Steigende Friedhofsgebühren

Wenn die Bestattung auswärts zum Schnäppchen wird

Castrop-Rauxel - Die Nutzung der städtischen Trauerhallen in Castrop-Rauxel kostet sechsmal soviel wie in Nachbarkommunen. Und die Kosten steigen weiter. Wir haben nachgefragt, woran das liegt und ob der Trend zur Bestattung in anderen Städten geht.

Die Erhöhung der Friedhofsgebühren kommt. Das hat der Stadtrat in Castrop-Rauxel beschlossen. Trotz der zehn Gegenstimmen von FWI, der Linken, UBP und Ulrich Mues von der CDU steigen die Grabnutzungs- und Bestattungskosten im nächsten Jahr insgesamt durchschnittlich um 2,71 Prozent.

Betroffen ist davon auch die Nutzungsgebühr für städtische Trauerhallen, die im nächsten Jahr dann um 10 Euro angehoben wird. Dann kostet die Nutzung 485 statt 475 Euro. Für eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 30 bis 60 Minuten ein happiger Preis. Vor allem im Vergleich mit den Nachbarkommunen:

Mehr als die Hälfte günstiger ist die Nutzung einer Trauerhalle mit 210 Euro in Dortmund, in Datteln und Waltrop ist sie mit je 67 und 42 Euro dagegen sogar ein richtiges Schnäppchen.

Leichenzellen sind sechsmal teurer als in Dortmund

Für die Nutzung der Leichenzellen werden in Castrop-Rauxel ähnlich hohe Summen verlangt, mit 418 Euro sechsmal soviel wie in Dortmund. Zwar sinkt diese Gebühr im nächsten Jahr um ganze 194 Euro, also um fast die Hälfte, verglichen mit Preisen von 39 bis 69 Euro für Leichenzellen in der Region ist aber auch der neue Preis von 224 Euro immer noch sehr hoch.

Zusätzlich werden die Grabnutzungsgebühren, ohnehin bereits die teuersten der Region, im nächsten Jahr steigen. Bei Erdbestattungen von 1658 auf 1714 Euro, bei Feuerbestattungen von 884 auf 914 Euro. Die Bestattungsgebühren dagegen sollen 2018 leicht sinken: Erdbestattungen von 695 auf 692 Euro, Feuerbestattungen von 241 auf 240 Euro.

100 Bestattungen mehr pro Jahr würde die Probleme lösen

Manfred Postel (FWI) sprach in der Ratssitzung eine der großen Schwierigkeiten bezüglich der Friedhofsgebühren an: Von 1000 Todesfällen pro Jahr würden in Castrop-Rauxel nur etwa die Hälfte auch bestattet. Bei nur 100 Bestattungen mehr pro Jahr gäbe es laut Postel in Castrop-Rauxel keine Probleme mehr bei der Berechnung der Gebühren. Das liegt vor allem am Kostendeckungsprinzip.

Dieses Prinzip ist im Kommunalabgabengesetz des Landes NRW festgeschrieben und betrifft Benutzungsgebühren. Es besagt, dass mit den Friedhofsgebühren seine voraussichtlichen Ausgaben gedeckt werden müssen, ohne dass am Ende Gewinn erwirtschaftet wird. Wenn zu wenig Menschen die städtischen Angebote nutzen, wird weniger Geld erwirtschaftet.

Die Kosten wie die für Beerdigungen, Pflege und Instandhaltung des Friedhofs bleiben aber gleich. Ergo: die Friedhofsgebühren steigen, weil gleiche Kosten auf weniger Menschen verteilt werden müssen.

Alternative zur Spirale der Kostensteigerung gesucht

Dies wiederum führt dazu, dass immer weniger Menschen die teuren Angebote nutzen und nach Alternativen suchen, und die Spirale der steigenden Kosten sich so stetig weiter dreht. Im Fall der Trauerhallennutzung ist bereits überdeutlich geworden, wohin diese stete Kostensteigerung führt.

Bestatter Ludger Bialas hat zwar nicht den Eindruck, dass Angehörige sich bei ihm gezielt nach Angeboten in Nachbarkommunen erkundigen. Für viele sei eine Bestattung aber einfach ein finanzielles Problem, vor allem wenn sie nicht vorgesorgt hätten. "Sie gucken dann auf die Kosten und fangen an, nach Alternativen zu suchen."

Er meint, die Kostensteigerung sei ein völlig falscher Weg der Stadt, das Problem anzugehen. Er berichtet im Gespräch vom Zustand einiger städtischer Trauerhallen: "Das geht gar nicht. Wenn für eine Halle in schlechtem Zustand utopische Preise verlangt werden, boykottieren die Bürger das natürlich." Er selbst hat von der Stadt seit September 2017 die Trauerhalle in Henrichenburg gepachtet, renoviert, und seit September bereits fünfmal vermietet.

"Die Castrop-Rauxeler sind eigentlich sehr ortsverbunden"

Vorher wurde sie gar nicht mehr genutzt. "Die Leute sind schon bereit, das Geld auszugeben, aber nur, wenn es auch gerechtfertigt ist." Sein Vorschlag an die Stadt ist es, die Trauerhallen wieder vernünftig herzurichten, attraktiver zu machen, um so einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Wenn dabei Preise realistisch blieben, könne man positiv bestärken, und die Bürger von Bestattungen in Castrop-Rauxel überzeugen. Die Frage bleibt dabei nur: Wer zahlt?

Den Eindruck, dass es eine Ortsflucht gibt, sich die Castrop-Rauxeler gezielt des Preises wegen außerhalb bestatten lassen, hat Mark Armellini vom Haus der Trauer ebenso wenig wie Ludger Bialas: "Eigentlich sind die Castrop-Rauxeler sehr ortsverbunden und weichen nicht gerne auf andere Ortschaften aus." Klar gäbe es gerade im Norden der Stadt Ortsteile, bei denen es durchaus üblich wäre, auch in Dortmund- Mengede zu bestatten, aber viele Bestattungen fänden schon in Castrop-Rauxel statt.

Wie Bialas übt Armellini Kritik an den städtischen Trauerhallen. Sie seien oft nicht ordentlich gereinigt, schlecht geheizt, die Instrumente nicht gewartet oder verschmutzt. Auch das Haus der Trauer bietet Trauerfeiern in der hauseigenen Halle an, die gut angenommen würden.

Zahl der Feuerbestattungen deutlich gestiegen

Die Nutzung von Trauerhallen ist nicht unmittelbar gekoppelt an den Ort der Bestattung. Es ist beispielsweise möglich, die Trauerhalle in Datteln anzumieten, aber die Bestattung dann in Castrop-Rauxel durchzuführen. Hohe Trauerhallengebühren sind also nicht alleiniger Grund, dass viele Bestattungen, wie Postel berichtet, außerhalb der Stadt vollzogen werden.

Bestatter Heinrich Gösmann erläutert, dass es bei seinem Bestattungsinstitut in Ickern generell einen Trend zu Bestattungen in Dortmund gäbe, aufgrund der örtlichen Nähe. Ganz besonders äußere sich dies aber gar nicht bei Erd-, sondern bei Feuerbestattungen. Vor allem bei anonymen Feuerbestattungen. Generell gäbe es heute mehr Feuerbestattungen als früher. Bei anonymen Feuerbestattungen beschließt jede Stadt selbst, ob sie den Angehörigen gestattet an der Beisetzung teilzunehmen oder nicht.

Angehörige sollen wieder an anonymer Bestattung teilnehmen dürfen

In Castrop-Rauxel ist das seit einigen Jahren nicht mehr erlaubt, ebenso wenig in Dortmund. Unterschiede zwischen den beiden Städten bestehen im Preis-Leistungs-Verhältnis. Gösmann erklärt, bei einer anonymen Feuerbestattung sei die Leistung die gleiche, bei einer Bestattung in Dortmund könnten die Angehörigen allerdings Einsparungen von um die 1000 Euro machen. "Wenn man sowieso nicht an der Beisetzung teilnehmen darf, entscheidet häufig der Preis", kommentiert Gösmann.

Bei der Stadt hätte er bereits angeregt, ob man die Angehörigen in Castrop-Rauxel nicht wieder an der Beisetzung teilnehmen lassen könne. Denn das könne ein wichtiges Entscheidungskriterium sein, weshalb Bürger auch für die anonyme Urnenbestattung wieder vermehrt Castrop-Rauxel als Bestattungsort wählen würden. Klar ist, dass irgendetwas passieren muss, um dem jährlichen Anstieg der Friedhofsgebühren entgegenzuwirken.

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