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So sieht die Baustelle des Entlastungsbauwerks an der Industriestraße aus, das bald fertiggestellt sein soll.

Castrop-Rauxels Norden

Kein Emscher-Gestank mehr im Sommer 2017?

ICKERN/HENRICHENBURG - Die Zeiten der immensen Geruchsbelastung durch die Emscher könnten in Castrop-Rauxels Norden bald vorbei sein. Die Emschergenossenschaft ist mit dem Bau des Stauraumkanals Industriestraße fast fertig. Die ganze Maßnahme kostet mehr als urspünglich kalkuliert - die Verantwortlichen sind aber zufrieden.

Mittlerweile liege der Kanal auf seiner ganzen Länge von rund fünf Kilometern – und in einer Tiefenlage von 12 bis 18 Metern. Auch fast fertig sei das Drossel- und Entlastungsbauwerk, welches westlich des Wasserkreuzes das zwischen Gewerbegebiet und Suderwicher Bach liegt und zur Trennung von Regen- und Schmutzwasser dienen soll, sagt Pressesprecher Ilias Abawi. Die Auslaufstrecke, über die der saubere Regenwasseranteil künftig in die Emscher eingeleitet werden soll, sei sogar bereits komplett fertig.

Stauraumkanal ab Sommer im Einsatz

Abawi: „Wir werden den Stauraumkanal Industriestraße im Laufe der zweiten Jahreshälfte nach und nach in Einsatz nehmen. Für die Anwohner entlang der Emscher wird das dann eine Minderung der Geruchsbelästigung bedeuten.“ Da der eigentliche große Abwasserkanal Emscher voraussichtlich erst im Jahr 2018 in Betrieb genommen werden kann, erfolge bis dahin allerdings keine Trennung von Regen- und Schmutzwasser. Abawi: „Es wird vorerst alles wieder in die Emscher eingeleitet.“

Der eigentliche Abwasserkanal sei zwar schon fertig, aber die Pumpwerke in Betrieb zu nehmen, sei ein höchst aufwendiges Verfahren, dass noch Zeit benötige. Dennoch ergebe sich ein Vorteil für die Anwohner durch die Inbetriebnahme des Stauraumkanals: Es werde keine seitlichen Direkteinleitungen von Abwasser mehr in den Fluss geben. Die Zuflüsse aus den Haushalten der Anwohner flössen dann direkt in den unterirdischen Sammler.

Der letzte Schacht macht noch Probleme

Dadurch werde die Emscher nicht mehr mit Abwasser belastet, „folglich wird es weniger riechen“, erläutert Ilias Abawi. Einen wichtigen Vortrieb für den Stauraumkanal Industriestraße habe die Emschergenossenschaft noch vor dem Jahreswechsel abgeschlossen, ein letzter Schacht für einen seitlichen Anschluss hätte eigentlich im Januar hergestellt werden sollen. Abawi: „Der Schacht hätte aber mitten auf der Ickerner Straße errichtet werden müssen. Das wäre technisch möglich gewesen, hätte aber natürlich für Ickern einige Probleme und uns einige Diskussionen gebracht.“

Weil man sehr gut in der Zeit liege, habe man die Ingenieure daher noch einmal an die Arbeit gesetzt. Und die hätten eine Lösung für den Schacht gefunden, der nun ein Stück nördlich der Straße auf einem Gelände der Emschergenossenschaft errichtet wird. Die Arbeiten dafür sollen nun im Februar stattfinden.

Finanziell im Soll

Nicht nur zeitlich liege man komplett im Soll, so der Sprecher der Emschergenossenschaft. Mit der Kalkulation des gesamten Emscherumbau-Projekts liege man derzeit nur 17 Prozent über der 1992 zum Start kalkulierten Summe (8,7 Milliarden DM, umgerechnet 4,5 Milliarden Euro). Abawi: „Angesichts der Tatsache, dass die Baupreise im gleichen Zeitraum um 28 Prozent gestiegen sind, keine schlechte Bilanz.“

Eine gute Nachricht am Rande hat Ilias Abawi für alle Castrop-Rauxeler auch noch: Im späten Frühjahr oder im Frühsommer werden wahrscheinlich auch die bislang gesperrten Emscher-Radwege wieder freigegeben werden können.

Daten zum Kanal:

  1. Der Stauraumkanal Industriestraße ist insgesamt 4,5 Kilometer lang, verläuft überwiegend nördlich der Emscher und hat ein Fassungsvolumen von 16.000 Kubikmetern.
  2. Zusammen mit den seitlichen Anschlusskanälen hat die Emschergenossenschaft seit 2012 rund 5520 Meter Kanal verlegt.
  3. Der Innendurchmesser des Stauraumkanals reicht dabei von 1,60 Meter bis 2,40 Meter.
  4. Inklusive aller südlichen Einleitungen sind 46 Schächte für den Stauraumkanal notwendig gewesen, davon allein 30 entlang der Haupttrasse.
  5. Insgesamt zwölf Einleitungen, die aus dem Süden kommen und dafür an insgesamt neun Stellen die Emscher kreuzen oder unterqueren müssen, nimmt der Stauraumkanal Industriestraße auf.

So funktioniert die Trennung von Regen- und Abwasser:

Bei starken Regenfällen wird das Mischwasser im Kanal zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutz-Sedimente setzen sich nach unten ab und können, gedrosselt durch eine Ableitung, in den Abwasserkanal Emscher transportiert werden. Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nichtklärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Die Entlastung in die Emscher erfolgt im Bereich der Industriestraße (daher stammt ja auch der Name des Stauraumkanals) westlich des Wasserkreuzes und östlich des Suderwicher Baches, wobei das Entlastungsbauwerk teilweise auf der Grenze zu Recklinghausen liegt.

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