Krötenwanderung

Kröten kommen nicht durch den Tunnel und werden überfahren

Ute Cremer schlägt Alarm. Samstagabend rief sie die Polizei zur Hilfe. Kurz vor dem Bahnübergang am Deininghauser Weg wimmelte es vor Kröten. Cremer hofft auf Helfer.

Ginge es nicht um Leben oder Tod, könnte man sagen: Es ist zum Mäusemelken. Da gibt es unter dem Deininghauser Weg extra ein dickes Rohr, also so eine Art Untertunnelung, damit die liebestollen Kröten und Frösche sich auf ins Laichgebiet in der Gegend um den Brunoteich machen können, aber: Der Ausgang findet sich nur an der Seite zum Brunoteich hin. Auf der anderen Seite hat Ute Cremer vom Tierheim am Wochenende vergeblich nach der Öffnung Ausschau gehalten und gebuddelt. Samstagabend ist es sehr eng geworden. Zu eng für manche Amphibien. Autos haben sie platt gemacht. "Wo die Tiere alle so plötzlich herkamen, weiß ich nicht", sagt Ute Cremer. Sie sei gegen 19 Uhr nach Hause gekommen, da habe sie ein Riesen-Gewimmel kurz vor dem Bahnübergang gesehen.

Zwei Polizisten kamen und halfen mit

"Das waren bestimmt tausend Kröten", sagt Ute Cremer. In ihrer Not rief sie die Polizei an. Und hatte Glück. Zwei junge Beamte kamen und halfen beim Rübertragen der Tiere. "Viel sehen konnten wir nicht", sagt Ute Cremer. Es sei ja schon dunkel gewesen. "Wir haben uns gefreut, dass die Besatzung eines Streifenwagens helfen konnte und so viele Tiere gerettet werden konnten", sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Und fügt hinzu: "Diese Kröte haben sie gerne geschluckt." Aber wenn's woanders brenzlig gewesen wäre, sei der andere Einsatz wahrscheinlich wichtiger gewesen. Am nächsten Abend trugen Ute Cremer und eine Helferin 23 Kröten über die Straße. "Das ist aber keine Lösung", sagt Cremer. Als erstes brauche sie mehr helfende Hände im Krötenrettungs-Einsatz. Und hofft darauf, dass sich Ehrenamtler finden. Die Stadtverwaltung konnten unsere Redaktion am Rosenmontag, dem höchsten Feiertag der Karnevalisten, nicht dazu befragen. Vor ein paar Tagen war aus dem Rathaus die Meldung gekommen, dass die Wanderzeit der Amphibien aus ihren Winterquartieren zu den Laichplätzen begonnen hat. Deshalb hat der Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen die Straßen Finkenbrink und Waltroper Straße in Höhe der Eschstraße täglich von 18.30 bis 7.30 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Sechs Wochen dauert diese Sperrung, die natürlich mit Rücksicht auf den Artenschutz schon seit 1993 praktiziert wird. Die Straßen Brandheide und Deininghauser Weg sind Warnschildern ausgestattet. Es wird um vorsichtiges Fahren gebeten.

"Warum gibt es hier nicht auch eine Sperrung?"

Pustekuchen, sagt Ute Cremer. Die Autos und insbesondere die Brummis, meist zu Lobbe oder dem Verwertungscenter Castrop oder Richtung Klöcknerstraße unterwegs, donnerten vorbei. "Warum kann es hier nicht auch eine Sperrung geben?", fragt die 65-Jährige. Oder mindestens ein gelbes Blinksignal kurz vor dem Bahnübergang, wenn man aus der Richtung Ickern kommt. Ihrer Erinnerung nach sollen es früher drei dieser Rohre unterhalb der Straßendecke gegeben haben. Möglicherweise seien diese auch bei Fäll- oder sonstigen Arbeiten verschüttet worden. An Krötenzäune aus den Anfängen ihrer Dienstzeit vor über 35 Jahren könne sie sich auch erinnern, sagt sie. Aber die seien längst nicht mehr existent. Der Nabu-Kreisverband Recklinghausen kann da auch nicht einspringen. "Da ist Selbsthilfe der Leute in Castrop-Rauxel gefragt", sagt die erste Vorsitzende Ute Kühler auf Anfrage unserer Redaktion. Überall Krötenzäune anzulegen, sei halt auch ein teures Unterfangen. Die Nabu-Leute selbst sind bei sich im Einsatz und helfen den Kröten in Waltrop etwa über die Straße.

EUV will nach den Löchern gucken

In der Facebook-Gruppe "Du bist Castroper, wenn" tauchte die Meldung über die Frösche in Not auch auf - allerdings wohl bis auf eine Helferin ohne weiteres Unterstützungs-Echo. Auch das Team Tierschutz kann adhoc aus dienstlichen und Krankheitsgründen nicht aushelfen, bedauert deren Vorsitzender Nils Bettinger. Er verwies aber darauf, dass der Stadtbetrieb EUV mittlerweile involviert sei, der das Loch oder die Löcher wieder zum Vorschein bringen wolle. In Hochzeitsstimmung kommen Kröte, Frosch und Co. übrigens, wenn die Temperaturen nachts bei über fünf Grad liegen. Und kälter soll es ja gerade bei uns nicht werden. Wer helfen will, ruft im Tierheim an, Tel. (02305) 12887 oder auf Cremers Handy, Tel. (0157 )86584261 (bis 19 Uhr).

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