Viel Konkurrenz

Taxi-Branche steht durch Uber und mytaxi kräftig unter Druck

Castrop-Rauxel - Der Taximarkt steht vor Veränderungen. "mytaxi" und "Uber" heißen zwei Konkurrenten, die den Druck auf die Branche erhöhen. Auch Taxi-Unternehmen aus Castrop-Rauxel spüren das. Zwei mussten schon aufgeben.

Das Taxi-Monopol wankt, denn Taxi-Unternehmen haben große Konkurrenz bekommen - digitale Konkurrenz. Auch für Castrop-Rauxeler Taxiunternehmen sind "mytaxi" und "Uber" keine Fremdwörter mehr. Denn die Neuen am Markt üben heftigen Druck auf die klassischen Taxiunternehmen aus.

Die Taxi-Unternehmer in Castrop-Rauxel sehen deshalb einer ungewissen Zukunft entgegen. Noch 25 Taxis gibt es in der Europastadt. Allein innerhalb des vergangenen Jahres mussten zwei lange am Markt vertretene Unternehmen aufgeben. Und die verbliebenen Mitbewerber können sich selbst auch keine rosige Zukunft ausmalen. Das ärgert sie ziemlich. "Wir müssen hier schon enorme Klimmzüge machen, um überhaupt noch überleben zu können", sagt Frank Lobedan, Inhaber von Taxi Spiegel. Das Gewerbe sei vollkommen kaputt, Anbieter wie "Uber" und "mytaxi" seien die finalen Sargnägel für die eh schon stark angeschlagene Branche. "Diese Konkurrenz belebt das Geschäft nicht, sondern macht die Preise kaputt", so Lobedan. Doch wer sind "mytaxi" und "Uber" eigentlich und warum können sie so starken Druck auf die Taxi-Branche ausüben? "mytaxi" gehört seit 2014 ausgerechnet dem Daimler-Konzern. Die Taxi-Branche fährt bekanntlich gerne Mercedes. Es ist der Marktführer unter den Digitalisierern und versteht sich als Konkurrenz zu den Taxi-Zentralen. "mytaxi" koordiniert in einem bestimmten Gebiet den Einsatz der Taxis, die angeschlossen sind. Es ist also eine reine Verkehrsplattform im Internet und hat keine eigenen Fahrzeuge. Allein die bequeme Vermittlung ist das Geschäftsmodell.

2600 Fahrer angeschlossenIm Ruhrgebiet sind der Taxi-App rund 2600 Taxifahrer angeschlossen, die jeweils eine Gebühr von sieben Prozent pro Fahrt zahlen müssen. Am Preis für den Fahrgast ändert sich dagegen nichts. In vielen Städten bieten Taxifahrer ihre Dienste über die klassische Taxi-Zentrale an - und über die "mytaxi"-App. Doppelfunk nennt man das in der Branche. Für Castrop-Rauxeler Taxiunternehmer ist der Vermittler aber ein Dorn im Auge, Doppelfunker gibt es hier nicht.

Taxi Spiegels Fuhrpark umfasst sechs Wagen, aber die auch via der "mytaxi"-Plattform anzubieten, kommt für den Inhaber nicht infrage. "Was sollen wir denn in einem Pool, in dem es darum geht, die Preise noch weiter zu drücken?", fragt Frank Lobedan. Die eigenen Dienste dort anzubieten, kommt auch für Winfried Bucher, Chef des gleichnamigen Taxi-Unternehmens, nicht in die Tüte. "Wir brauchen so was nicht, um unsere Kunden zu erreichen", sagt Bucher. Er teilt die Meinung Lobedans, was den negativen Effekt von "mytaxi" und "Uber" auf die Branche angeht.

Denn nicht nur "mytaxi" attackiert: Der ebenfalls auf einer App basierende Fahrtenvermittler "Uber" schielt nach NRW. Uber sieht sich als Dienstleistungsunternehmen. Uber vermittelt per App Mietwagenfahrer an Fahrgäste. Fahrpreise sind variabel verhandelbar. Das Unternehmen erhebt eine Provision von bis zu 20 Prozent des Fahrpreises. Deutschland sei ein "strategischer Markt für Uber", sagte der Europa-Chef des US-Unternehmens, Pierre-Dimitri Gore-Coty, jüngst im Interview mit dem Handelsblatt. Gore-Coty: "Vielleicht schon 2018 könnte das Angebot auf Frankfurt und Städte in Nordrhein-Westfalen ausgedehnt werden."

Kaum noch Taxifahrer93.000 Fahrzeuge sind in Deutschland unterwegs, sie befördern 430 Millionen Menschen, der Umsatz liegt bei 4,2 Milliarden Euro. Noch haben bei dem riesigen Geschäft die Taxi-Zentralen das Sagen. Doch wie lange noch, ist ungewiss. Das wissen auch die Castrop-Rauxeler Taxi-Unternehmer. Taxi Bucher bedient die Kunden gegenwärtig mit zehn Wagen. Wie lange das noch der Fall sein wird, weiß Winfried Bucher nicht. Neben der großen Konkurrenz kommen weitere Probleme hinzu. "Mittlerweile ist es unglaublich schwer geworden, Taxifahrer zu finden. Das will doch keiner mehr machen - nicht mal mehr die Rentner", sagt Bucher. Und die, die sich dennoch hinters Steuer setzen wollen, würden durch die sogenannte Ortskenntnisprüfung davon abgehalten. Die gilt nur für die Taxi-Branche, für Mietwagenfahrer, wie bei Uber, aber nicht. Die Taxi-Branche - laut Bucher steht ihr das baldige Aus ins Haus. "In zehn Jahren wird es keine Taxi-Unternehmen mehr geben", sagt Bucher.

Dass der Überlebenskampf der letzten lokalen Taxi-Unternehmer bereits im vollen Gange ist, bestätigt Martina Nöther, Betriebsleiterin des Personenbeförderungsunternehmens White Cars. Besonders "Uber" sei eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Branche geworden wie Nöthern sagt. "Die brauchen keine Konzessionen, haben keine Personenbeförderungsscheine, müssen keine Mindestlöhne zahlen und es fallen keine Instandhaltungskosten für Fahrzeuge an, wie sie sonst die Betriebe haben. Da können wir nicht mehr mithalten."

"Dubioser Ruf"Das Taxi-Unternehmertum rechne sich bei solcher Art von Mitbewerbern gar nicht mehr. Derzeit unterhalte man bei White Cars zwei Mietwagen und zwei Taxen - und die wolle man auch nicht bei "mytaxi" anbieten. "In der Branche hat dieser Anbieter einen recht dubiosen Ruf", sagt Martina Nöthen. Auch die Krankenbeförderungen übernehmen noch die klassischen Taxis. "Die Fahrgäste mit Krücken und Rollator, die will ,mytaxi' nicht", sagt Dieter Zillmann. Er bleibt als Vorsitzender des Taxi-Verbandes skeptisch. "Verhandlungen mit den Krankenkassen - die müssen weiter wir führen."

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