CAS-Sounds - Folge 16

Rogue oder die Freunde der guten Laune

Becklem - Rogue beleben einen Stil neu, der inzwischen rund ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat - und somit älter als die Musiker selbst ist. Wir trafen sie Band aus Becklem in ihrem Proberaum. So hört sich ihr "Summer Blues" an.

Als Anfang der 90er-Jahre der Punkrock ein Revival erlebte und sich der bis dahin scheinbar unauflösbare Widerspruch zur Popmusik rasch in Wohlgefallen auflösen sollte, waren die vier Musiker von Rogue noch nicht einmal geboren. Auf einem Becklemer Bauernhof eifern sie heute einem Sound nach, der seinerzeit an Kaliforniens Küsten entstand.

"Wir nennen unsere Musik Punkrock", sagt Schlagzeuger Maximilian Seil (19), "aber eigentlich ist sie das nicht". Und Gitarrist Malte Hölscher (20) ergänzt: "Das ist schon mehr als immer die gleichen drei Akkorde." Gute-Laune-Rock sei daher eine bessere Beschreibung. Das gilt wohl ebenso für ihre musikalischen Vorbilder Blink 182 und Green Day (bis 2004 "American Idiot" das musikalische Spektrum erweiterte).

Und so klingt es dann auch als Rogue im Proberaum aufspielen: eingängiger Rock für die gehobene Stimmung. Aber ihre Musik soll natürlich mehr sein als bloß neuer Aufguss eines in die Jahre gekommenen Subgenres. Rogue fächern den Stil auf. "Wir versuchen, Elemente aus anderen Bereichen reinzubringen, auch wenn es manchmal im ersten Moment nicht zu passen scheint", sagt Malte. "Das sind meist Einflüsse aus der härteren Ecke", so Bassist Mortiz Manns (19), "Rock, Punk, Metal - mit Jazz kommt da keiner." Abwechslungsreich und dynamisch soll es klingen.

Neun fertige Songs - und viel Gefeile

So entstanden bislang neun fertige Songs. An diversen anderen Stücken wird noch getüftelt. "Wir feilen oft sehr lange daran, bevor wir damit auf die Bühne gehen", erklärt Sänger Nils Stasiak (20). "Zwischendurch wird ein Song dann auch mal auf Eis gelegt, bis einer Monate später mit einer Idee kommt", so Manns.

Seit dem Sommer spielt das Quartett vor Publikum. "Bislang haben wir gutes Feedback bekommen", so Stasiak. Für Januar stehen gleich mehrere Auftritte im Kalender. Essen, Münster, Wuppertal, Düsseldorf, um ein paar Stationen zu nennen. In Castrop-Rauxel fehle es an Auftrittmöglichkeiten, so Hölscher. "Hier gibt es keine wirkliche Musikszene, daher haben wir uns für Auftrittsmöglichkeiten immer an andere Städte gehalten", erklärt der Gitarrist.

Auch bei Nachwuchsfestivals wie Ermergenza und SPH (Ska/Punk/Hardcore) treten die vier jungen Musiker auf. Für die Band eine glückliche Wendung, denn ihre Zukunft schien eine Weile ungewiss - zumindest in dieser Besetzung. Der Sänger war für sechs Monate bei der Bundeswehr, strebte eine Feldwebellaufbahn als Zeitsoldat an, wollte sich für zwölf Jahre verpflichten. "Fünf Tage vorher habe ich widerrufen", so Stasiak. Nun macht er eine kaufmännische Ausbildung bei einem Versicherungsunternehmen - und kann mit seiner Band die Bühnen rocken.

Der Name stammt aus Star Wars

Ihren Namen - Rogue (englisch für Schurke) - haben die vier jungen Musiker übrigens kurzerhand vom 2016 erschienenen Star-Wars-Film entliehen. "Unsere Musik ist ja für die gute Laune, aber unsere Texte sind nicht unbedingt immer freundlich", sagt Hölscher. "Diesen Gegensatz wollten wir mit dem Namen abbilden."

Nach der Auftrittsphase feilen Rogue im Proberaum weiter an ihren Songs. "Wir Vier sind Freunde", sagt Stasiak. "Das ist eine gute Arbeitsgrundlage." Alle kennen sich vom Ernst-Barlach-Gymnasium. Jeder entwickelt auch die Ideen der anderen weiter. "Ich habe mal einen Song geschrieben", schildert der Sänger, "der war aber erst gut, nachdem die anderen Drei Arrangement und Text überarbeitet hatten." Hölscher an der Gitarre liefert viel Musik, Bassist Manns verfeinert sie.

Meist geht es da um nichts Besonderes

Texte steuern alle Vier bei. "Meist geht es da um nichts Besonderes. Ich schreibe, was mir durch den Kopf geht", sagt Manns, der Philosophie studiert. Bei ihrem Summer Blues, den das Quartett in unserem Video vorstellt, geht es "um die gute Laune, der im Sommer geborenen Menschen", erklärt Hölscher. Gute Laune muss halt das Thema sein.

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