterben, wir sind tot.'"

Eine Sekunde lang habe sie gedacht: Wir springen heraus!

Sie wurde wenig später über eine Drehleiter der Feuerwehr, die mit zwölf Atemschutztrupps in dem Gebäude war, durch ihr Fenster gerettet. Eine Sekunde lang, erzählt sie, habe sie gedacht: Wir springen heraus! Dann kann sie sich nicht mehr genau daran erinnern, was geschah. Sie kam ins Evangelische Krankenhaus, sagt, dass die Ärztin sie wunderbar versorgt habe. "Aber ich weiß heute noch nicht, wie es weiter geht." Die Stadtverwaltung bot schnell Hilfe an und stellte Betten in einer Obdachlosenunterkunft zur Verfügung. Kadira Bleck übernachtete bei einer Freundin. "Die Menschen sind bislang alle anderweitig untergekommen", sagt Nicole Fulgenzi, Sprecherin der Stadt, am Montag. Die Möglichkeit, sich an die Stadt zu wenden, bestehe aber generell - nach wie vor.

Wie lange das Haus unbewohnbar ist, ist unklar. Die Feuerwehr ist froh, dass sie das Feuer auf das Erdgeschoss beschränken konnte. "Das Gebäude ist ein Altbau mit Holzeinschubdecken", erklärt Feuerwehrsprecher Michael Meissner im Interview am Montag. Hätte das Feuer sich dort durchgefressen, wäre das Gebäude einsturzgefährdet gewesen.

Die Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus. "Der Schaden beträgt mehrere 100.000 Euro", sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst. In der Wohnung des 67-Jährigen sei Tabak an einer offenen Flamme in Brand geraten. Kadira Bleck berichtet, dass der Mann alleine gelebt und einen Pflegedienst gehabt habe.

Sie ist froh, dass sie eine Versicherung hat. Andere Nachbarn hätten keine - für diese Menschen sei das Drama noch größer. "Eine tolle Gemeinschaft, die immer zusammengehalten hat."

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