Unfallstatistik 2017

Castrop-Rauxel ist ein gefährliches Pflaster für Kinder

Castrop-rauxel - Die aktuellen Zahlen der Unfallstatistik zeichnen für Castrop-Rauxels Kinder ein erschreckendes Bild. Besonders der Schulweg steht im Fokus. Trotz aller Bemühungen der Polizei ist die Unfallzahl viel zu hoch geblieben.

Die Straßen in Castrop-Rauxel bleiben für Kinder ein gefährliches Pflaster. Denn trotz intensiver Bemühungen der Polizei nahm die Zahl der verunglückten Minderjährigen 2017 erneut zu. Das belegt die jetzt veröffentliche Unfallstatistik der Polizei Recklinghausen.

28 Kinder verunglückten im Jahr 2017 in Castrop-Rauxel. Ein Jahr zuvor waren es auch schon 27. Im Jahr 2013 waren "nur" 15 Kinder verunglückt. Das entspricht einem Anstieg von fast 87 Prozent in den vergangenen vier Jahren. Auch im gesamten Kreis Recklinghausen ist die Anzahl der verunglückten Kinder im im Vorjahr erneut leicht gestiegen. Durchschnittlich gab es pro Kommune einen Schulwegunfall mehr als 2016. In Castrop-Rauxel stieg die Zahl sogar um 400 Prozent. Gab es im Jahr 2016 einen Unfall dieser Art, waren es im zurückliegenden Jahr fünf Stück.

Alle Bemühungen umsonst

Und das, obwohl gerade die Kinder seit Jahren eine wesentliche Zielgruppe im Bereich der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit sind. Diese beginnt bereits im Kindergarten und erstreckt sich anschließend über die Grundschule bis hin zu den weiterführenden Schulen. So unterstützen die Experten der Verkehrssicherheit zum Beispiel die Grundschulen bei der Radfahrausbildung oder nehmen an Projekten zur Schulwegsicherung teil. Auch helfen sie bei der Erstellung von Schulwegplänen und bilden Schülerlotsen und Verkehrshelfer aus. An den reinen Zahlen gemessen tun sie das mit ausbaufähigem Erfolg.

Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen betont: "Die Unfallentwicklung 2017 zeigt teils sehr erfreuliche Tatsachen, weist aber auch auf Bereiche hin, die einer besonderen Betrachtung bedürfen." Zu diesen Bereichen gehören vor allem Fußgänger und Radfahrer, und somit auch Kinder. Denn diese Verkehrsteilnehmer sind erhöhten Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Im Gegensatz zu Autofahrern sind diese eben nicht durch verbesserte Sicherheitsstandards wie Airbag oder Sicherheitsgurt geschützt. Dies ist auch durch die Unfallsursachen der verunglückten Kinder im Jahr 2017 in Castrop-Rauxel belegt. 17 von 28 dieser nahmen als Rad- oder Fußgänger am Straßenverkehr teil. Die übrigen elf Kinder verunglückten als passive Teilnehmer im Auto.

Weniger Senioren in Unfälle verwickelt

Die Anzahl der Unfälle, in die Senioren verwickelt waren, war hingegen rückläufig. Für diese Personengruppe weist die Unfallstatistik einen Rückgang von 39 Prozent aus. In absoluten Zahlen heißt das: 2016 verunglückten 41 Senioren, ein Jahr später 25. Damit ist Castrop-Rauxel eine Ausnahme im Kreis Recklinghausen, denn insgesamt nahm dort die Anzahl der verunglückten Senioren um etwa 7 Prozent, von 353 im Jahr 2016 auf 378 im letzten Jahr zu. Auffällig im Kreis Recklinghausen: In 18 von 32 Unfällen mit Pedelecs waren Senioren involviert. In Castrop-Rauxel ist die Anzahl der verunglückten Senioren per Rad derweil zum ersten Mal seit drei Jahren wieder rückläufig. Verzeichnete die Unfallstatistik 2016 noch 7 Radfahrunfälle mit Senioren, waren es 2017 nur noch 5 ? ein Rückgang von gut 28 Prozent.

Viel Unfälle beim Wenden und Abbiegen

Die Aufschlüsselung der Unfallursachen für Castrop-Rauxel zeigt: Die Manöver Abbiegen und Wenden sind die Hauptursachen für einen Verkehrsunfall. Knapp 43 Prozent aller Unfälle in der Stadt sind diesem Bereich zugeordnet. Fehler beim Abbiegen und Wenden sind auch auf Kreisebene mit einem Anteil von über 41 Prozent die häufigste Ursache bei Unfällen mit schwerwiegenden Folgen. Und fast jeder siebte Unfall im Kreis Recklinghausen geht auf Vorfahrtsverstöße und Missachtung des Vorranges zurück. In Castrop-Rauxel ist dies ebenfalls mit 13,35 Prozent die zweithäufigste Unfallursache. Geschwindigkeitsverstöße sind die dritthäufigste Unfallursache in unserer Stadt. "Grundsätzlich gilt, je schneller gefahren wird, desto schwerwiegender sind die Folgen bei einem Unfall", betont der Leiter der Direktion Verkehr, Karl-Heinz Henn.

Alkohol und Drogen im Spiel

Neben der Anzahl der verunglückten Kinder im zurückliegenden Jahr sind auch noch zwei andere statistische Werte besorgniserregend: Die Zahl der Verkehrsunfälle, in denen Alkohol oder Drogenkonsum eine Rolle spielte. 44 Unfälle im Jahr 2017 passierten, weil sich Fahrer nach dem Genuss von Alkohol noch ans Steuer setzten. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2016, dort gab es 36 dieser Delikte, einem Anstieg von gut 22 Prozent. Noch viel drastischer ist der prozentuale Zuwachs in den Fällen, in denen Drogenmissbrauch zu einem Verkehrsunfall führten. Sechs solcher Fälle gab es im vergangenen Jahr in Castrop-Rauxel. Das entspricht im Vergleich zu 2016 einem Anstieg von 200 Prozent. Auch auf Kreisebene nahm die Anzahl der Unfälle zu, bei denen Drogen und Alkohol mit im Spiel waren.

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