Die Reportage

Warum die Tannenbaum-Aktion ein Test fürs THW ist

CASTROP-RAUXEL - Die Tannenbaum-Aktion am Samstag: Für das Technische Hilfswerk ist sie mehr als nur das Einsammeln von Weihnachts-Resten. Das THW nutzt das Jahr für Jahr als Übung für den Ernstfall. Eine Reportage zum Lesen, Anschauen oder Hören.

Kurz vor 9 Uhr. Im Mannschaftsraum in der neuen THW-Unterkunft in Henrichenburg herrscht Betriebsamkeit. Frühstück. Elf Kinder, knapp 30 Erwachsene. Alle in der blauen Einsatzkleidung. Darüber tragen sie Warnwesten. Das Technische Hilfswerk sammelt gleich in Pöppinghausen und Habinghorst Tannenbäume ein. 100 im Dorf, insgesamt werden es am Ende über 1000 sein. Und wer bis 16 Uhr fertig sein will, inklusive Mittagsmahlzeit, der muss gut organisiert sein. Es gibt nur wenige Organisationen in Castrop-Rauxel, die das besser können.

"Die Tannenbaumsammlung ist gut geeignet"

In der Einsatzzentrale hängt ein Ortsplan der beiden Stadtteile. Neun Reviere sind eingeteilt; der zehnte ist Pöppinghausen. "Wir nutzen das hier als echte Übung", erklärt Sprecher und Ausbildungsleiter Michael Klagge. Er stemmt die Arme in die Hüften und sagt: "Funken, die Trupps einteilen, die Fahrzeuge koordinieren, zügig durchkommen." All das brauche man bei echten Einsätzen wie Bombenentschärfungen oder in Katastrophen-Fällen. Man übe auch in gestellten und erdachten Szenarien - "aber die Tannenbaumsammlung ist gut geeignet, um das mal im richtigen Umfeld zu üben".

Wir steigen in den Mannschaftstransportwagen, dem zuvor der Trupp von Robert Reifert zugeordnet wurde. Er macht das zum ersten Mal: funken, Ansagen machen und wissen, wo es lang geht. "Ich hoffe, dass ich das heute gut hinbekomme", sagt er. Dann funkt er mit der Zentrale, um den Standort durchzugeben: Habinghorst, Lange Straße. Er sagt "Absitzen", dann steigen die Helfer aus.

Per Digitalfunk zum WestrandwegWir fahren weiter nach Pöppinghausen. Kurzer Funkspruch von Michael Klagge, wo der dort eingesetzte Trupp gerade ist. "Westrandweg in Höhe Hausnummer 6", kommt über den Digitalfunk zurück. "Verstanden", antwortet Klagge. Die jugendlichen und erwachsenen Helfer dort ziehen die Bäume aus den Hauseinfahrten zu einer Sammelstelle. 50 Meter vielleicht. Dann klingeln sie an den Türen und sammeln Spenden. Beim THW sind sie in diesem Jahr für die Jugendabteilung bestimmt; unter anderem, um eine Freizeit im Sommer mit Übernachtungen in der Jugendherberge zu finanzieren. Bundesmittel gebe es dafür nicht. Jessica Hammer, eine der beiden Frauen, die beim THW die dicken Laster fahren darf, setzt den 16-Tonner zurück. Ladeklappe runter, Bäume rein. Es dauert ein paar Minuten, dann geht es von hier weiter in die nächste Straße.

In anderen Ortsteilen sind zeitgleich andere Gruppen unterwegs. Die Freiwillige Feuerwehr Dorf Rauxel zum Beispiel in Dingen, die Kolpingsfamilie in Frohlinde - überall sind es andere Gruppen. EUV-Fahrzeuge von der Müllabfuhr bringen die Bäume zum Entsorgungshof. Castrop-Rauxel ist wieder weitgehend weihnachtsfrei. Und das THW hat gelernt.

Die Reportage zum Anhören:

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